MÜNNERSTADT

Das Haus des Bildhäuser Säckelmeisters

Rekonstruktionsversuch: gefertigt nach dem Klosterplan von 1788.

1912 wurde im Bezirksamt Kissingen ein Vorgang angelegt „Schriftgut zur Heimat-Pflege“, der sich im Staatsarchiv Würzburg erhalten hat. Er enthält im wesentlichen einige Fotos von verschiedenen Objekten im Landkreis. Darunter befinden sich auch einige Fotos aus dem ehemaligen Kloster Bildhausen, die dem Bezirksamt zugeleitet wurden.

Das konnte mit diesen Fotos wenig anfangen und bat Kuratus C. Günther, den damaligen geistlichen Leiter von Bildhausen, das damals noch nicht Maria Bildhausen hieß, um Identifizierung der Bilder. Günther antwortete dem Bezirksamt mit Schreiben vom 2. Mai 1914, dass von den Gebäuden nur noch die ehemalige Abtei von künstlerischer – gemeint ist denkmalpflegerischer – Bedeutung wäre.

Bei einem eher landwirtschaftlichen Gebäude handele es sich um die Wohnung des früheren Klosterökonoms, das sogenannte Bursarium. Die Treppe sei später angebaut worden, der eigentliche Eingang habe an der Vorderseite gelegen. Das Ganze sei baufällig gewesen und 1912 – richtig 1911 – abgerissen worden.

Der von Kurat Günther genannte Klosterökonom war nicht etwa ein weltlicher Gutsverwalter, sondern ein Zisterzienserpater, dem die Verwaltung des reichen Klostervermögens oblag. Er hatte den lateinischen Titel „Pater Bursarius“ und war nach Abt und Prior der drittwichtigste Mann im Kloster.

Er verwaltete nämlich die „bursa“, lateinisch für Geldbeutel, aus dem sich das deutsche Lehnwort „Börse“ entwickelt hat. In den alpenländischen Gebieten heißt der Schatzmeister sehr treffend auch Säckelmeister.

Während die Zisterzienser als benediktinischer Reformorden ihre Klöster ursprünglich weitab von Siedlungen mit eigener Hände Arbeit bauten und ihre Landwirtschaft selbst betrieben, kamen sie im späten Mittelalter zur Erkenntnis, dass man den Besitz auch verpachten und von den Abgaben der Pächter gut leben könne.

Der Säckelmeister war daher als Kloster-Bänker mit der Einnahme der Abgaben und deren Verwertung sowie der Ausgabe von Darlehen vollzeitbeschäftigt. Der Pater Bursarius hatte noch ein Ehrenamt. Bei ihm mussten abends alle Torschlüssel für das von Mauern umgebene Kloster abgegeben werden.

Von den Verwaltungsgebäuden des Klosters (im Grundriss mit C gekennzeichnet) hat sich nur die Abtei mit dem angrenzenden Verwaltungstrakt, heute Festsaal, erhalten.

Der Pater Bursarius hatte ein eigenes Verwaltungsgebäude zwischen der Abtei und dem erhaltenen Torgebäude (P). Wer als zinspflichtiger Pächter oder Bittsteller durch das Klostertor im Westen in den Klosterbereich kam, konnte das Bursariat (R) nicht verfehlen.

Weiter durfte ein Laie auch nicht gehen, denn der eigentliche Klosterbereich einschließlich der Klosterkirche mit ihren fünf Apsiden (A) war den Konventualen vorbehalten. Wer als Laie einen Gottesdienst besuchen wollte, wurde auf die Torkirche (B) verwiesen, deren Platz nach Abbruch heute Klosterfriedhof ist. Um keine Besucher im Klostergelände zu haben, gab es südlich der Klostermauer an der Straße ein Wirtshaus (Bb), das auch verschwunden ist.

Von den Klostergebäuden erhalten sind noch das Sommerrefektorium, auf dem Plan von 1803 als Gartensaal (Aa) bezeichnet, und die Scheunen (Y). Vom beheizbaren Winterrefektorium (G) hat sich nur der Keller erhalten.

Das Refektorium wurde 1611 unter Abt Michael Christ erbaut. In seiner Beletage lag der Kaisersaal, der vor 1803 in jeder klösterlichen oder weltlichen Residenz als Festsaal für den möglichen Empfang des Kaisers und andere prominenter Gäste bereitstand.

Das Bursariat stand eigenartigerweise schräg zum Abteigebäude und auch nicht in der Flucht des Haupttores. Es lag in der heutigen Straße vom Tor zu den erhaltenen Konventsgebäuden im Barockstil (D und H). Als finanziell wichtigstes Gebäude des Klosters war es wohl älter als das im Renaissancestil erbaute Abteigebäude.

Es diente auch als Schäfer- beziehungsweise Armenhaus. Zuletzt wohnte dort Nikolaus Katzenberger aus Rödelmaier, der sich unter Aufgabe von Hab und Gut ganz den Zielen von Pfarrer Dominikus Ringeisen verschrieb. Der Überlieferung nach soll er sein Anwesen verkauft haben, damit Ringeisen 1897 wenigstens die Notarkosten für den Erwerb des ehemaligen Klosters bezahlen konnte, für das 575 000 Goldmark fällig wurden. Nach heutiger Kaufkraft wären dies rund 15 Millionen Euro.

Als Katzenberger 1909 verstarb, konnte das Bursariat am 6. Mai 1911, unter Pfarrer Ringeisen noch „Haus Crescentia“ genannt, für den Neubau eines Personalwohnhauses abgerissen werden, heute „Haus Don Bosco“. Das Bursariat ging bis in dessen Vorgarten. Planfertiger des 1911 erbauten „Haus Don Bosco“ war der Architekt Franz Xaver Huf aus München.

Literatur: Werner Eberth, Die Säkularisation der Zisterze Bildhausen, Bad Kissingen 2003.

Historisch: Ausschnitt eines Plans des ehemaligen Klosters Bildhausen. Foto: Repro: Werner Eberth
Das Bursariat: um 1910 aufgenommenes Foto.

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