RAMSTHAL/STUTTGART

Anzeige gegen das Königsangeln

Barsch im Mittellandkanal       -  Anbeißen, oder nicht?: Der ASV Ramsthal sah sich mit einer Anzeige von Tierschützern konfrontiert.DPA
Anbeißen, oder nicht?: Der ASV Ramsthal sah sich mit einer Anzeige von Tierschützern konfrontiert.DPA Foto: Foto:

Das ist wohl noch keinem Angelsportverein im Landkreis passiert. Der ASV Ramsthal sieht sich mit einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz konfrontiert. Der Landesverband Menschen für Tierrechte und gegen Tierversuche hat den Verein beim Veterinäramt angezeigt. Der Verband kritisiert die Ausrichtung des Königsangelns. Doch das Landratsamt weist die Vorwürfe nach Prüfung des Sachverhalts zurück.

Zur Vorgeschichte: 14 Angler hatten sich Mitte Juli ab 5 Uhr an der Saale zum Königsangeln getroffen. Die Fänge waren nach einem Wetterumschwung überschaubar, berichtete die Main-Post. Für die Kritiker aus Baden-Württemberg ist jeder Fang problematisch. Zahlreiche Fische seien bei dem Wettbewerb an der Saale getötet worden.

Als Sieger ging Frank Herterich aus dem Wettbewerb hervor. Er zog drei Karpfen mit je über drei Kilogramm an Land. Die Protestler sehen in der Veranstaltung einen Verstoß gegen Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes. Demnach dürfe nur für den Nahrungserwerb geangelt werden.

„Menschen für Tierrechte“

„Kommt noch ein weiterer Grund hinzu, wie hier das Wettbewerbsfischen, sei ein vernünftiger Grund im Sinne des Gesetzes nicht mehr gegeben“, folgert „Menschen für Tierrechte“. Und beruft sich auf eine Verfügung der Staatsanwaltschaft Münster von März 2014. Demnach handele es sich beim Wettfischen um eine strafbare Handlung – und zwar selbst dann, wenn der Fisch anschließend verzehrt werde.

„Könnten wir Fische schreien hören, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei ein Hobby, das der Entspannung und Erholung dient“, wird Dr. Tanja Breining, die Biologin des Stuttgarter Vereins anschaulich. Längst sei wissenschaftlich bewiesen, dass Fische Schmerz empfinden.

Das britische Biologenteam Sneddon, Braithwaite und Gentle habe in einer Studie dokumentiert, dass Regenbogenforellen typische Schmerzreaktionen zeigten, wenn man ihnen Essigsäure in die Lippen spritzt. Sie machten ruckhafte Zuckungen und rieben die Lippen am Kies des Fischtanks, um den Schmerz loszuwerden.

Auch hätten sie erst später wieder zu fressen begonnen, als Fische, denen nur Salzwasser gespritzt worden war. Besonders empfindlich reagierten Forellen demnach auf Verletzungen durch Angelhaken.

Die zitierte Studie geht laut Breinig sogar noch weiter: Da Fische im Niederfrequenzbereich kommunizieren, könnten Menschen ihre Schreie nicht hören. Aber ihr Verhalten beweise, dass sie leiden, wenn sie am Haken aufgespießt oder in Netzen gefangen werden: sie zappeln, versuchen zu fliehen und kämpfen um ihr Leben. Das Landratsamt teilt auf Anfrage der Main-Post mit, dass es nach Eingang der Anzeige durch die Tierschutzorganisation beim Veterinäramt umgehend ermittelt und den betroffenen Angelsportverein zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. „Nach Prüfung der Sach- und Rechtslage konnte keine Straftat nach dem Tierschutzgesetz festgestellt werden. Dies wurde der Anzeigeerstatterin so auch mitgeteilt“, sagt Pressesprecherin Melanie Hofmann.

Und fügt sogleich eine Begründung für die Einschätzung der Kreisbehörde an: Nach dem Tierschutzgesetz sei es verboten, Wirbeltiere – und damit auch Fische – ohne vernünftigen Grund zu töten. Sportfischen könne hierunter fallen, wenn beispielsweise das Preisgeld deutlich über der Teilnehmergebühr liegt oder die gefangenen Fische keiner sinnvollen Verwertung zugeführt werden. Waidgerechtes Angeln erfüllt dagegen nicht den Tatbestand.

„Das angezeigte Königsfischen fand nur für Vereinsmitglieder statt, ohne dass wertvolle Preise ausgelobt waren. Die gefangenen Fische wurden vor Ort verwertet oder waidgerecht wieder ins Wasser eingesetzt. Somit war die Veranstaltung tierschutzrechtlich nicht zu beanstanden“, argumentiert Melanie Hofmann weiter.

Damit liegt sie offenbar auf der Linie der Fischereifachberatung des Bezirks und der Einschätzung von Gerichten, die mit dem Thema ebenfalls beschäftigt waren.

Eine einfache Google-Suche im Internet bestätigt den Eindruck, dass es in den vergangenen Monaten eine regelrechte Kampagne gegen Königsangeln gab. Anzeigen gab es beispielsweise gegen die Teilnehmer bei gleichgearteten Veranstaltungen in Fürstenzell, Dingolfing und Plankstadt – unterm Strich gegen Hunderte von Anglern.

Initiator war zunächst die Organisation Peta – eine Abkürzung von „People for the Ethical Treatment of Animals“ („Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren“). Das jetzt der SV Ramsthal von einem anderen Verein, den „Menschen für Tierrechte“ angezeigt wurde, könnte einen einfachen Grund haben: Tanja Breining, ursprünglich Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta Deutschland hat den Verein gewechselt.

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