GROSSENBRACH

25 Jahre L+S AG: Das Labor wächst und wächst, wie Keimkulturen auf Nährboden

25 Jahre L+S AG Das Labor wächst und wächst, wie Keimkulturen auf Nährboden. Das gilt für Mitarbeiter wie Umsatz. Jetzt stehen erste Firmen-Zukäufe an. Und ein Nachbargrundstück wartet schon auf den nächsten Erweiterungsbau.

Wo gibt's denn das? „Guten morgen“, werden schon auf der Straße selbst Fremde gegrüßt. „Heute bei uns zu Gast: Roland Pleier, Main-Post.“ Der Reporter ist nicht der Einzige auf dem Empfangsbildschirm im Foyer, in dem Obst und Regenschirme zum Gebrauch für jedermann bereitstehen. Gegrüßt wird man oft in diesem Haus im Industriegebiet Mangelsfeld, oft sogar mit freundlichem Lächeln. Gäste gehören zum Alltag bei der Labor L+S AG. Im Schnitt jede Woche ein anderes Audit, täglich Firmenvertreter zu Besuch bei einer Firma, die deutschlandweit bedeutsam und seit der Gründung vor 25 Jahren auf Expansionskurs ist.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg stetig. Mit derzeit 345 gehört das Labor in Großenbrach zu den Top 10 Betrieben im Landkreis. Wobei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Wenn's weitergeht wie bisher, wird es selbst mit dem vor drei Jahren eingeweihten Anbau wieder eng. Für diesen Fall jedoch ist vorgesorgt: Ein Grundstück auf der anderen Straßenseite für den möglichen Erweiterungsbau Nummer vier ist schon gekauft.

Unprätentiös, freundlich und offen erzählt Frank Böttcher von dieser Entwicklung. Hinter ihm an der Wand hängen zwei Bilder: eines von seiner Familie, das zweite von Gerd Schönfelder. Der armamputierte Skirennfahrer, dekoriert mit 16 paralympischen Goldmedaillen, wird seit fast zehn Jahren von der Großenbracher Firma gesponsert.

Auch diese ist erfolgreich. Der Umsatz sei bisweilen sogar zweistellig gestiegen, sagt Böttcher. Lediglich 2009, als die Firma 3,5 Millionen Euro in den Anbau steckte, habe sie nur eine „schwarze Null“ geschrieben.

Böttcher hat sein Büro im ersten Stock, gleich neben dem Treppenaufgang. Der promovierte Pharmazeut rückte 2005 in den Vorstand auf, ist zuständig für Labor, Finanzen und Personal. Er bildet eine Doppelspitze zusammen mit Lothar Bomblies. Der promovierte Biologe kümmert sich um Firmenzukäufe und -erweiterung. Er ist Vorstand, seit sich die Firmengründer Rüdiger Leimbeck (L) und Bernd Sonnenschein (S) 2003 in den Aufsichtsrat zurückgezogen haben. Die Büros der beiden Vorstände sind durch eine eigene Türe verbunden. Kürzere Wege gibt's nicht.

Die Firma indes hat auf ihrem Weg noch einige Etappen vor sich. Ob die Expansion auf dem amerikanischen Markt gelingt, hänge von Entscheidungen der dortigen Gesundheitsbehörde ab, sagt Böttcher. Es sei zu erwarten, dass die formellen Anforderungen sehr hoch würden – um den heimischen Markt zu schützen. 25 Jahre lang sei das Labor organisch gewachsen. Künftig will es auch „durch Zukauf wachsen“, ergänzt Bomblies. „Wir sondieren Kandidaten.“ Mit einem Ableger der Heidelberger Biopharm GmbH ist L+S heuer erstmals in der Firmengeschichte eine Kooperation eingegangen.

Lebensmittel und Wasser, Kosmetik sowie Hygiene sind drei der vier Bereiche des Leistungsspektrums. Das wichtigste Standbein mit einem Umsatzanteil von 70 Prozent ist jedoch die pharmazeutische Industrie. Diese grobe Aufteilung ist noch fein untergliedert und differenziert. Entsprechend verteilt sich die Belegschaft auf viele Grüppchen.

Die Keimzähler sind mit knapp 50 Mitarbeitern die größte, gefolgt von den Mikrobiologen und den Sterilprüfern mit jeweils rund 30. Für letztere war zehn Jahre lang – bis vor kurzem – Timo Krebsbach verantwortlich. „Im Bereich Sterilprüfung sind wir Weltmeister“, sagt er. „Kein anderes Labor, keine andere Firma führt mehr Sterilprüfungen durch als wir.“ Notwendig seien sie bei allen pharmazeutischen Produkten, die direkt in die Blutbahn gelangen, also Injektionen oder Infusionen.

