UNTERERTHAL

Arnold Eiben richtet über Soldatenkarrieren

Fühlt sich wohl in seiner Wahlheimat: Seine Karriere als Jurist führte Arnold Eiben nach Hammelburg. Foto: Wolfgang Dünnebier

In Untererthal daheim und im Soldatenrecht zuhause. Arnold Eiben führt als Präsident des Truppendienstgerichts Süd in München ein bewegtes Leben zwischen lebendiger Dorfgemeinschaft und forderndem Gerichtsbetrieb.

„Viele können sich darunter gar nichts vorstellen“, beschreibt der 56-Jährige das Bild seiner Behörde in der Öffentlichkeit. Dass er viel in Rechtsangelegenheiten rund um Soldatenrechte und -pflichten pendelt, erahnt man nicht, wenn er eine Pfarrgemeinderatssitzung leitet oder als Lektor in der Kirche liest. Unter den Stadträten ist der CSU-Mandatsträger einer der zurückhaltenderen, schätzt die ergebnisorientierte Diskussion zum Wohle der Kommune.

Sehr gelegen kommt dem hohen Juristen die Lage seiner Wahlheimat im Herzen Deutschlands. Von hier aus ist er schnell an den Gerichtsorten in München, Koblenz und Erfurt. Der Einsatzradius vergrößert sich durch die Bundeswehr-Reformen. Jetzt reicht sein Arbeitsbereich bis nach Köln, als Grenzgänger in die Sphäre des Truppendienstgerichts Nord.

„Meinen letzten Wagen habe ich nach elf Jahren mit 450 000 Kilometern auf dem Zähler verkauft“, schmunzelt Eiben. Das Auto sei wichtig, um auf Termine schnell reagieren zu können. Der Kalender ist voll. Heute eine Gerichtsverhandlung in München und morgen die Klärung rechtlicher und personeller Fragen im Zusammenhang mit einer Standortschließung im Verteidigungsministerium in Bonn.

Strecken sind kein Problem für Eiben. Der gebürtige Wuppertaler kam als Sohn von vertriebenen Karpatendeutschen zur Welt. Sein Jura-Studium in Würzburg sollte wegweisend für die weitere Laufbahn werden. Währenddessen lernte er Franken schätzen.

1990 wurde er Rechtslehrer an der Infanterieschule und zog nach Untererthal. Dort fühlte er sich mit seiner Familie nach einem beruflichen Intermezzo in Norddeutschland rasch integriert. „Vielleicht, weil Untererthal an einer alten Heerstraße liegt und die Menschen dort immer schon mit Fremden in Berührung kamen“, lobt er die Offenheit gegenüber Zugereisten. Kontakte schufen auch seine Mitgliedschaft im Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen.

Nach der Wende nahm er 1991 vom neuen Wohnort im Saaletal aus die nächste Herausforderung an: In Leipzig brauchte die Truppe Rechtsberater zum Abbau der Nationalen Volksarmee und zum Aufbau der Bundeswehr. Für Eiben eine willkommene Rückkehr in die juristische Praxis. „Die Offiziere dort waren verunsichert“, beschreibt Eiben die damalige Lage im Osten. Ihre Autorität war angekratzt, ihnen war unklar, wie sie unter den neuen Vorzeichen mit Dienstvergehen umzugehen hatten.

Zu entscheiden galt es über ganze Lebensläufe. Etwa bei so genanntem Eingehungsbetrug. Wer bei Übernahme seine politische Rolle in der NVA beschönigte oder seine Stasi-Mitarbeit verschwieg, hatte in der Bundeswehr keine Zukunft.

Rückblickend findet er die Zeit sehr wertvoll. „Da habe ich gelernt, Menschen besser zu verstehen“, sagt er zu mancher Biografie unter der DDR-Diktatur.

Mit hohen Generälen bekommt es Eiben ab 1994 als Referent im Bundesverteidigungsministerium zu tun. Dort klärt er als Rechtsberater des Stellvertreters des Generalinspekteurs wichtige Fragen, etwa für den Militärattachédienst im Ausland, und wechselt später in die Rechtsabteilung.

