Münnerstadt

Augustiner stiften ihr Kloster

Der Orden hat am Dienstag das Haus St. Michael einschließlich Klosterkirche, Brauerei und Alter Aula der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung übergeben. Drei Jahre lang haben die Beteiligten auf diesen Tag hingearbeitet.
Sie stoßen auf die Zustiftung des Klosters an (von links): Bruder Peter Reinl, Landrat Thomas Bold, Provinzial Pater Alfons Tony, Stiftungsvorstand Marco Schäfer und stellvertretender Vorstand Martin Pfeuffer. Foto: Thomas Malz
Sie stoßen auf die Zustiftung des Klosters an (von links): Bruder Peter Reinl, Landrat Thomas Bold, Provinzial Pater Alfons Tony, Stiftungsvorstand Marco Schäfer und stellvertretender Vorstand Martin Pfeuffer. Foto: Thomas Malz
Es verändert alles, und es verändert nichts. Mit der "Übertragung von Grundbesitz des Augustinerklosters Münnerstadt an die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung Hammelburg", die am Dienstag unter notarieller Aufsicht vollzogen wurde, ist ein Schlussstrich unter eine Klostergeschichte gesetzt worden, die 1279 ihren Anfang genommen hatte. Das betrifft aber ausschließlich die Besitzverhältnisse. Denn die Augustiner bleiben im St. Michael und werden auch weiterhin die Klosterkirche betreuen. Sie ist mit einem Nießbrauchsrecht den Ordensmitgliedern überlassen worden. Die Augustiner behalten die Verantwortung für die innere Baulast.


Konvent wird gestärkt

Provinzial Pater Alfons Tony OSA sprach sogar von einer Stärkung des Konvents durch die Ernennung von Pater Dr. Gregor Hohmann zum Prior. Für die Stiftung ist es sinnvoll, Betrieb und Eigentum zusammenzuführen, sagte deren Vorsitzender Landrat Thomas Bold. Drei Jahre lang haben die Vorbereitungen gedauert. "Gut Ding braucht Weile. Am Ende ist etwas Gutes und Zukunftsfähiges herausgekommen", betonte Thomas Bold bei einem Pressegespräch unmittelbar nach Vertragsunterzeichnung.
Er erinnerte zunächst an die Übernahme des Betriebs von Juliusspital und Betreutem Wohnen im Haus St. Michael durch die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung Anfang 2013. Schon zuvor hatten auf Initiative des Augustinerordens erste Gespräche über eine Übernahme begonnen. Die personelle Entwicklung des Ordens zwinge ihn Veränderungen vorzunehmen. Es sei sehr schwer, Trennlinien in dem Klosterareal zu ziehen. "Am Ende sind auch die Klosterkirche, die Brauerei, die Alte Aula, die Schreinerei und die Nebengebäude an die Stiftung übergeben worden."


"Ein großes Stück Münnerstadt"

Eine ganz wichtige Frage sei natürlich, wie es mit der Kirche weitergehe. Er sei froh, dass die Nutzung der Klosterkirche durch die Augustiner gewährleistet ist. "Das ist natürlich ein großes Stück Münnerstadt", unterstrich Thomas Bold die Bedeutung des Klosterareals. Es liege auch im Interesse der Stadt, dass es im Kloster mit dem Betreuten Wohnen weitergeht.
"Wir haben ein Stück Geschichte geschrieben", hob Thomas Bold hervor. Und dabei sei etwas vorhanden, was bei vielen Klöstern nicht mehr der Fall sei. "Es ist eine Nutzung da." Er dankte allen Beteiligten und würdigte besonders den Vorstand der Sozialstiftung Marco Schäfer und den Provinzökonom der Augustiner Bruder Peter Reinl, die die Hauptarbeit geleistet haben. Die Zustiftung sei gut und fair gemeinsam entwickelt worden. Er betonte, dass das Kloster natürlich einen gewissen Wert darstelle, aber anderseits auch eine Belastung für den Besitzer sei.
Für die Augustiner, die seit 1279 in Münnerstadt sind, sei der Tag etwas Besonderes, sagte Provinzial Pater Alfons Tony. Die Augustiner haben schon vor 13 Jahren die Menschen eingeladen, mit ihnen zu wohnen. "Das ist ein Erfolgsmodell, von dem wir alle profitieren." Im Jahr 2002 war das Kloster nach umfangreichen Umbauarbeiten durch die Augustiner als Betreutes Wohnen wieder eröffnet worden. Die Juliusspitalstiftung pachtete das Kloster, die Augustiner wiederum mieteten einige Wohnungen.
Die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung hat 2013 den Betrieb des Juliusspitals mit Betreuten Wohnen übernommen. "Es ist eine Win-Win-Situation, für die Augustiner, die Bewohner die Juliusspitalstiftung und nun die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung", sagte Pater Alfons. "Wir gehen jetzt einen Schritt weiter." Mit der Zustiftung des Klosters führe man das Erfolgsmodell fort. "Ungeachtet dessen bleiben wir präsent in unserem Kloster." Mit dem Zuzug des neuen Priors Pater Dr. Gregor Hohmann werde der Konvent sogar gestärkt. Vor 13 Jahren seien die Weichen für eine gute Zukunft der Augustiner in Münnerstadt gestellt worden. Mit der Zustiftung sei nun ein weiterer Schritt für eine langfristige Zukunft getan worden.


"Ein guter Tag"

Das Zusammenleben mit Ordensmitgliedern unter einem Dach sei genau der Grund, warum sich viele Menschen für das Betreute Wohnen im St. Michael entscheiden, sagte Marco Schäfer. Deshalb musste auch eine Lösung für die Klosterkirche gefunden werden. "Es ist ein guter Tag für die Bewohner, für die Stiftung, die Augustiner und für das Leben in Münnerstadt."
"Ich glaube, es ist ein wirklich fairer Vertrag", so Bruder Peter Reinl, der daran erinnerte, dass fast auf den Tag genau vor drei Jahren die Gespräche begonnen hatten. Der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung wünschte er, dass sie das Haus nun gut 700 Jahre weiter führe, wie das die Augustiner getan haben. "Dann treffen wir uns alle hier wieder", scherzte Thomas Bold.
Sämtliche Verträge, wie der Mietvertrag der Stadt für die Alte Aula, werden übernommen. Das Jugendhaus am Dicken Turm bleibt vorerst weiterhin im Besitz der Augustiner.

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