Nüdlingen

Der Arzt kommt zum Tier

Sabine Sell ist Tierärztin und hat sich mit einer mobilen Kleintierpraxis selbständig gemacht. Die Nüdlingerin behandelt im Wohnzimmer, im Garten eben dort, wo ihre Patienten zuhause sind.Wir haben die Tierärztin einen halben Tag lang bei ihrer Arbeit begleitet.
Tierärztin Sabine Sell bespricht am Esszimmertisch mit Katja Hose das Röntgenbild von Buddy. Buddy ist ein stattlicher, acht Jahre alter Bullmastiff und hat Atemprobleme. Sabine Sell ist bei Katja Hose daheim, Buddy begrüßt Sabine Sell stürmisch. Er kennt sie mittlerweile schon gut. Sabine Sell kommt zur Visite immer ins Haus ihrer Patienten. Sie betreibt eine mobile Tierarztpraxis und ist eine von zwei Tiermedizinerinnen in der Region, die auf diese Weise praktiziert.
Sabine Sell erkennt auf Buddys Röntgenbild Wassereinlagerungen in der Lunge. Glücklicherweise hat Buddy keinen Tumor. "Das Lungenödem ist die gute Nachricht", erklärt die Ärztin der besorgten Hundehalterin. Man sieht es dem kräftigen Kerl nicht an, aber Buddy hat ein schwaches Herz, daher das Lungenödem. Sabine Sell tröstet Katja Hose. Mit Medikamenten kann ihr Hund noch lange leben. Katja Hose ist beruhigt. Buddy ist für sie wie ein Familienmitglied.

Patienten leben weit auseinander

Der Bullmastiff ist einer von vier Patienten, die Sabine Sell an diesem Vormittag besucht. Mehr geht diesmal nicht. Die Patienten wohnen heute weit auseinander. Beagle Jacky in Haard, die Kaninchen Herr Möhrich und Mifi in Bad Neustadt sowie Labrador Snoopy in Untererthal brauchen neben Buddy ärztliche Hilfe. Als Sabine Sell vor zwei Jahren ihre mobile Tierarztpraxis eröffnete, hatte die Nüdlingerin vor, halbtags zu arbeiten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Mit der mobilen Praxis habe sie zudem eine Nische gefunden, die es in der Region noch nicht gibt. Mittlerweile ist es ein Vollzeitjob. "Ohne die Unterstützung der Familie ginge das gar nicht", sagt Sabine Sell. Zeit für sich hat sie kaum: "Ich hätte gerne ein Pferd, das war schon immer mein Traum", sagt die Ärztin. Das muss warten.

Kein Problem mit der Mobilität

Die junge Frau will sich jedoch nicht beklagen. Sie möchte gar nicht anders praktizieren. Sie schätzt die Mobilität und den engen Kontakt zu den Tierbesitzern. Die Tiere in ihrer häuslichen Umgebung zu erleben, helfe auch bei der Diagnose. Bei Regine Merz in Bad Neustadt werden die Kaninchen vorbildlich gehalten, stellt Sell fest. "Ich bin froh, dass sie zuhause behandelt werden", sagt die Halterin.
Dieser Beruf müsse Spaß machen, erläutert die Sabine Sell. Sonst ginge es nicht. Als Tierärztin muss sie auch Leid sehen. Tiere werden alt, bekommen Krankheiten. Tumore gibt es bei ihnen wie auch bei Menschen. Manchmal muss sie kranke Tiere von ihrem Leid erlösen "Ich mach´ das eigentlich nicht gerne", aber auch das gehört dazu. "Da fließen oft auch Tränen", sagt sie. Die Menschen hängen an ihren Vierbeinern. In solchen Momenten wird die Tierärztin dann auch zur Seelentrösterin. Doch an diesem Vormittag hat Sabine Sell angenehme Visiten. Buddy kann geholfen werden. Bei den Mühlbacher Kaninchen geht es um die Vorsorge. Herr Möhrich braucht Impfungen. Seine Gefährtin Mifi hat zu lange Nägel. Die schneidet Sabine Sell. Besitzerin Regine Merz muss das zappelnde Kaninchen gut festhalten - aber nicht zu fest, sagt Sabine Sell. Kaninchen können sich so wehren, dass sie sich selbst die Wirbelsäule brechen. "Dann lieber fallen lassen", meint Sell.

Jacky zittert wie Espenlaub

Ganz gelassen nimmt Labrador Snoopy in Untererthal die Untersuchung. Er geht demnächst in Urlaub. Für die Durchreise durch die Schweiz muss er geimpft werden sein. Für sein gerötetes Ohr bekommt Frauchen Natascha Nuss eine Salbe.
Weniger erfreut über den Arztbesuch ist Beagle-Hündin Jacky in Haard. Sie zittert wie Espenlaub und verdrückt sich in die Ecke. "Sie hat schon einige früher Operationen hinter sich", erklärt Ute Kaim das Verhalten ihres Hundes. Doch letztendlich schafft es Sabine Sell problemlos, Jacky Blut abzunehmen.

Wenn Tiere böse werden

Nicht immer verlaufen Behandlungen so angenehm wie an diesem Vormittag. Sabine Sell zeigt eine Narbe am Arm. Da wurde wie von einer Katze gebissen. Und sie hatte schon Hunde, die richtig böse waren. Die ließen sich nicht anfassen, auch von ihren Haltern nicht. "Dann gehe ich wieder", sagt sie. Sie gehe in solchen Fällen auf Nummer sicher, sagt die Ärztin.
Die Tierärztin behandelt im Wohnzimmer, Esszimmer, Flur oder Garten - überall, wo ihre Patienten zuhause sind. Meist kniet sie am Fußboden. Die Arzttasche ist immer dabei. Im Auto liegt ein Ultraschallgerät für die weitere Diagnostik bereit. Mehr braucht sie nicht für ihre Visiten. Mehr:  Seite 8


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