Als Wehrdisziplinaranwalt ermittelte der Untererthaler Jurist etwa zu Dienstwagenmissbrauch eines Generals oder zur Ursache eines Kampfflugzeug-Zusammenstoßes über dem Meer. Und klärt die Frage, ob ein Verteidigungsminister auf Ladung eines Nebenklägers hin vor Gericht erscheinen muss. Muss er nicht, er kann auch an seinem Amtssitz angehört werden, arbeitete Eiben als Rechtslage heraus. Die Möglichkeit, bis zum Ruhestand am Ministerium zu bleiben, ergriff Eiben nicht. „Ich wollte wieder nach Süddeutschland“, sagt er. Auch wegen der „heilen Welt“, die Untererthal für seine beiden Kinder darstellt. Ehefrau Anna-Maria hat inzwischen als Vermögensberaterin Fuß gefasst.

1998 gelingt der Sprung nach München. Eiben wird Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Wehrdienstsenaten des Bundesverwaltungsgerichts in München. Dort arbeitet er Richtern in roter Robe unter anderem in Berufungsangelegenheiten zu.

„Als härteste Zeit“ beurteilt Eiben die Jahre 2000 bis 2003, als er als Richter an die 5. Kammer des Truppengerichts Nord in Potsdam 475 Kilometer pendelt. Wieder etwas näher hat er es bis 2005 als Vorsitzender Richter am Truppendienstgericht Süd in Koblenz. Die Möglichkeit, zuhause Prozessakten zu studieren und die Verhandlungstage zu konzentrieren, erleichtern ihm und seiner Familie die Karriere.

Jüngster Truppendienstgerichtspräsident überhaupt wird Eiben 2005. Ihm ist es wichtig, dass die Institution auch mal Flagge zeigt. Nach innen zur Truppe und nach außen. Was viele nicht wissen: Bei außerdienstlichen Straftaten müssen Soldaten zusätzlich mit Konsequenzen für die berufliche Karriere rechnen. Bei gewichtigen vorsätzlichen Straftaten droht unter Umständen das Aus.

Seit es Soldatinnen gibt, hätten sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz zugenommen, sagt Eiben. Da gebe es keine Nachsicht, alle Fälle würden vor dem Richter landen. Trunkenheitsfahrten warfen früher etliche Lebensplanungen über den Haufen. „Das ist viel weniger geworden“, sagt Eiben. Aneignen von Wehrmitteln habe es schon immer gegeben. Neu ist, dass die Dinge häufiger in E-Bay versteigert werden. „Da schauen unsere Fahnder nach und werden schnell fündig“, weiß der Gerichtspräsident. Abwesenheit von der Truppe ist ebenfalls immer wieder zu beklagen. Etwa bei Soldaten, die eine berufliche oder schulische Prüfung beim Übergang ins zivile Leben nicht bestanden haben. Statt sich dann wieder bei der Truppe zurückzumelden, tauche mancher aus Frust eine Weile ab.

Beim Militär ist es so wie im zivilen Leben: Die Arbeit wird den Juristen so schnell nicht ausgehen. Zumal die Zahl der Richter schon auf jene Truppenstärke reduziert worden ist, die nach der Reform 2017 eingenommen werden soll. Statt bisher 15 Richtern gibt es bei den Truppendienstgerichten nur noch zwölf. Rund 500 bis 600 gerichtliche Disziplinarverfahren pro Jahr sind für diesen Personalumfang ein hartes Stück Arbeit, so Eiben.

Trotz vielfältiger Verpflichtungen überlegt er, 2014 noch einmal als Stadtrat zu kandidieren. Gerne gestaltet er an seiner neuen Heimat mit, die er ins Herz geschlossen hat. Dass er 2006 als Bürgermeisterkandidat gehandelt wurde, stört ihn nicht. Aber er winkte ab. Lieber bringt er weiter seine juristischen Fähigkeiten für die Bundeswehr ein.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Beruf und Karriere
  • Bundesverwaltungsgericht
  • Bundeswehr
  • Eiben
  • Generäle
  • Gerichtspräsidenten
  • Juristinnen und Juristen
  • Kampfflugzeuge
  • Ministerium für Staatssicherheit
  • Sexuelle Belästigung
  • Truppen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!