SCHONDRA

Bürger haken beharrlich nach

bru-uli-Nationalpark6       -  Empfangskomitee: Die Feuerwehr lotste die Besucher zu den Parkplätzen. Traktoren mit Plakaten standen als einziges Zeichen des Unmuts am Straßenrand. Eine Demonstration war weder von Gegnern noch von Befürwortern des Nationalparks angemeldet worden. Fotos (2): Ulrike Müller
Empfangskomitee: Die Feuerwehr lotste die Besucher zu den Parkplätzen. Traktoren mit Plakaten standen als einziges Zeichen des Unmuts am Straßenrand. Eine Demonstration war weder von Gegnern noch von Befürwortern des Nationalparks angemeldet worden. Fotos (2): Ulrike Müller

Sie sitzen in der letzten Reihe. Drei Jungs, acht und zwölf Jahre alt. „Unsere Eltern machen Holz hier in der Rhön“, sagt einer, „wir fahren gern Fahrrad“, der andere. „Wir wollen uns das nicht nehmen lassen, unsere schöne Heimat.“ Der Informationsfluss aus München sei zu spärlich gewesen, adressiert Mottens Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) gleich zu Beginn an die Vertreter des Bayerischen Umweltministeriums. Deutlich mahnt er auch in Richtung der Bürger, der Diskussion Zeit zu geben und eine Entscheidung nicht vorweg zu nehmen.

Ministerium tut sich schwer

Viele Gesichter wirken offen, aufmerksam folgen die Zuhörer den Ausführungen. Es ist eine Gratwanderung, die die Rhönallianz versucht: Erstmals kommen neben Bürgermeistern und Gemeinderäten (siehe unten) auch die Bürger zu Wort. Ihre Fragen sollen so konkret wie möglich beantwortet werden. Gleichzeitig steht der Prozess aber erst am Anfang. Viele Details zu Jagd, Holznutzung und finanziellem Ausgleich werden erst in der Konzeptphase ausgehandelt – eine unbefriedigende Situation, sowohl für Politiker als auch für die Bürger.

Ein paar konkrete Antworten hat Karl-Friedrich Barthmann aber doch zu bieten. Ja, ein länderübergreifender Nationalpark ist möglich. Nein, der Truppenübungsplatz Wildflecken ist nicht als Nationalpark vorgesehen. Selbst bei einer Zusammenarbeit mit Hessen könne er sich das „politisch nicht vorstellen.“ Und natürlich dürfen die Bürger den Wald noch betreten. Genau wie bei den Kernzonen des Biosphärenreservats werden die Wege, für die ein Wegekonzept ausgearbeitet wurde, gepflegt – und zwar auf hohem Niveau.

Immer wieder klingt die Frage an, warum die Rhön überhaupt als Suchraum für einen Nationalpark ausgewählt wurde, denn ein wesentliches Kriterium lautet, nach einem unzerschnittenen Waldgebiet zu suchen. Der Vorschlag für eine Gebietskulisse in der Rhön aber sei „mehr oder weniger zusammenhängend“, gibt Ursula Schuster zu. Da lachen die Bürger zum ersten Mal schallend.

„Kann es sein, dass wir mit falschen Zahlen gelockt werden?“, fragt Rudi Sautter aus Oberleichtersbach. Anton Kiefer aus Bad Brückenau möchte wissen, ob sich im Bayerischen Wald die Erwartungen bei der touristischen Entwicklung erfüllt hätten. Ja, antwortet Barthmann, kann dies aber nicht mit Zahlen belegen. „Warum lässt man die Förster, die noch im Dienst sind, nicht öffentlich reden?“, kritisiert Kurt Becker aus Riedenberg.

Manfred Kunert, Geschäftsführer von Paul und Co, spricht mit drastischen Worten dem Gutachter, Professor Hubert Job von der Uni Würzburg, jegliche Kompetenz ab. Er hatte im Auftrag des Umweltministeriums die wirtschaftliche Entwicklung eines Nationalparks Rhön mit 27,5 Millionen Euro jährlich ab 2050 prognostiziert. Kunert lässt sich nicht bremsen, bis der Veranstalter das Mikrofon ausschaltet. Später äußert er sich noch einmal, diesmal ausgewogener. „Die Fakten ändern sich ständig. Wie soll eine Willensbekundung da möglich sein?“ Es gibt aber auch andere Töne. „Wir sind eine strukturschwache Region. Denken Sie an die Zukunft!“ lautet der Appell von Ingo Queck an die Stadt- und Gemeinderäte. Ein anderer bedankte sich für „weit mehr Informationen“, als er sie bei ähnlichen Veranstaltungen bekommen habe.

Und die Mountainbiker? Der Landkreis entwickelt schließlich gerade ein Wegenetz für Radfahrer. „Es ist ziemlich naheliegend, ein solch ausgewogenes Konzept auch im Nationalpark fortzuführen“, sagt Barthmann. Für den Freistaat sei ein Nationalpark mit hohem Aufwand verbunden, vor allem finanziell. „Deshalb sprechen wir auch von einem Angebot.“

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