Wildflecken

50 Jahre Kirmes in Wildflecken

50 Jahre gelebte Kirmestradition haben die Wildfleckener an diesem Wochenende ausgiebig gefeiert.
Die Kirmespaare mit ihren traditionellen Holzschuhen. Sebastian Schmitt
Die Kirmespaare mit ihren traditionellen Holzschuhen. Sebastian Schmitt

Mit 23 jungen Kirmespaaren war die Jubiläumskirmes in Wildflecken so beliebt wie niemals zuvor. Der Startschuss fiel mit dem Revival der legendären Band Swingin‘ Five im Wildfleckener Sportheim, die ebenfalls im Jahr 1969 aus der Taufe gehoben worden ist. Alle Gründungsmitglieder waren gekommen: Reiner Schnabel, Walter "Pizzi" Gutmann, Winfried und Albin Kleinheinz sowie Helmut Abersfelder.

Auch einige weitere musikalische Wegbegleiter sorgten auf der Bühne für Stimmung. Die Tanzfläche eroberten die Wildfleckener im Sturm. Als hätte die Kultband nie ihr Karriere-Ende verkündet, fühlten sich viele Wildfleckener an alte Zeiten erinnert und gingen voll mit.

Viele Kirmes-Anekdoten präsentierte Herbert Nowak, der die 50 Jahre Revue passieren ließ und zudem etliche Ehrungen aussprach. Nowak beschrieb die Funktion der Kirmes ganz in Sinne der Völkerverständigung und zur Integration von Neubürgern in der Gemeinde. "Kirmes war schon immer ein Fest der Gemeinschaft und ist es bis heute geblieben."

Im Jahr 1969 war die Wildfleckener Kirmes an den Start gegangen, als es noch die beiden Gemeinden Neuwildflecken und Wildflecken mit dazugehörigen zwei Bürgermeistern gegeben hatte. Bis 1973 wurde der Baum im "Dorf" in der Bahnhofstraße aufgestellt, wo heute der Rhönklub-Brunnen zu finden ist. Gefeiert haben die Wildfleckener zunächst im Gasthaus Völker. Von Beginn an wurden traditionelle Volkstänze getanzt, die man sich im hessischen Nachbarland abgeschaut hatte und schließlich von den Eierhauckmusikanten vorgespielt wurden. Auf diese historischen Musik-Aufnahmen tanzen die Wildfleckener bis heute.

In den Anfangsjahren waren die Kirmesleute noch ohne die mittlerweile legendären Holzschuhe unterwegs. In Holzschuhen und traditioneller Tracht ging es ab 1979 tänzerisch voll zur Sache. Die klobigen Holzschuhe sind bis heute ein charakteristisches Merkmal der Wildfleckener Kirmes. Die traditionelle Tracht wurde mittlerweile durch moderne Dirndl bei den Kirmes-Mädels ersetzt. Nur der "Rhönbomber" unter dem Rock ist davon noch übrig geblieben.

Der Austragungsort der Kirmes wanderte vom alten Ortskern über die alte Volksbank bis zum aktuellen Standort am Feuerwehrhaus. Gefeiert wurde bis 1998 im Wildfleckener Sportheim. Danach nur noch im Feuerwehrhaus.

Um die Jahrtausendwende gab es keine Kirmespaare, der Baum wurde aber immer aufgestellt und die Kirmes von Feuerwehr und Musikzug gemeinsam ausgerichtet. Kindertanzgruppen aus Wildflecken füllten die Lücke zeitweise aus. Seit dem Jahr 2003 gibt es wieder ununterbrochen eine jährliche Kirmes mit Plopaaren. Die aus den Kindertanzgruppen entwachsenen Jugendlichen ließen die Tradition wieder aufleben.

Stolze vier Tage dauerte die Kirmes im Jubiläumsjahr, diesmal auch vom SV Wildflecken maßgeblich mitgetragen, denn Freiwillige Feuerwehr und Musikzug waren auf Unterstützung angewiesen.

Die traditionelle, mit Spannung erwartete Kirmesrede trug König Leon Benkert am Sonntagnachmittag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vor. Mit viel Humor wurden wieder kuriose Geschehnisse und Missgeschicke aus dem Dorfleben präsentiert. Auch heuer blieben die Verfasser der Kirmesrede geheim und trugen als Ghostwriter im Hintergrund einige schlüpfrigen Details zusammen. Vom Kondom im Bankgebäude bis zu Heißluftballons auf dem neuen Radweg reichte die Palette. Auch einige kommunalpolitische Themen griff die Kirmesrede auf. So ging es um die neue Sinntalschule in Wildflecken und um die Diskussion rund um die Oberbacher Grundschüler, die in Riedenberg in die Schule gehen. Der kurze Streit zwischen den Gemeinden Riedenberg und Wildflecken konnte schnell wieder ausgeräumt werden. Am Ende hatte die Debatte, die auf eine kurze Passage in einem Zeitungsbericht zurückzuführen war, sogar noch etwas Gutes: Das Schulamt sprach sich klar und deutlich für beide Schulstandorte in Riedenberg und Wildflecken aus.

Der abschließende Dank des Kirmeskönigs galt allen Helfern und den Eltern, die sich auch zu nächtlicher Stunde immer um die Kirmesburschen und Mädels gesorgt hatten. " Wildflecken hat unter Beweis gestellt, dass hier Kirmes richtig gefeiert wird. Das kann nicht jeder von sich behaupten."

50 Jahre Kirmes in Wildflecken

23 Wildfleckener Kirmespaare Sophie Frank (Kirmeskönigin) und Leon Benkert (Kirmeskönig), Manuela Schmitt und Herbert Nowak, Laura Degelmann und Carsten Leitsch, Beatrice Weigand und Uli Weikard, Tatjana Stankovic und Tobias Fröhlich, Lenia Szczesniak und Jonas Gundelach, Anna Mathes und Nils Tong, Lara Fontenla und Markus Mathes, Celina Szczesniak und David Pasieka, Sandra Kleinheinz und Tobias Köstler, Jennifer Kühne und Reinhard Bramowski, Marie-Louise Tong und Marlon Benkert, Natalie Abert und Dominik Köstler, Monika Kleinheinz und Michael Kehm, Franca Schmitt und Mirco Stankovic, Jana Tong und Dennis Fischer, Madeleine Eiter und Jan Weikard, Johanna Müller und Sebastian Wirth, Lisa-Marie Loza und Paul Machinek, Rebecca Harrigan und Fabio Mathea, Laura Knoll und Jonas Loeber, Lorena Dernbach und Erick Nietsch, Nina Breitenbach und Benjamin Witke.

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