HAMMELBURG

Beklemmendes Filmdokument

. . . nach der sich die Übungsteilnehmer in Deckung bringen. Foto: REpro: Michael Mahr

Menschen zucken zusammen, Köpfe ducken sich, Explosionen zerreißen die Stille: Zu einer beklemmenden Dokumentation ist der Film „Exit, exit, exit –Kriegsreporter in Ausbildung“ geworden. Drehort war das Übungsdorf Bonnland auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg. Jetzt haben Schüler der Filmakademie Baden-Württemberg den halbstündigen Streifen fertiggestellt. Die Bewerbung bei verschiedenen Filmfestivals läuft.

An der Infanterieschule bereiten sich Journalisten aus dem ganzen Bundesgebiet auf Gefahren bei Einsätzen in Krisengebieten vor. Auslöser war die Tötung von zwei Reportern 1999 im Kosovo.

Die Eindrücke der Ausbildung graben sich tief ins Bewusstsein. Genauso, wie der Film der Hochschüler. Obwohl die Bedrohungen der Übung inszeniert sind, verschwimmen Fiktion und Realität. Das fünfköpfige Filmteam hat ganze Arbeit geleistet. Inklusive Nachbearbeitung waren zehn Leute beteiligt.

Höhepunkt ist eine gespielte Geiselnahme. Eine Nacht werden die Teilnehmer unter realitätsnahen Bedingungen festgehalten. „Die physischen Belastungen sind enorm“, fasst Produzent Philip Töpfer die Erfahrungen zusammen. Gedreht werden dürfte nur, nachdem sich Regisseur Konstantin Flemig unter den Übungsteilnehmern einreihte. Selbst dann dürften die Kameras nicht die ganze Nacht laufen.

Schließlich liegen bei Dunkelheit in Gefangenschaft die Nerven blank. Erspart blieb auch nicht zweistündiges Knien am Boden mit zwei Wasserflaschen in den Händen.

„Die Ausbildung ist sehr gut“, findet Filmstudent Töpfer. Ob sie im fall der Fälle hilft, weiß keiner. Immerhin: Sollten Journalisten in Notlagen kommen, können sie auf Erlerntes zurück greifen. „Sich unter Stress nur langsam bewegen, Entführern nicht direkt in die schauen“, sind zwei Deeskalationsstrategien.

Anders, als im richtigen Leben gibt es bei der inszenierten Geiselnahme ein sofortiges entrinnen. Wer es nicht mehr aushält, kann mit der Parole „Exit, exit, exit“ seinen sofortigen Ausstieg zu verstehen geben.

Der Film aus Bonnland veranschaulicht die Belastungen von Kriegsreportern. „Der Fernsehzuschauer sieht ja nur das Endprodukt“, sieht Produzent Töpfer Aufklärungsbedarf.

Eine filmerische Herausforderung war das Drehen des Streifens auf traditionellen Super-16–Film. Auf diese Weise sollen die Filmschüler im Digitalzeitalter mit herkömmlichem Material vertraut gemacht werden. Deshalb standen nur 120 Minuten Rohmaterial zur Verfügung, aus denen die Endfassung erwuchs.

Die Filmakademie Baden-Würtemberg in Ludwigsburg gehört mit ihren 450 Studenten zu den renommiertesten in Deutschland. Macher von dort erhielten auch einen Oscar für die Effekte bei Independence Day.

Trailer zu dem Film im Internet unter vimeo.com/43474605

Schrecksekunde: Der in Bonnland entstandene Film „Exit, exit, exit“ zeigt auch eine Explosion . . . Foto: Repro: M. Mahr

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