BAD KISSINGEN

Bad Kissingen: Jugendliche kommen zu leicht an Alkohol

Studie zum Suchtmittelkonsum Jugendlicher
Jugendliche kommen in manchen Läden unkontrolliert an Alkohol. Das verschärft die Suchtgefahr. Foto: Jens Büttner

„Den Ausweis hab' ich vergessen, aber ich bin wirklich schon 18!“: Auf eine solche Aussage sollte man sich beim Verkauf von Alkohol an Jugendliche nicht verlassen, denn sowohl für die Jugendlichen als auch für die Verkäufer kann das Konsequenzen haben. Die Mitarbeiter des Jugendschutzes im Landratsamt Bad Kissingen haben darum in Kooperation mit den Polizeidienststellen des Landkreises in den vergangenen Wochen Testkäufe durchgeführt.

Diesmal war jeder zweite Testkauf ein „Treffer“. Die Ergebnisse sprechen für diese Maßnahme, denn die Abgabe von Hochprozentigem ist nur an Volljährige erlaubt. Auszubildende des Landratsamtes waren als 16-jährige Testkäufer in Tankstellen, Getränke- und Supermärkten und Discountern unterwegs. Die Jugendlichen wurden zum Teil überhaupt nicht nach ihrem Alter bzw. Ausweis gefragt. Die Kassierer gaben im Nachgang stets an, dass sie sich verschätzt haben.

Die Testkäufer selbst waren vom Ergebnis schockiert. „Wir sind sogar nach der Payback-Karte gefragt worden, aber nach unserem Ausweis nicht“, berichtet einer der Testkäufer. „Jugendschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Alkohol, den junge Menschen trinken, geht immer durch die Hand Erwachsener. Daher ist für uns Erwachsene zum einen das Bewusstsein unserer Vorbildrolle wichtig. Zum anderen ist es nötig, sich nicht nur auf sein Gefühl zu verlassen, was die Alterseinschätzung betrifft, sondern auch aktiv zu kontrollieren“, mahnt Landrat Thomas Bold. Er dankte außerdem den Polizeibeamten für die gute Zusammenarbeit bei den Testkäufen.

Damit Jugendliche nicht so leicht an den Alkohol kommen, rät Rabea Daniel von der Kommunalen Jugendarbeit, die Käufer bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren nach ihrem Alter oder Ausweis zu fragen.

Ebenso sollten die Verkäufer sich nicht einem Autoschlüssel in der Hand ablenken lassen. Denn dieser zeigt nicht unbedingt, dass der Besitzer über 18 Jahre alt ist. „In unserem Testkauf war es noch nicht einmal ein Autoschlüssel, sondern lediglich ein Chip des Landratsamtes, der aus Gewohnheit zufällig in der Hand gehalten wurde“.

Was positiv zu bewerten ist: Bei den Kontrollen reagierten alle einsichtig und zeigten Verständnis für die Testkäufe. Einige Marktleiter freuten sich, dass von Amtsseite eine solche Maßnahme durchgeführt wird. Zwei Verkäuferinnen äußerten sich, dass sie es auch nicht möchten, dass ihren eigenen Kindern Spirituosen verkauft wird und fragen deshalb konsequent nach dem Ausweis. Die ersten Testkäufe im Landkreis fanden 2016 statt.

Damals war das Ergebnis ebenso erschreckend wie jetzt, heißt es in der Mitteilung. Die Testkäufe in den Jahren 2017 bis 2019 zeigten im Vergleich zum ersten Durchlauf deutliche Verbesserungen. Die Mitarbeiter des Jugendschutzes hoffen, dass die Maßnahme „Testkäufe“ Erfolg zeigt und die Eltern, Erziehungsberechtigten, Marktleiter, Verkäufer und alle anderen in Zukunft verantwortungsvoller mit dem Verkauf von Alkohol umgehen. (sh)

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