BAD KISSINGEN

Auf Europa und EZB nicht gut zu sprechen

Wenn es anderswo Minuszinsen gibt, werden Schließfächer zur günstigen Geldanlage: Roland Friedrich und Michael Rendl, Vorstände der Sparkasse. Foto: Siegfried Farkas

Wenn Roland Friedrich und Michael Rendl nach Europa blicken, legen sie reflexartig die Stirn in Falten. Der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und den finanzpolitischen Segnungen aus Brüssel können sie als Vorstände der Sparkasse Bad Kissingen wenig abgewinnen. Bei der aktuellen Niedrigzinspolitik befürchten sie „gefährliche Nebenwirkungen“. Warnende Worte fallen ihnen auch für die geplante „gemeinschaftliche Einlagensicherung in Europa“ ein. Die sei falsch und werde zu Lasten deutscher Sparer und Banken gehen.

Als Vorstandsvorsitzender Friedrich und Vorstandsmitglied Rendl am Freitag den Jahresabschluss 2015 der Sparkasse präsentierten, kam Europa dauernd vor. Vor allem die anhaltende Niedrigzinsphase und „stetig steigende regulatorische Anforderungen“, machten das Wirtschaften schwerer, klagten sie.

Die Bilanzsumme der Sparkasse sei vergangenes Jahr dennoch um 3,4 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro gestiegen. Das führen die Sparkassenvorstände vor allem auf den „rekordverdächtigen“ Zuwachs um 89,5 Millionen (plus 6,5 Prozent) bei den Geldanlagen der Kunden zurück. Der Jahresüberschuss liege zwar mit 1,39 Millionen 5,7 Prozent unter dem des Vorjahrs. „Vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen sowie der gestiegenen Kosten“ sei die Sparkasse aber „insgesamt zufrieden“.

Moderat ausgeweitet habe sich das Wertpapiergeschäft. Und das, obwohl die Deutschen „eher keine Freunde von Wertpapieren“ seien. Bei den Lebensversicherungen sei man deutlich hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Im Bauspargeschäft dagegen habe die Sparkasse 2015 insgesamt 54,2 Millionen Euro Bausparvolumen vermittelt. Das waren 20 Prozent mehr, ein Rekordergebnis.

Bei der Vermittlung von Immobilien wiederum berichteten die Vorstände von 23 Prozent Umsatzrückgang. Das liege vor allem am nachlassenden Angebot an Immobilien. Gerade der Kissinger Markt sei aktuell ein Anbietermarkt.

Vermögenslage sehr gut

Die Vermögenslage der Sparkasse beschrieb Rendl als sehr gut. Nach Zuführung des Bilanzgewinns erhöhe sich das bilanzielle Eigenkapital auf 91 Millionen Euro. Damit nehme Kissingen im Bayernvergleich der Sparkassen einen vorderen Platz ein.

Der Personalaufwand der Sparkasse ist im vergangenen Jahr gestiegen. Aber geringer als die Gehaltstarife, wie Rendl sagt. Das weist schon ein wenig voraus. Denn in den nächsten Jahren werde die Zahl der Mitarbeiter langsam zurückgehen. Mit Entlassungsplänen und dergleichen habe das nichts zu tun. Aktiver Personalabbau sei nicht geplant. Angesichts eines Durchschnittsalters der Mitarbeiter von 45 Jahren stehen einfach vermehrt Abschiede in den Ruhestand an. Gleichwohl bemühe sich die Sparkasse intensiv „um ausreichende Gewinnung geeigneter Nachwuchskräfte“.

Investiert habe die Sparkasse 2015 gut. Schwerpunkt sei die Hauptstelle gewesen. Was Rendl als Beweis wertete, „dass die Geschäftsstellen weiterhin ein festes Standbein“ für die Sparkasse darstellten. Aktuell plane man keine Filialschließungen. „Denn die Filialen sind unsere DNA“, sagt Friedrich. Persönlicher Kontakt sei Voraussetzung für eine essenzielle Geschäftsgrundlage: das Vertrauen der Kunden.

Internetbanking betrachtet die Sparkasse ebenfalls als Filiale. Inzwischen, sagt Friedrich, sei das sogar die größte Filiale. Vor diesem Hintergrund stünden auch Investitionen in die Digitalisierung an, um noch stärker auf allen medialen Kanälen zur Verfügung zu stehen.

Dass die Sparkasse das Verhalten ihrer Kunden unter anderem in Bezug auf die Nutzung von Geschäftsstellen hat analysieren lassen, haben wir berichtet. Die Ergebnisse der Analyse werden Auswirkungen haben. So werde man die geltenden Öffnungszeiten „nicht dauerhaft beibehalten können“. „Operative Hektik“ werde es aber nicht geben, erklärte Friedrich. Bis Mitte Mai würden die Erkenntnisse im Haus abgestimmt. Die Umsetzungsphase komme nicht vor Oktober.

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