GEFÄLL

Damit die fränkische Wurst rein bleibt

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Ein Wurstbuffet flankierte die Gründungsversammlung des „Verein Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot“ in Gefäll, einem Ortsteil von Burkardroth (Lkr. Bad Kissingen). Foto: Kathrin Kupka-Hahn

Die spinnen, die Franken. Das mag sich so manch einer gedacht haben, als er davon erfuhr, dass ein „Verein Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot e.V.“ gegründet werden soll. Doch ganz so spinnert, wie sie auf den ersten Blick wirkt, ist die Idee nicht. Schließlich sollen sich die Vereinsmitglieder dazu verpflichten, bei der Wurstherstellung künftig auf Geschmacksverstärker wie etwa Glutamat zu verzichten. Freiwillig und unabhängig von irgendwelchen Kontrolleuren.

Ein Professor mit Faible für Wurst

„Mir gefällt der Gedanke sehr gut. Es ist vielleicht ein Siegel für uns“, sagt Alfred Kaiser dazu, Metzger aus Aidhausen bei Hofheim und Innungsobermeister der Region Haßberge. Mit seiner Meinung steht er am Freitagabend nicht alleine da. „Ich bin durchaus positiv eingestellt und gespannt, was sich in der Diskussion ergibt“, sagt der Burkardrother Raymund Kirchner.

Mehr als 25 fränkische Metzger, Direktvermarkter und Gastronomen hatten sich auf den Weg in den Burkardrother Ortsteil Gefäll (Lkr. Bad Kissingen) gemacht. Dort fand im Vereinsheim des Sportvereins die Gründungsversammlung der Wurst-Reinhalter statt. Initiator ist Kilian Moritz, gebürtiger Gefäller und Professor an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Er hatte die Idee, ein Reinheitsgebot für die Wurstherstellung festzulegen. „Außer, dass ich Eure Wurst so mag, habe ich nichts damit zu tun. Ich bin kein Metzger, nur der Papa der Idee“, sagte er zu den Anwesenden. Die waren aus etlichen fränkischen Regionen gekommen – aus dem Spessart, aus Oberfranken, aus dem Haßfurter und Schweinfurter Raum, aus den Haßbergen und natürlich auch aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld.

Familienbetrieb aus dem Fichtelgebirge

Die weiteste Anreise hatte Beate Wolf. Sie betreibt im Fichtelgebirge in dritter Generation die Waldgaststätte „Steinhaus“, vermarktet parallel dazu die Produkte ihrer Landwirtschaft selbst, darunter auch Brot und Wurst. Geschmacksverstärker oder Zusatzstoffe kennt die 47-Jährige nicht. Denn der Familienbetrieb arbeitet so wie die Generationen vor ihm. „Wir haben noch nie etwas anderes gemacht“, sagt Beate Wolf.

Von der Vereinsgründung hat sie durch eine E-Mail von Kilian Moritz erfahren. Für die Oberfränkin stand sofort fest: Da muss ich hin, da muss ich dabei sein. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht, auch wenn es ein langer Abend wurde. Denn es dauerte mehr als vier Stunden, bis der Verein gegründet war.

Zunächst gab es zur Stärkung eine zünftige Brotzeit: Familie Gensler aus Unsleben brutzelte frische Bratwürste, und Markus Alles aus Frauenroth hatte eine deftige Schlachtschüssel vorbereitet. Hungrig musste niemand die kommenden Stunden ausharren, während die von Moritz ausgearbeitete Satzung ausgiebig diskutiert wurde. Jede Formulierung wurde besprochen, unter anderem, wer dem Verein beitreten darf. Man einigte sich darauf, dass auch nichtfränkische Metzger Mitglied werden können.

Nicht für jeden gedacht

„Ich bin nicht damit einverstanden, dass jeder Betrieb beitreten kann“, sagte Klaus Arnold, der gemeinsam mit seinen Söhnen Tobias und André eine Metzgerei in Gefäll betreibt. „Ich möchte nicht, dass beispielsweise ein großer Industriebetrieb beitritt und das Ganze aufweicht“, sagte er. Ebenso sahen es auch die anderen Metzger. Robert Schmitt, Innungsmeister aus Bad Kissingen, schlug schließlich vor, die Bezeichnung handwerkliche Betriebe zu verwenden.

„Denn ein Wursthersteller muss kein Metzger, sondern kann auch ein Direktvermarkter sein.“ Dieser Vorschlag wurde ebenso wie die restlichen zwölf Punkte der Satzung von der Versammlung angenommen. Als Vereinshymne wurde das Lied „Morgenrot, Morgenrot, unsere alte Sau ist tot“, bestimmt.

Alle Posten verteilt

Markus Alles, Metzgermeister aus Frauenroth, erklärte sich bereit, als Erster Vorsitzender tätig zu sein, Alfred Kaiser aus Aidhausen als Zweiter. Für das Amt des Schriftführers stellte sich Jürgen Straub zur Verfügung, der Geschäftsführer der Metzgerinnungen Rhön-Grabfeld und Schweinfurt ist. Als Kassier wird Metzger Mirko Gensler aus Unsleben fungieren. Alle vier wurden einstimmig gewählt. Parallel dazu traten 18 Anwesende sofort dem Verein bei. „Es ist einfach durchweg positiv und erfreulich“, freute sich Initiator Kilian Moritz darüber. „Aber ich habe damit gerechnet, es wird so groß“, fügt der 51-Jährige selbstbewusst hinzu.

„Damit haben wir etwas, was prestigeträchtig ist“, fasste Metzger Matthias Freund aus Sommerkahl bei Aschaffenburg zusammen. Nicht zuletzt, weil Moritz ganze Arbeit geleistet hat. Denn der Freund fränkischer Wurst hat nicht nur die Satzung vorbereitet, sondern auch gleich ein Logo von Grafikerin Babs Müller-Schleich aus Hergolshausen entwerfen lassen. „Für verrückte Ideen bin ich immer zu haben“, erklärte sie.

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