Hammelburg

33 Lebenslichter zum Gedenken

Zur Erinnerung an die Pogromnacht im November 1938 trafen sich zahlreiche Hammelburger zu einer Gedenkveranstaltung an der ehemaligen Synagoge.
Ein Davidstern aus 33 Lebenslichtern leuchtete zum Gedenken der 33 jüdischen Einwohner, die 1942 aus Hammelburg deportiert wurden.Sigismund von Dobschütz       -  Ein Davidstern aus 33 Lebenslichtern leuchtete zum Gedenken der 33 jüdischen Einwohner, die 1942 aus Hammelburg deportiert wurden.Sigismund von Dobschütz
Ein Davidstern aus 33 Lebenslichtern leuchtete zum Gedenken der 33 jüdischen Einwohner, die 1942 aus Hammelburg deportiert wurden.Sigismund von Dobschütz
Fast hundert Einwohner Hammelburgs gedachten am Freitag der Pogromnacht von 1938 und der späteren Deportation und Ermordung ihrer jüdischen Mitbürger. Die Stadt Hammelburg sowie die beiden christlichen Kirchengemeinden hatten wie jedes Jahr zur offiziellen Gedenkstunde auf dem Seelhausplatz nahe der früheren Synagoge eingeladen. Gemeinsam gesungene Lieder wurden von den Musikerinnen Klara Schlereth (Flöte), Johanna Kamm und Susanne Hähnlein (beide Akkordeon) instrumental begleitet.

Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) erinnerte an die in ganz Deutschland vom Nazi-Regime organisierten Pogrome gegen Juden in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, in der SA-Horden und etliche Mitläufer jüdische Geschäfte und Wohnhäuser zerstörten und Synagogen schändeten. Die zynische Bezeichnung der Nazis für diese Geschehnisse als "Reichskristallnacht" wegen der unzähligen zerbrochenen Fensterscheiben habe sich bis in unsere Zeit gehalten und sei erst vor wenigen Jahren durch "Pogromnacht" ersetzt worden.


Synagogen brannten

In Hammelburg begann es erst am 10. November gegen 10 Uhr, berichtete der Bürgermeister: "Türen zu jüdischen Wohnungen wurden eingetreten und das Mobiliar umgeworfen. Kleidungsstücke und Bettzeug wurden aufgeschlitzt und teilweise aus dem Fenster geworfen." Schon zuvor war die Synagoge (Dalbergstraße 57) in Brand gesteckt worden. Am Morgen des 11. November wurde deren verkohlte Inneneinrichtung von SA-Mitgliedern zertrümmert. In der Westheimer Synagoge wurden die Thorarollen aus dem Thoraschrein gerissen und mit anderen Kultgegenständen ins Feuer geworfen. "Auch in Untererthal verwüstete man Wohnungen jüdischer Mitbürger und die Inneneinrichtung der Synagoge", zählte Warmuth weiter auf.


Viele sahen einfach weg

"Auch wenn es Menschen gab, die mit Abscheu und Entsetzen reagierten oder manchmal sogar den Opfern beistanden", ergänzte der Bürgermeister, "so gab es doch viele, allzu viele, die einfach wegsahen." Gerade in Erinnerung dieser Verbrechen dürfe man heute nicht dulden, "dass Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesteckt, wieder Fensterscheiben eingeworfen und Asylsuchende, Politiker oder Journalisten bedroht oder verfolgt werden. Wir dürfen nicht wegschauen, wir müssen uns zu Wort melden, wenn humanitäre und demokratische Werte mit Füßen getreten werden."
Die heutige Generation sei nicht verantwortlich für die Taten der Vergangenheit, schloss Bürgermeister Warmuth seine Gedenkansprache. "Aber wir müssen uns dieser Vergangenheit immer wieder stellen und Verantwortung dafür übernehmen, dass wir und uns Nachfolgende daraus Lehren ziehen."

Zur Erinnerung an die 1942 deportierten 33 jüdischen Mitbürger wurden von Teilnehmern der Gedenkfeier deren Namen mit stichwortartigen Angaben zur Person vorgelesen, während auf dem Platz 33 Lebenslichter auf einem hölzernen Davidstern entzündet wurden.

"Für unsere beiden christlichen Kirche ist es selbstverständlich, an dieser Gedenkfeier teilzunehmen", schloss sich der evangelische Stadtpfarrer Robert Augustin mit mahnenden Worten an. "Jesus war Jude. Und es waren Christen, die sich damals schuldig gemacht haben." Augustin erzählte die Geschichte von Kain und Abel und setzte diesen biblischen Brudermord als Gleichnis für die organisierte und systematische Ermordung der Juden während der Nazi-Herrschaft. Sein katholischer Amtsbruder, Pastoralreferent Markus Waite, der die Organisation der Gedenkfeier übernommen hatte, sagte abschließend, der sechs millionenfache Brudermord "ist eine Schuld, die wir nicht tragen können, aber die wir bereuen können."

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