BAD KISSINGEN

Aus der Krypta der russischen Kirche wird ein Museum

Immer am 18. Juli feiert die russisch-orthodoxe Gemeinde in Bad Kissingen ihr Patrozinium. Beim Gottesdienst ehrt sie den heiligen Sergiu von Radonesch, dem die Kirche in der Salinenstraße geweiht ist. Das Besondere in diesem Jahr war die Weihe der Krypta unter der Kirche, wo ein Museum zur Geschichte der russischen Kirche entstehen soll.
Mit einer Prozession um die Russische Kirche in der Salinenstraße endete das Patronatsfest am gestrigen Freitag. Foto: FOTO Ursula Lippold
Feierlich zelebrierten Vikar-Bischof Agapit aus Stuttgart, Priester Valerie Mikheev aus Landshut und Priester Michael Gandar aus Schweinfurt das Patronatsfest, drei Stunden lang. Gegen Ende gingen Mütter mit ihren Babys und Kindern zur Kommunion, auch Erwachsene drängte es an den Altar.

Mitglied der Zarenfamilie ermordet

Gut 30 Gläubige lauschten dann der Ansprache von Bischof Agapit, der über die heilige Elisabeth, ihr hilfreiches Wirken und ihren Märtyrertod vor 90 Jahren sprach.

Fotoserie

Krypta

zur Fotoansicht

Sie war eine Schwester der letzten Zarin und stammt aus Hessen-Darmstadt. Als Mitglied der Zarenfamilie wurde auch sie 1918 ermordet.

Der letzte Akt dieses Patroziniums war die Prozession um die russische Kirche mit abschließendem Gebet im Gotteshaus.

Nur kurz dauerte danach die Weihe der Krypta. Der Raum sei von Gemeindemitgliedern hergerichtet worden, erzählte Dimitrij Rahr, Vorsitzender der Bruderschaft des heiligen Fürsten Waldimir Bratstwo, aus Frankfurt. Seit 1908 sei der Raum unter der Kirche als Wohnung für den Hausmeisters genutzt worden, in der zweiten Hälfte der 1990-er Jahre als Priesterwohnung. Seit 2002 stehe der Raum leer.

Sein 2006 verstorbener Vater, Gleb Rahr – er war von 1983 bis 2004 Vorsitzender der Bruderschaft – habe die Idee gehabt, die Krypta zu einem Museum und Ausstellungsraum umzugestalten. Vorrangig gehe es um Exponate zur Geschichte der russischen Kirche in Bad Kissingen, die zu Ehren der Krönung von Zar Nikolaus II. gebaut worden sei. Zwar war die Krönung schon 1896, doch die Kirche in Bad Kissingen wurde erst 1901 fertig.

Einbezogen werden soll in die Museumskonzeption auch die Geschichte der russischen Kirchen in Deutschland insgesamt.

Ein weiterer Schwerpunkt werden Ausstellungen sein, sagte Rahr. Um diese werde sich Diakon Bernd Raabe kümmern. Vorträge, Filme und andere Veranstaltungen, die in irgendeiner Verbindung mit der russischen Kirche stehen, seien hier willkommen, betonte Dimitrij Rahr.

Im Blickpunkt

Russische Kirche in Bad Kissingen Der Grundstein zu dieser Kirche wurde vor 110 Jahren gelegt. Eingeweiht wurde sie 1901. Viele russische Adlige sprachen hier ihre Gebete. Von 1914 bis 1918 war die Kirche geschlossen und stand unter Zwangsverwaltung. 1944 bis 1945 war das zur Kirche gehörende Pfarrhaus überfüllt mit russischen Flüchtlingen. Seit Mitte der 1990-er Jahre ist hier wieder eine ansehnliche Gemeinde entstanden, die vor allem aus Aussiedlern besteht. Die Kissinger Kirche untersteht seit 1938 der Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, während die russischen Kirchen in Bischofsheim, Schweinfurt und Würzburg dem Moskauer Patriarchen unterstehen.

 

Schlagworte

  • Kirche
  • Kissingen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte vorher an.

Anmelden

Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich hier registrieren.