Bad Kissingen

28 Prozent mehr: Bad Kissinger Müllabfuhr soll teurer werden

Politisch ist die Erhöhung zum nächsten Jahr noch ein bisschen umstritten. Im Stadtrat ist aber eine Mehrheit für den Gebührenvorschlag der Kämmerei abzusehen.
Im Preis inbegriffen ist bei der Bad Kissinger Müllabfuhr nicht nur die graue Restmülltonne, sondern auch die Biotonne und die Blaue Tonne fürs Altpapier.
Foto: Siegfried Farkas | Im Preis inbegriffen ist bei der Bad Kissinger Müllabfuhr nicht nur die graue Restmülltonne, sondern auch die Biotonne und die Blaue Tonne fürs Altpapier.

Bad Kissingens Haushalte müssen für nächstes Jahr mit höheren Müllgebühren rechnen. Weil die Erhöhung voraussichtlich ziemlich deutlich ausfällt, trifft das im Stadtrat nicht auf ungeteilte Zustimmung. Eine politische Mehrheit dafür ist aber dennoch bereits abzusehen. 

Grundsätzlich werden die Haushalte und Gewerbebetriebe Bad Kissingens um die 28 Prozent mehr für die Abfallentsorgung aufbringen müssen. Große Unterschiede zwischen den verschiedenen Behältnissen gibt es beim geplanten Anstieg der Gebühren nicht. Die Preise hängen von der Größe der Tonne und der Häufigkeit der Leerung ab.

Wie Kämmerer Stefan Lang dem Finanzausschuss des Stadtrats vorrechnete, hat er für den Bemessungszeitraum von vier Jahren ein angenommenes Gesamtvolumen von knapp 111,2 Millionen Litern Abfall den voraussichtlichen Kosten von 11,1 Millionen Euro gegenübergestellt. Darüber hinaus bezog er in die Rechnung ein, ob der Müllbehälter einmal oder zweimal die Woche oder nur vierzehntägig geleert wird.

Künftig 168 Euro für die 60-Liter-Tonne

Für die 60-Liter-Müllnormtonne ergibt sich demnach statt bisher 131,36 Euro künftig eine Jahresgebühr von 168,76 Euro. Die 80-Liter-Tonne soll 219,50 Euro statt 171,03 Euro kosten, die 120-Liter-Tonne 318,63 statt 248,60 Euro. Viele Kissinger Haushalte haben solche Tonnen, geleert werden sie jeweils vierzehntägig. 

Müllgroßbehälter mit 1100 Litern Fassungsvermögen sollen bei vierzehntägiger Leerung 2731,90 statt 2137,58 Euro Jahresgebühr kosten. Dasselbe Behältnis kommt bei wöchentlicher Leerung künftig auf 5392,98 Euro (bisher 4222,21 Euro) und bei wöchentlich zweimaliger Abholung auf 10 715,12 Euro (bisher: 8391,46 Euro).

Widerspruch von CSU und Linken

Widerspruch gegen die Pläne kam aus zwei politischen Lagern, die im Kissinger Stadtrat sonst vermutlich nicht allzu oft in die gleiche Richtung marschieren. Für die CSU kündigte Fraktionssprecher Steffen Hörtler Ablehnung an, weil er die Erhöhung vor allem für kleine Haushalte erheblich findet. Zudem habe die Verwaltung bei dem Vorschlag nur im Blick, die steigenden Kosten für die Stadt weiterzugeben. Ob es Einsparmöglichkeiten gebe,  darüber sei nicht gesprochen worden. Christian Hänsch von der Linken lehnt die Erhöhung ab, weil sie "die Ärmsten am härtesten" treffe.

Die Mehrheit des Finanzausschuss unterstützte jedoch die Empfehlung der beschriebenen Erhöhung an den Stadtrat. Geschäftsleitender Beamter Gerhard Schneider  hatte zur Begründung des Anstiegs unter anderem auf eine Erhöhung der Deponiegebühren hingewiesen. Der Landkreis habe ebenfalls eine Erhöhung seiner Müllgebühren beschlossen, dort gehe es um 25 Prozent.

Außerdem fielen nach Stefan Langs Angaben Nebenerträge etwa beim Altpapier oder bei der sogenannten weißen Ware weg. Vor diesem Hintergrund halte sich die geplante städtische Erhöhung "im Rahmen", erklärte Schneider. Trotzdem dürfte am Mittwoch im Stadtrat noch einmal über die Notwendigkeit der Erhöhung diskutiert werden.

Grundsatzdiskussion?

Wie so oft, wenn in Bad Kissingen über die Abfallentsorgung gesprochen wird, beschäftigte die Räte kurz auch die Frage, wie sich die Kissinger Besonderheit des Hol- und Bringdienstes bei den Tonnen auf den Preis auswirkt. Wobei etliche Ratsmitglieder diese Leistung des städtischen Servicebetriebs für gut und wichtig halten, weil so die Tonnen nicht stundenlang auf den Straßen der Kurstadt herumstehen und vor allem älteren Bürgern dadurch ebenfalls geholfen ist.

Wenn es nach Steffen Hörtler geht, könnte die Stadt aber "über alles" rund um die Müllabfuhr neu nachdenken, auch über "eine Ausschreibung". Zumindest bei den Freien Wählern regte sich gegen solche Gedanken "an Privatisierung" bereits Widerstand.

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