Bad Kissingen

Damit man beim Telefonieren nicht mehr 'rausfliegt

Der Begriff des schnellen Internets ist im ländlichen Raum relativ, und wer am Handy spricht, ist vor Funklöchern nicht immer gefeit. Doch das soll sich nun ändern.
Hartmut Vierle will gemeinsam mit den Kommunen im Landkreis den Ausbau von Breitband- und Mobilfunknetzen vorantreiben. Foto: Lena Pfister

Der neue Mann in der Kompetenzstelle "Breitband und Mobilfunk" im Landratsamt heißt Hartmut Vierle. Er stellte sich am Freitag in der Bürgermeisterdienstbesprechung vor. Bis Ende 2019 arbeitete der 39-Jährige Fachinformatiker aus Aura noch im Zentrum für Telemedizin des Landkreises mit. Seit Beginn des Jahres ist er damit betraut, den Ausbau der Breitband- und der Mobilfunkversorgung im Landkreis voranzutreiben - und zwar zusammen mit den Städten und Kommunen.

Die Stelle wurde am Landratsamt zunächst für zwei Jahre neu eingerichtet und wird vom Freistaat mit insgesamt 90 000 Euro bezuschusst. Den Rest wollen sich Landkreis und Kommunen zu je 50 Prozent teilen. Im Juli 2019 sprach man von jährlichen Kosten für die Stelle in Höhe von 88 305 Euro. Damals hatten die Bürgermeister im Landratsamt nämlich eine Zweckvereinbarung mit dem Landkreis geschlossen.

Arbeit an einer Stelle bündeln

Bevor jede der Städte und Kommunen nun eigene Förderanträge stellt, könnte man die Arbeit an einer Kompetenzstelle im Landratsamt bündeln, fasste Landrat Thomas Bold in der Sitzung mit den Bürgermeistern die damaligen Vorüberlegungen zusammen. Denn zum Thema Breitband und Mobilfunk gibt es zahlreiche Förderprogramme. Doch man muss sich mit der Thematik auskennen und am Ball bleiben, wenn man Zuschüsse an Land ziehen will.

Kurz- bis mittelfristig sollen, laut dieser Zweckvereinbarung, Glasfaserleitungen in jedes Haus im Landkreis führen. Notwendig sei überdies die flächendeckende Ausrichtung der Mobilfunkmasten. Die Aufgabe von Hartmut Vierle ist es also nun, ein kommunales Netzwerk zur Digitalisierung zu erarbeiten.

Jedes Haus im Landkreis Bad Kissingen soll in naher Zukunft mit Leerrohren für Glasfaser ausgestattet sein.  Foto: dpa/Sina Schuldt

Beim Festnetz liegt Deutschland hinten

Deutschland hinke beim Ausbau des Glasfasernetzes hinterher, sagte der Fachinformatiker. Der Glasfaser-Anteil an Festnetz-Breitbandanschlüssen beträgt hier nach einer Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lediglich 3,2 Prozent, in Südkorea hingegen stolze 80,4 Prozent (Stand 2018).

Bezüglich des Ausbaus des Mobilfunks dauern die Genehmigungsverfahren insgesamt zu lange, so Vierle weiter. Zudem würden die Mobilfunkmasten nur zum Teil von mehreren Firmen bestückt. Um die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Telekommunikation zufriedenzustellen, müsste man die Masten aber alle mehrfach belegen.

Was die neueste und "fünfte Generation" (5G) des Mobilfunks angeht, sei diese Art bislang wohl eher für Städte als für den ländlichen Raum geeignet, machte Vierle klar. Denn die Reichweite der 5G-Basisstationen sei bislang äußerst gering, so dass man sehr viele Masten bräuchte, um ein funktionierendes Netz aufzubauen - vom Energieverbrauch ganz zu schweigen.

Speed-Pipes für jedes Haus

Das künftige Ziel sollte sein, Versorgungslücken im Mobilfunk zu schließen. Nach Vierles Ansicht könne man froh sein, wenn hierzulande 4G zum Mobilfunk-Standard wird. Dann würden wenigstens die Gespräche am Festnetz-Telefon nicht mehr abreißen und die am Handy nicht mehr wegen Funklöchern getrennt werden. Jedes Haus sollte, laut Vierle, auch mit dem unterirdischen Rohrsystem für Kommunikation (Speedpipes) ausgestattet werden, so dass man dort später jederzeit Glasfaserkabel verlegen kann. Verbesserungsbedürftig seien zudem die Durchsatzraten zu Stoßzeiten.

Vierle legte dar, was er alles in Angriff nehmen will: Er hat vor, die Förderwege zu erkunden, zwischen Anbietern und Nutzern zu vermitteln, bei der technischen Umsetzung zu beraten, Datenbanken auszuwerten und den Markt insgesamt zu beobachten. Demnächst will er sich bei den Kommunen vorstellen und auch die Netzbetreiber und Anbieter besuchen. Dann sollen mit den Vertretern der Städte und Kommunen Arbeitspakete geschnürt werden.

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