Oberleichtersbach

CSU Oberleichtersbach: Wirbel um rechte Internet-Kommentare

Ein CSU-Bürgermeisterkandidat in der Rhön steht wegen menschenfeindlicher Facebook-Posts in der Kritik. Gegen einen Gemeinderatskandidaten ermittelt die Kriminalpolizei.
In der Rhön-Gemeinde Oberleichtersbach (Lkr. Bad Kissingen) sorgt die Internet-Vergangenheit des CSU-Bewerbers für das Bürgermeisteramt für Wirbel.
In der Rhön-Gemeinde Oberleichtersbach (Lkr. Bad Kissingen) sorgt die Internet-Vergangenheit des CSU-Bewerbers für das Bürgermeisteramt für Wirbel. Foto: Michael Mahr

Die Kriminalpolizei in Schweinfurt ermittelt gegen einen Gemeinderatsbewerber aus Oberleichtersbach (Lkr. Bad Kissingen) wegen des Verdachts der Verbreitung von Hakenkreuz-Bildern. Heftige Kritik richtet sich auch gegen Oliver Fell, den Bürgermeisterkandidaten der CSU in der Rhöngemeinde. Dieser hat bis zum Sommer auf Facebook  AfD-Postings und menschenfeindliche Hetze verbreitet.

Den Stein ins Rollen brachte Herbert Aul, der für die Wählergemeinschaft Windheim im Gemeinderat von Wartmannsroth (Lkr. Bad Kissingen) sitzt. Als er online ein Fell-Portrait in der Saale-Zeitung las, kommentierte er: „Allein mir fehlt der Glaube, dass jemand, der über Jahre rechte Hetze hier bei Facebook verbreitet hat, plötzlich christlich-soziale Werte vertreten will.“ In den vergangenen Jahren habe Fell regelmäßig unter anderem Inhalte der AfD geteilt. Dass ausgerechnet dieser Mann als CSU-Bürgermeisterkandidat in Oberleichtersbach antritt, findet Aul nicht richtig. „Sehr viele Leute sind darüber entsetzt.“

Video mit Nazi-Symbolen verbreitet 

Auls Vorwürfe gehen noch weiter. Im Dezember habe er einen Kandidaten der CSU-Liste für den Oberleichtersbacher Gemeinderat auf WhatsApp kritisch auf die Kandidatur von Fell  angesprochen. Als Antwort habe der Mann kommentarlos ein Video geschickt, das spärlich bekleidete Frauen mit Symbolen des Nationalsozialismus zeigt – etwa im Bikini mit Hakenkreuzen oder nahezu nackt mit Panzerschutzmützen der Wehrmacht. Dazu ertönt ein Lied mit dem Titel „Bist du braun – kriegst du Frauen“. Warum hat er den Absender des Videos nicht gleich angezeigt hat? Aul: "Ich hatte das Gefühl, dass der Mann gar nicht weiß, was er da weiterschickt.“ 

Umstritten: CSU-Bürgermeisterkandidat Oliver Fell.
Umstritten: CSU-Bürgermeisterkandidat Oliver Fell. Foto: Julia Raab

Gegenüber der Redaktion gibt der Gemeinderatskandidat zu, das Video geteilt zu haben. Er habe es „ironisch“ gemeint, sagt er. Unrechtsbewusstein lässt er nicht erkennen. Mittlerweile ermittelt die Staatsschutzabteilung bei der Kripo, bestätigt Kathrin Thamm, die Sprecherin des Polizeipräsidiums Unterfranken. Für den Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner, CSU-Kreisvorsitzender in Bad Kissingen, ist das Hakenkreuz-Video "ein Tabubruch, ein No-Go". Die CSU distanziere sich "ganz klar von rechtem Gedankengut und rechtsradikalen Sichtweisen", so Kirchner. Die Konsequenzen müsse der Gemeinderatskandidat alleine verantworten, er sei als Parteiloser für die CSU-Liste in Oberleichtersbach nominiert worden.

Oliver Fell: "Ich habe mich provozieren lassen" 

Schwerer tut sich der Kreisvorsitzende mit den Vorwürfen gegen den CSU-Bürgermeisterkandidaten Fell.  Wer mit dem 48-Jährigen befreundet ist, kann noch immer Aussagen wie diese auf seiner Facebook-Seite lesen: „Unsere Politiker rennen einer 16 jährigen halbautistischen Rotzgöre und einer verfilzten Bootsführerin hinterher. Wo sind wir nur hingekommen...“; „Wenn Vergewaltiger grinsend aus dem Gerichtssaal gehen, aber GEZ verweigerer und alte Menschen, die nichts zu essen haben und beim klauen erwischt werden, in den Knast gehen. Läuft in dem Land was falsch!!!“

„Ich habe mich provozieren lassen“, sagt Fell jetzt auf Nachfrage. Er habe viele Inhalte „emotionsgesteuert“ und „ohne zu überlegen“ weiterverbreitet und „Aussagen gemacht, die nicht korrekt sind“. Auch sympathisiere er nicht mit der AfD. "Eine rechte Hetze, sowie Gedankengut dieser Art bestreite ich aufs Äußerste", heißt es in einer aktuellen Stellungnahme Fells auf Facebook.

Ende August veränderten sich die Kommentare auf seinem Facebook-Profil. Bilder von Baustellen und CSU-Veranstaltungen dominieren nun. Fell erklärt das mit einem Reifeprozess, den er im Sommer durchlaufen habe. Im September ist er der CSU beigetreten, die Entscheidung, als Bürgermeister und für den Kreistag zu kandidieren, sei dann im Oktober gefallen. Seine "Geschichte" habe er aber nicht verstecken wollen. Deshalb habe er die früheren Posts nicht gelöscht. "Jeder Bürger kann gerne meine Seite einsehen und selbst urteilen", sagt er.

Sandro Kirchner ist CSU-Kreisvorsitzender in Bad Kissingen.
Sandro Kirchner ist CSU-Kreisvorsitzender in Bad Kissingen. Foto: Saale-Zeitung

Michaela Fuß, die CSU-Ortsvorsitzende von Oberleichtersbach, betont, sie habe vor der Nominierung  viele Gespräche mit Fell geführt und keine extreme politische Ausrichtung feststellen können. Kreischef Kirchner sagt, die CSU distanziere sich "selbstverständlich" von den "Geschmacklosigkeiten", die der Kandidat bis zum Sommer veröffentlicht habe. Vielleicht hätte man auf die Online-Kommentare der Vergangenheit vor der Nominierung mehr achten müssen, räumt er  selbstkritisch ein. Es sei Fell aber wie jedem Menschen zugestanden, sich zu ändern.

Kein CSU-Aufruf, Fell nicht zu wählen

Seit Fell Mitglied der CSU ist, seien keine Äußerungen von ihm bekannt geworden, die nicht tolerierbar sind, sagt Kirchner. Insofern sehe er keine Notwendigkeit, Abstand vom Bürgermeisterkandidaten zu nehmen. Vom Stimmzettel gestrichen werden kann der Bewerber nicht mehr, die CSU könnte allerdings dazu aufrufen, ihn nicht zu wählen. Das aber wolle man derzeit nicht tun, sagt Kirchner. Der CSU-Bezirksverband will sich vor einer Stellungnahme erst noch ein genaues Bild der Lage in Oberleichtersbach machen, so Geschäftsführer Georg Brückner auf Nachfrage.

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