„Hier geht es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod“, verdeutlicht der promovierte Biologe. Am Beispiel Sterilprüfungen sei am besten zu veranschaulichen, wie hoch der personelle und technische Aufwand von Untersuchungen in dem Labor ist.

Seine Führung beginnt im Erdgeschoss. Dort werden die Chargen angeliefert. Bis zu 200 Päckchen mit bis zu 1300 Proben pro Tag. Das abgesaugte Verpackungsmaterial Styropor füllt täglich zehn gelbe Säcke, die Kartons werden zu Ballen gepresst, Plastik zu Würfeln. Bis zu zehn Auspacker und Hausmeister überprüfen den Auftrag, verpassen den Proben Stempel und Uhrzeit. An diesem Tag mit dabei ist eine Charge von 20 Vials (Glasfläschchen mit Durchstichgummistopfen) eines Antibiotikums. Im Nebenraum vergeben fünf Mitarbeiterinnen der Probenerfassung dieser Lieferung eine L+S-Nummer, erfassen alle Daten im Computer und legen die Probe ins Ausgangsfach 12 für die Sterilprüfer. Diese kommen immer wieder mal hier vorbei und holen es bei Bedarf ab.

Der Isolator ums Eck im zutrittsbeschränkten Bereich ist seit 6.30 Uhr beladen, mit Isopropanol und Wasserstoffperoxid keimfrei gemacht. „Der Mensch ist voll von Keimen“, erklärt Krebsbach. „Wenn sie im Isolator nachgewiesen würden, wäre die Charge tot.“ Steffen Hermann arbeitet im 18 Grad kühlen Raum steril, mit Mundschutz, die Unterarme in die Handschuhe gesteckt, mit denen er Vial für Vial hinter der Glasscheibe im Isolator filtriert. Hätte die Probe Keime, würden diese im Filter hängen bleiben. Die Filter werden mit flüssigem Nährmedium überschichtet. Sind Keime vorhanden, vermehren sich diese innerhalb von zwei Wochen und würden das vorher klare Nährmedium trüben.

Statt in einem der drei Isolatoren könnte die Prüfung auch im Reinraum stattfinden, wo 13 Mitarbeiter in zwei Schichten arbeiten. Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: Um sich keimfrei anzuziehen, braucht einer der Laboranten 25 Minuten. „Da überlegt man sich schon, ob man vorher noch einen Kaffee trinkt“, macht Krebsbach deutlich.

Hygiene wird groß geschrieben. Bis zu 3000 Leasing-Kittel sind in der Firma im Umlauf – weiße für Laboranten, blaue fürs Steril-Personal, dunkelblaue für die Hausmeister. Gut für die soziale Hygiene wiederum sind das Obstangebot, das subventionierte Mittagsmahl, die Arbeitszeiterfassung, die keine Überstunde unberechnet lässt. Die Jubiläumsfeier im Sommer auf dem Mainschiff Alte Liebe haben sich nur zwei Dutzend Mitarbeiter entgehen lassen. Dort wurde nicht nur gelächelt, sondern auch viel gelacht.

Die Labor L+S AG

1984 Rüdiger Leimbeck übernimmt das Laboratorium Dr. Flaßhoff in Bad Kissingen und führt es als „Labor Dr. Leimbeck“ mit 19 Mitarbeitern fort.

1987 Gründung der Labor L+S GmbH: Leimbecks Studienfreund, Bernd Sonnenschein, wird Teilhaber. In dem neu gebauten Laborgebäude in Großenbrach sind 28 Mitarbeiter beschäftigt.

1995 Umwandlung der GmbH in eine kleine Aktiengesellschaft (AG).

2012 Exklusive Kooperation mit Symbiosis, einem Teil der Biopharm GmbH in Heidelberg. Labor- und Bürofläche: 5100 Quadratmeter.

Aufsichtsrat: Diplom-Kaufmann Werner Wohnhas (Vorsitzender), Rüdiger Leimbeck, Bernd Sonnenschein.

Vorstand: Lothar Bomblies, Frank Böttcher. rp

Alles klar: Trifft dies auf eine untersuchte Charge für die Flüssigkeit zu, war diese keimfrei. Timo Krebsbach ist Experte auf dem Gebiet der Steriluntersuchung. Foto: Roland Pleier

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