POPPENLAUER

„Der Gesangs- und Leseverein dahier“

Historische Aufnahme: Die Mitglieder des Sängerkranzes Poppenlauer, der 1947 wiederbelebt wurde, auf einem Foto im Jahr 1953. Foto: Repro: H. Breitenbach

„Es schwinden jeden Kummers Falten, so lang des Liedes Zauber walten.“ Diese ermunternde Laudatio auf den Chorgesang findet sich auf der Rückseite der Vereinsfahne des Sängerkranzes Poppenlauer. Sie stammt aus dem Jahr 1900 und ist ein Markenzeichen des Sängerkranzes, der in diesen Tagen seinen 150. Geburtstag begeht.

Der heutige Gesangverein „Sängerkranz“ ging aus einem 1843 gegründeten so genannten Lese-Verein hervor, der im Jahr 1863 zum Gesang- und Leseverein Poppenlauer erweitert wurde. Mitglieder wurden ausschließlich evangelische Männer. Chorleiter waren zu allen Zeiten in der Regel ortsansässige Lehrer.

Man wollte damals an dem allgemeinen geistigen Aufschwung teilnehmen und war stolz, einem Leseverein anzugehören. Lesen zu können, auch eine Folge des bedeutenden Auftrieb des schulischen Lebens jener Zeit.

Die Geselligkeit, die während der ersten 100 Jahre Vereinsgeschichte üblich waren, etwa die beliebten Tanzvergnügen anlässlich des jährlich wiederkehrenden Stiftungsfestes, seien inzwischen wegen anderer Festivitäten weniger geworden, sagte Vorsitzender Peter Dinkel gegenüber der Main-Post. Auch sei der gesellschaftliche Zusammenhalt nicht mehr so eng wie etwa noch in den Nachkriegsjahren und den folgenden Jahrzehnten.

In den Protokollbüchern sei zu lesen, dass in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung der Gemeinschaftssinn besonders ausgeprägt war. Das habe sich bei besonderen finanziellen Belastungen gezeigt, etwa bei der Anschaffung eines Klaviers, des Notenmaterials oder der Vereinsfahne. Dazu habe jedes Mitglied gleichermaßen beigesteuert, so Dinkel.

Großer Wert sei beim Sängerkranz immer auf Korrektheit und Zucht gelegt worden. Man hielt sich strikt an die Statuten. Im Gegensatz zu heute, wo es an Nachwuchs mangele, sei früher über die Aufnahme von Neumitgliedern im Verein abgestimmt worden.

Dem Protokollbuch liegen einige heute recht bemerkenswerte Dokumente bei, zum Beispiel schreibt im Februar 1883 das Königliche Bezirksamt Kissingen über den Dienstweg an den Bürgermeister von Poppenlauer: „Dem 1. Vorstand des Gesangs- und Lesevereins Poppenlauer ist zu eröffnen, dass gegen die unterm 17. 1. Mts. vorgelegten Statuten von Distriktspolizei-wegen keine Erinnerung besteht. Der k. Bezirksamtmann.“

Ein weiteres Dokument vom 23. Juli 1864 ist ein Bittschreiben des Vorsitzenden Georg Dietz an das Königliche Bezirksamt Kissingen: „Gehorsamste Bitte des Vorstandes vom Gesang- und Leseverein dahier; Betreff: Gestattung Tanzveranstaltung – Der Gesang- und Leseverein dahier beabsichtigt, auf morgen, den 24. d. Mts eine Waldparthie im nahe am Ort gelegenen Harthölzchen und im Falle ungünstigen Wetters die Tanzunterhaltung in den Lokalitäten des Gastwirthes Georg Will abzuhalten. Der Vorstand des Vereins bittet daher gehorsamst: königliches Bezirksamt wolle dazu die Erlaubnis ertheilen. Mit vorzüglicher Hochachtung.“

Die erste Unterbrechung in der Chronologie des Vereinslebens dauerte von 1914 bis 1926. Am 26. Oktober 1926 schloss sich der Gesangverein Sängerkranz mit dem Jugendbund zusammen. Eine weitere Unterbrechung erfolgte während der Nazi-Herrschaft ab 1933, da zu dieser Zeit jegliche freie Vereinstätigkeit unterbunden war. Erst 1947 wurde der Verein wiederbelebt, mit Wilhelm Hochrein als Vorsitzendem und Lehrer Koch als Chorleiter.

Im Jahr 1987 wurde dem Sängerkranz Poppenlauer, der Mitglied im Fränkischen und im Deutschen Sängerbund ist, die Zelter-Plakette verliehen „für seine künstlerische und volksbildende Arbeit und den wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben unserer Gemeinde“, auch aufgrund seines jeder Zeit verfügbaren vielseitigen Liedgutes im Bereich Geistliche Lieder, Volkslieder und Kanon.

Viele Männer haben während der letzten 150 Jahre dem Sängerkranz aufopfernd gedient, seien es Mitglieder der jeweiligen Vorstandschaften, Dirigenten oder auch begeisterte Sänger. Dafür sei er sehr dankbar, betont Vorsitzender Peter Dinkel.

150 Jahre Männergesangverein Sängerkranz sei ein willkommener Anlass zum Feiern, schrieb die Schirmherrin des Jubiläums, die stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch, in einem Grußwort. „Auch heute noch nimmt der Verein einen festen Platz im kulturellen Leben Poppenlauers ein“, schreibt sie weiter.

Der Sängerkranz Poppenlauer begeht seine 150-Jahr-Feier am Samstag und Sonntag, 15. und 16.Juni. Beim Jubiläumskonzert am Samstag um 19 Uhr in der evangelischen Kirche in Poppenlauer wirken Olaf Wallishauser (Gesang), Dagmar Welsch (Klavier) und Ulrike Kleinhenz (Orgel) mit. Der Sonntag beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Festhalle und mündet anschließend in den Festbetrieb mit Chorvorträgen verschiedener befreundeter Gesangsvereine.

Historische Aufnahme des Sängerkranzes Poppenlauer: Die Mitglieder im Jahr 1908. Foto: Repro: H. Breitenbach
Jubiläumsvorbereitung: Peter Dinkel, Vorsitzender des Sängerkranzes (rechts) mit seinem Bruder Horst, Schriftführer des Vereins. Foto: Breitenbach

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