BAD KISSINGEN

Bürgermeister sind gegen die Stromtrasse

Zündstoff: Die von SüdLink geplante Stromtrasse führt auch durch den Kissinger Landkreis.
Zündstoff: Die von SüdLink geplante Stromtrasse führt auch durch den Kissinger Landkreis. Foto: Patrick Pleul/dpa

„Wir haben die schlimmste Situation, die wir erwarten konnten“, sagte Landrat Thomas Bold am Montag vor den Bürgermeistern. Spontan hatte er zur Zusammenkunft geladen, nachdem der Netzbetreiber TenneT am 5. Februar das Projekt SüdLink in Berlin vorgestellt hatte. Mit diesem Projekt verbunden ist eine an der A 7 entlang geplante Gleichstromtrasse, die politisch Verantwortliche nun auf den Plan rief. Jetzt wollen nicht nur die Gemeindechefs, sondern auch der Kreistag und der Regionale Planungsverband Resolutionen nach München und Bonn schicken.

Weit im Vorfeld habe man sich für die Trassenführung interessiert, jedoch keine Auskunft bekommen, beklagte Bold und verwahrte sich gegen den auf einer hiesigen Wahlveranstaltung geäußerten Vorwurf, dass man im Landratsamt über die Trassenführung längst Bescheid gewusst habe. „Es gab vorher keine näheren Erkenntnisse. Das nehme ich so nicht hin“, sagte er und machte klar, dass er rechtliche Schritte in Erwägung zieht, sollten diese „Unwahrheiten“ nicht aufhören.

Argument Biosphärenreservat

Bold schlug vor, in der Resolution der Bürgermeister zu formulieren, dass man sich dem Moratorium des Freistaats anschließen und abwarten sollte, bis das EEG-Gesetz im Frühjahr festgeschrieben ist. Dann werde man sehen, welche Auswirkungen dieses auf das Stromnetz hat und welche Grundlastfähigkeit man im bayerischen Stromnetz erreichen muss. Denn auch die Thüringer Strombrücke wird Strom bereitstellen. „Sie ist planfestgestellt und wird ohne Zweifel so gebaut.“

Zu bedenken gab er, dass man kürzlich in den Rhön-Landkreisen die Erweiterung des Biosphärenreservats erst durchboxte. Er kritisierte, dass dieses Schutzgebiet jetzt durch eine Trasse geteilt werden soll. Von diesem Einschnitt sei die Bevölkerung „massiv betroffen“, sagte Bold und führte Kommunen wie Motten, Riedenberg, Schondra, Oberthulba, Elfershausen, Geroda und die Stadt Bad Brückenau an. Den naturnahen Tourismus in der Rhön sieht er durch das Projekt gefährdet. Er führte eine aktuelle Studie an, die eine Kaufkraft von 94 Millionen Euro pro Jahr für die Rhön ausmachte.

In der Diskussion wurde klar, dass die Bürgermeister äußerst besorgt über die Netzausbaupläne sind. Der Strombedarf müsse erst geprüft werden, bevor man Trassen dieses Ausmaßes plant, gab Oerlenbachs Bürgermeister Siegfried Erhard zu bedenken. „Denn die absolute Notwendigkeit hat noch keiner nachgewiesen.“ Oberthulbas Gemeindeoberhaupt Gotthard Schlereth führte die Kostbarkeit des Biosphärenreservats ins Feld. Er warnte davor, den Status dieses Schutzgebiets durch eine solche Trasse zu gefährden-

Etliche Gemeinden betroffen

Bürgermeister Waldemar Bug (Burkardroth) verstand die „Überraschung über die Trasse“ nicht ganz, denn Grafenreinfeld sei schon länger als Zielpunkt für eine Stromführung bekannt. Seiner Ansicht nach sollte man den Netzausbau nicht nur ablehnen, sondern Alternativen nennen. Er regte an, dass der Regionale Planungsverband seine Pläne in Bezug auf die regionale Energieversorgung überarbeiten sollte.

Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (Bad Brückenau) verwies auf die enge Tallage ihrer Kurstadt und darauf, dass die Trasse genau zwischen zwei Heilquellenschutzgebieten verlaufe, von anderen Schutzgebieten ganz zu schweigen. Sollte die Leitung entlang der A 7 tatsächlich kommen, hätten die Bürger von Römershag sie über ihren Köpfen.

Dass die für den 14. Februar in Schweinfurt anberaumte Infoveranstaltung abgeblasen wurde, bedauerte Maßbachs Gemeindechef Johannes Wegner, denn dann hätte man mehr erfahren können. Er plädierte dafür, sich als Landkreis „nicht auseinander dividieren“ zu lassen. Bürgermeister Robert Römmelt (Riedenberg) erklärte, warum die Stromkonzerne die Leitungen lieber über Land führen. Es gebe bislang keine Erfahrungswerte mit Gleichstromleitungen, die in die Erde verlegt werden.

Es meldeten sich weitere Bürgermeister zu Wort. Der Resolution stimmten alle bis auf Wegner und Rannungens Bürgermeister Fridolin Zehner zu. Beide hatten angemahnt, dass man sich nicht nur gegen eine Trasse an der A 7, sondern an allen Autobahnen im Kreis aussprechen sollte. Dieser Zusatz wurde in die Resolution nicht aufgenommen.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Biosphärenreservate
  • Brigitte Meyerdierks
  • Fridolin Zehner
  • Gleichstromtrassen
  • Gotthard Schlereth
  • Johannes Wegner
  • Robert Römmelt
  • Siegfried Erhard
  • Stadt Bad Brückenau
  • Stromnetze
  • Stromtrassen
  • Tennet
  • Thomas Bold
  • Waldemar Bug
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
4 4
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!