Bad Kissingen

Bad Kissingen: Ärzte rüsten sich für Corona-Tests im Freien

Manche Menschen sind verunsichert, wenn sie erkältet sind und wollen sich untersuchen lassen. Zwei Ärzte schildern, was vor dem Besuch in einer Praxis zu tun ist.
Allgemeinarzt Michael Brendler hat seit 18. März einen Drive-in-Platz vor seiner Praxis. Dort werden Personen mit Verdacht auf Corona getestet. Unser Bild ist eigens gestellt, und zeigt ihn mit Marion Wainer aus dem Praxis-Team. Foto: Isolde Krapf

In Deutschland steigt die Zahl der Menschen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, rasant an. Glücklicherweise verlaufe die Erkrankung jedoch in 80 Prozent der Fälle recht milde, beruhigen renommierte Epidemiologen. Dennoch machen sich die Menschen Sorgen, wissen Ärzte aus dem Landkreis zu berichten, die wir zum Thema befragten.

Ist es nun eine Grippe oder eine Covid-19-Erkrankung? Muss ich mich testen lassen? Das sind Fragen, die die Leute umtreiben, sagt beispielsweise Hausarzt Michael Brendler (Bad Kissingen). Für ihn ist besonders wichtig: "Wer eine Untersuchung braucht, bekommt sie. Wir können die Leute nicht mit ihren Ängsten alleine lassen."

Auf die Situation eingestellt

In seiner Praxis sei man inzwischen auf die neue Situation eingestellt: Am Eingang der Praxis wird darauf verwiesen, dass man mit einem Infekt oder einem Verdacht auf eine Corona-Infektion auf keinen Fall hereinkommen darf, sagt Brendler. "Wir haben vormittags die normale Sprechstunde und ab 11.30 Uhr die Infektionssprechstunde. Wer mittags kommt, muss vorher einen Termin am Telefon vereinbart und sein Allgemeinbefinden bereits genau geschildert haben."

Appell an die Patienten der Praxis von Michael Brendler. Foto: Isolde Krapf

Wer in die Infektionssprechstunde kommt, werde zu einem Seiteneingang in die Praxis eingelassen. "Wir tragen bei der Untersuchung Mundschutz." Meistens hätten die Patienten dann doch nur eine Grippe, so der Allgemeinarzt weiter. Dennoch melden sich auch täglich etwa fünf Menschen in der Praxis an, die Kontakt zu Corona-Patienten hatten oder sich zuvor in einem Risikogebiet aufhielten. Dann wird ein Abstrich entnommen und ins Labor geschickt.

Abstrich im Freien nehmen

Seit Mittwoch hat Brendler nun einen Drive-in-Platz vor der Praxis. "Den habe ich bei der Stadt beantragt. Es hat nur wenige Stunden gedauert, bis von dort jemand kam und ein Schild aufstellte", lobt Brendler die unbürokratische Unterstützung. Übrigens: Wer dort unbefugt sein Auto parkt, wird rigoros abgeschleppt, kündigt der Arzt an.

Wer also jetzt einen Test braucht, weil er beispielsweise aus einem Risikogebiet zurückkommt, könne nach der telefonischen Anamnese einfach mit dem Auto auf diesen ausgeschilderten Parkplatz fahren, erklärt der Mediziner die Vorgehensweise. "Ich komme mit Mundschutz raus, nehme den Abstrich durchs Autofenster und übergebe die Krankmeldung." Wegen solcher Vorsichtsmaßnahmen sei die normale Sprechstunde am morgen für die Patienten sicher, sagt Brendler.

Keine Partys mehr

"Panik ist ein schlechter Ratgeber", so der Hausarzt in Bezug auf die Ängste, die er bei manchen Patienten wahrnimmt. "Dennoch ist das Coronavirus im Landkreis längst angekommen, wir haben es nur noch nicht wahrgenommen." Oberstes Gebot sei es, die Ratschläge zu befolgen, die Experten tagtäglich in den Medien geben: zu Hause bleiben, soziale Kontakte einschränken, Familienfeiern absagen.

"Wer jetzt noch Partys feiert, riskiert, seine Großeltern zu gefährden", lautet der Appell des Hausarztes an junge Leute, die sich in ihrem Freizeitverhalten derzeit nicht beschränken wollen. Würden sich die Leute jetzt vorsehen, könne man die Welle noch flach halten, die auf Deutschland zurollt, ist sich Brendler sicher. "Wir sind hier noch zeitiger dran mit Vorkehrungen als in anderen Ländern." Allerdings müsse man dringend aufrüsten, was den Vorrat an Antibiotika, Testkits, Mundschutz und Labor-Kapazitäten für Ärzte und Kliniken angeht.

Hohe Preise für Mundschutz und Desinfektionsmittel

"Die Ausrüstung wird knapp", sagt auch Allgemeinarzt Christian Staab (Bad Bocklet). "Aktuell bekommen wir nicht das, was wir wollen, und wenn es zur Verfügung steht, ist es überteuert", beschreibt er den Versuch, Mundschutz und Desinfektionsmittel zu ordern. Sein Praxis-Team sei ständig im Internet unterwegs, um möglichst günstig und zügig zu bestellen, was gebraucht wird.

Fast genau vor sieben Jahren: Christian Staab und sein Team beim Umzug von Burkardroth ins Gesundheitszentrum Bad Bocklet. Foto: Archiv Isolde Krapf

Auch in der Gemeinschaftspraxis, die er mit seinem Kollegen Stephan Stoll betreibt, müssen Patienten mit einem Infekt oder Corona-Verdacht zuvor telefonisch Kontakt aufnehmen. "Ohne Termin können sie nicht kommen." Denn es müssen, wie bei Michael Brendler in Bad Kissingen, spezielle Vorkehrungen getroffen werden.

Bald Abstrich im Pavillon

Jetzt hat Staab einen Pavillon bestellt, den er kommende Woche draußen im Hof aufstellen will. "Das ist sehr provisorisch", sagt er, hält diese Maßnahme langfristig aber für nötig, damit man bei Risiko-Patienten den Abstrich draußen im Freien vornehmen kann. Denn auch bei ihm kommen jeden Tag drei bis vier Patienten vorbei, die getestet werden müssen. Für ihn ist auch wichtig, dass sich niemand aus dem Praxis-Team ansteckt, "denn wenn wir ausfallen, ist das eine Katastrophe".

Seiner Ansicht nach haben schon viele Menschen begriffen, worum es bei der Corona-Pandemie geht. Dennoch müssten sich jetzt alle vorsehen, damit sich das Virus nur in Maßen ausbreitet. Wünschen würde er sich, dass die Ärzte besser für Notfälle ausgestattet werden.

Kassenärztliche Vereinigung reagiert

"Wenn der Versorgungsengpass behoben ist, wird alles besser", glaubt auch der Bad Kissinger Hausarzt Brendler. "Der Staat tut schon sehr viel", lobt er die aktuellen Initiativen des Bundes und des Freistaats. Am Mittwochabend bekam er nun auch eine E-Mail der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, in dem angekündigt wurde, dass man jetzt in den bayerischen Arztpraxen Bestandsaufnahme machen und Versorgungsengpässe beheben wird.

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