BAD BRÜCKENAU

150 Jahre Kolpingsfamilie: Fundament in schnelllebiger Zeit

Programmatisch: Herbert Stamm (links) und Rudolf Wallrab mit dem Jubiläumsprogramm der Kolpingsfamilie. Foto: Steffen Standke

Familie, Bildung und Glaube – die Grundfesten der Kolpingsfamilie haben sich nicht geändert in 150 Jahren. Seit 1861 besteht der Sozialverband engagierter Katholiken auch in Bad Brückenau. Ein Jubiläum, das das ganze Jahr über gefeiert wird – zuerst mit einem Festabend am 19. März.

„Die Feierlichkeiten werden wohl etwas bescheidener ausfallen, nicht ganz so groß wie vor 25 Jahren zum 125.. Damals war die Kolpingbewegung noch größer“, sagt Herbert Stamm. Der Verein habe Nachwuchssorgen – wie viele andere Vereine auch. 200 Mitglieder waren es noch 1986; heute sind es 115.

„Die jungen Leute sind nicht gegen das, was wir tun. Aber sie wollen nicht beitreten und sich dadurch zu stark binden“, sagt Rudolf Wallrab, lange Vorstandsmitglied und Schriftführer im Verein.

Als ehemaliger Grundschulrektor hat er selbst drei Jahre deutschstämmigen Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion für Kolping Sprachunterricht gegeben. Bis auf einen Mann seien Frauen ab 25 Jahren gekommen, erzählt er.

Der Austausch ging auch in die andere Richtung. Jahrelang erschlossen sich die Mitglieder der Kolpingsfamilie auf Bildungsreisen frühere deutsche Ostgebiete. Es fanden aber auch Tagesfahrten in einem Umkreis von 100 Kilometern statt.

Bildungsarbeit – das ist nur eine Aufgabe der Kolpingsfamilie. Über Sammlungen werden notleidende Menschen in Krisengebieten unterstützt. So kam über Altkleidersammlungen Geld zusammen, das größtenteils in die Rumänienhilfe floss.

„Durch generationsübergreifende Gemeinschaft wollen wir den Menschen ein Fundament geben in einer schnelllebigen Zeit mit immer neuen Eindrücke“, sagt Stamm. Täglich strömten verschiedene Meinungen auf die Menschen ein. Da wolle die Kolpingsfamilie Halt geben.

Die Generationenidee – das ist vielleicht das, was den heutigen Sozialverband von dem vor 150 Jahren gegründeten Verein unterscheidet. Denn der ursprüngliche Gedanke, den Priester und Sozialreformer Adolph Kolping hegte, war, notleidenden Wandergesellen in der Zeit beginnender Industrialisierung eine Heimat zu geben. Die Wandergesellen, so Kolping, bräuchten Bildung, Familie und Glauben. Nur so könnten sie sich in die Gesellschaft einmischen.

Unter diesem Motto wurde 1861 auch der Bad Brückenauer Verein gegründet. Gefeiert wird das am 19. März, dem Josephstag. Wie andere Kolpingvereine wurde der Brückenauer schnell erfolgreich, blieb aber auf die Handwerkerschaft beschränkt.

Das änderte sich vor dem Zweiten Weltkrieg, als die Grundlagen für einen Wandel zum Familienverband gelegt wurden. In der Nazizeit zogen sich die Kolpingfamilien in den innerkirchlichen Raum zurück.

Doch nach dem Krieg wurde der Wandel vorangetrieben. Seit 1966 sind Frauen als Mitglieder im Gesamtverband zugelassen; die Gruppe Jungkolping wurde auch in Brückenau gegründet.

Mit dem Beschluss über die „Aktion Brasilien“ 1968 breitete sich der Verband auch international aus. Seit der Wiedervereinigung 1990 besteht der gesamtdeutsche Bundesverband Kolpingwerk Deutschland.

Heute sind im Ortsverein vor allem junge Familien als Mitglieder gefragt: „Das hätte den Vorteil, dass neue Ideen hereinkommen“, sagt Vorsitzender Herbert Stamm.

Am 19. März wird das Jubiläumsjahr mit einem Festabend mit Ehrungen offiziell beginnen. Um 18 Uhr ist Gottesdienst mit Diözesanpräses Stephan Hartmann und dem früheren Domkapitular Hans Herderich. Victor Feiler aus Köln hält die Festrede über Kolping.

Es folgen bis Juli Wanderungen, Ausflüge in die Umgebung und Treffen. Höhepunkt des Festjahres dürfte am 29. Mai der Bannerzug vom alten Rathaus durch die Stadt sein. Den Festgottesdienst hält Landespräses Christoph Huber, Grußworte Landtagspräsidentin Barbara Stamm.

Zur Person

Adolph Kolping

Adolph Kolping wird am 8. Dezember 1813 in Kerpen geboren. 1832 kommt er als Handwerksgeselle nach Köln, besucht von 1837 bis 1845 das dortige Marzellengymnasium. Anschließend studiert er Theologie an den Universitäten München und Bonn sowie am Priesterseminar in Köln. 1845 zum Priester geweiht, tritt er im Mai seine erste Stelle als Kaplan in Elbersfeld an. Ein Jahr später gründet dort Lehrer Johann Gregor Breuer den ersten Gesellenverein. Kolping wird im Juni 1847 stellvertretender Präses.

Als Kölner Domvikar gründet Kolping am 6. Mai 1847 mit sieben Mitstreitern den Kölner Gesellenverein – die Keimzelle der Kolpingbewegung. Am 10. Oktober 1851 hält er auf dem Katholikentag in Mainz zwei bedeutsame Reden über den Gesellenverein und regt die Gründung weiterer Gesellenvereine an. Am 4. Dezember 1865 stirbt Adolph Kolping. Sein Gesellenverein, der sich weit über Deutschland hinaus verbreitet hat, zählt zu diesem Zeitpunkt bereits 24 000 Mitglieder in 418 Ortsvereinen. 1991 spricht Papst Johannes Paul II. Kolping selig.

Lang ist's her: Der Gesellenverein Bad Brückenau 1899, wahrscheinlich im Hotel „Post“. Foto: Repro: Steffen Standke

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