Bad Kissingen

Bad Kissingen: Was die ÖDP von der P 43 durch den Landkreis hält

Für den Burkardrother Bürgermeister macht die P 43 durchaus Sinn, denn der Gleichstrom müsse in Bergrheinfeld umgewandelt und als Wechselstrom sternförmig verteilt werden.
Bereits jetzt stehen auf Bergrheinfelder Gemarkung 170 Strommasten. Das könnten noch mehr werden, wenn die geplante Wechselstromtrasse P43 Richtung Norden gebaut wird.
Bereits jetzt stehen auf Bergrheinfelder Gemarkung 170 Strommasten. Das könnten noch mehr werden, wenn die geplante Wechselstromtrasse P43 Richtung Norden gebaut wird. Foto: Martina Müller

Er habe in der jüngsten Bürgermeister-Dienstbesprechung zwar für die Resolution gegen die geplante Wechselstromtrasse P 43 durch den Landkreis Bad Kissingen gestimmt, sehe dieses Thema aber dennoch anders als viele seiner Kollegen, sagt ÖDP-Bürgermeister und Kreisrat Waldemar Bug (Burkardroth) im Gespräch mit dieser Redaktion.  Das habe er in der Sitzung am 19. Juli auch so ausgedrückt. "Denn mit der Zustimmung zu SuedLink haben wir seinerzeit A gesagt. Jetzt müssen wir auch B sagen", schließlich müsse der Gleichstrom von SuedLink, der am Netzknotenpunkt Bergrheinfeld (Umspannwerk) ankommen soll, auch wieder als Wechselstrom ins Land verteilt werden.

Dass die in den Plänen der Bundesnetzagentur ursprünglich ebenfalls eingezeichneten Trassen P 44 (von Altfeld/Thüringen nach Grafenrheinfeld) und die modifizierte P 43 (von Mecklar über Dipperz nach Urberach) jetzt offensichtlich gar nicht mehr in der Wertungsind, habe er nicht verstanden. Deshalb habe er der Resolution am vergangenen Freitag zugestimmt, denn in ihrem Protest hätten der Landkreis und die Bürgermeister zum Ausdruck gebracht, dass sie nun genau wissen wollen, warum die P 43 kommen soll, statt der ursprünglich angedachten Alternativen durch Hessen oder Richtung Thüringen.

Bug will Sonne und Wind elektrisch nutzen

Generell widersprächen die gesamten Trassenplanungen - auch die für den SuedLink - seinen Überzeugungen als ökologischer Politiker, sagt Bug. Klar sei für ihn, wie für viele andere auch, dass die Energieversorgung der Zukunft weder weiter aus der Kernspaltung erfolgen könne, noch allzu lange mehr aus fossilen Energieträgern zu generieren sei. "Wir müssen die Sonne und den Wind in elektrischer Form nutzen", ist seine Überzeugung." Diese Nutzung solle man dezentral planen. "Das heißt, wir brauchen im Land mehrere punktuelle Einheiten statt einer zentralen Stromtrasse von Nord nach Süd, von der aus der Strom wieder ins ganze Land verteilt wird."

Der Verein Rhönlink,bestehend aus dem Landkreis, den Kommunen und den Bürgerinitiativen, habe dem SuedLink aber damals nun mal zugestimmt, weil es die Zusage gab, dass der Strom über Erdkabel geleitet werden soll. Dennoch müsse man bedenken, dass über SuedLink künftig die dreifache Menge an Strom nach Bergrheinfeld fließen wird.  Das frühere Kernkraftwerk Grafenrheinfeld hatte, laut Bug, eine Spitzenleistung von 1,3 Gigawatt. Mit dem SuedLink kämen dann in Bergrheinfeld vier Gigawatt Gleichstrom an, die in einem noch zu errichtenden Konverter-Gebäude zu Wechselstrom umgewandelt und ins Land verteilt werden müssten.

Das derzeitige Umspannwerk bei Bergrheinfeld.
Das derzeitige Umspannwerk bei Bergrheinfeld. Foto: Josef Schäfer

Die Aufregung über die P 43 versteht Bug nur bedingt, denn bereits vor sechs Jahren - als der Kommunalwahlkampf gerade anlief - sei eine neue Wechselstromleitung von Grafenrheinfeld aus nach Norden in der Planung der Bundesnetzagentur eingezeichnet gewesen. Als er seinerzeit im Kreistag darauf hinwies, habe er sich von Landrat Thomas Bold "einen Rüffel geholt". Zudem gebe es natürlich bereits Wechselstromleitungen, die von dem bis 2015 betriebenen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld aus nach Osten, Süden und Westen gehen. Sie müssten nun vermutlich nachgebessert werden. Für ihn sei jedenfalls klar, dass der Strom in Bergrheinfeld auch künftig in alle Richtungen sternförmig verteilt werden müsse.

Alternative: Aus Wind mach Wasserstoff

Nach Bugs Ansicht gebe es Alternativen zu diesem gigantischen SuedLink-Strang. "Denn wir bauen eine riesige Stromleitung, haben aber parallel dazu bundesweit ein hervorragendes Erdgas-System." Man könnte, seiner Ansicht nach, die Windkraft aus dem hohen Norden durch Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln. Ein Teil dieses Wasserstoffs könnte dann direkt ins Erdgas-System eingespeist werden, sagt Bug. Ein anderer Teil davon könnte, zusammen mit CO2, in Methan umgewandelt und ebenfalls direkt in die Erdgasleitungen eingespeist werden.

Ob mit der geplanten P 43 das letzte Wort in Sachen Wechselstromleitung gesprochen ist, bezweifelt Bug. Denn seiner Ansicht nach soll mit dem Bau des SuedLink auch der Stromhandel in Deutschlandund Europa weiter ausgebaut werden. Für ihn bleibt zu hinterfragen, ob überhaupt soviel Strom für die Versorgung der Bundesbürger notwendig ist.

Kann man den steigenden Strombedarf ausgleichen? 

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts, die allerdings schon ein paar Jahre alt ist, habe nämlich gezeigt, dass der Strombedarf in Zukunft zwar ansteigen werde, dass man diesen Anstieg aber durch Einsparungen und effizientes Verhalten im persönlichen und öffentlichen Bereich durchaus ausgleichen könne.

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