Bad Kissingen

"Die Feuerwehr war mein Leben"

Die Methode hatte selbst erfahrene Beamte der Kripo Schweinfurt vor einige Herausforderungen gestellt. Und ohne Geständnis, so die Aussage zweier Ermittler vor Gericht, wäre man dem Brandstifter wohl nicht auf die Spur gekommen. Sein umfassendes Geständnis wiederholte der Angeklagte, ein ehemaliger Feuerwehrmann eines Bad Kissinger Stadtteils, vor dem Schöffengericht am Donnerstag. Am Ende wurde der 23-Jährige wegen vorsätzlicher Brandstiftung in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe ist zur Bewährung ausgesetzt.

Mit zwei Autos fing es an

Der Angeklagte hatte im Juli 2012 in einem Kissinger Stadtteil zwei Autos durch Grillanzünder in Brand gesteckt und damit an beiden Fahrzeugen Totalschaden verursacht. "Ich kann mir das immer noch nicht wirklich erklären", sagte der 23-Jährige, der sich seit seinem Geständnis im April dieses Jahres in psychologischer Behandlung befindet. Der junge Mann gab aber zu, dass ihm seinerzeit verschiedene private Stresssituationen über den Kopf gewachsen seien.

Kleinere Brände gelegt

Schon seit April 2012 hatte er immer wieder kleinere Brände in seinem Stadtteil und der Umgebung verursacht, angefangen an einem Abfalleimer über Hecken, Bäume und Wiesenstücke bis hin zu Sperrmüll. Sein Ziel, das ergab die Verhandlung, war dabei jedes Mal, einen Einsatz seiner eigenen Feuerwehrkollegen auszulösen, und sich selbst an den Löscharbeiten beteiligen zu können. "Ich war seit meiner Jugendzeit schon bei der Feuerwehr, das war mein Leben", sagte der 23-Jährige vor Gericht.
Zwar war der Mann durch umfangreiche Ermittlungen im Laufe der Zeit ins Visier der Polizei geraten, "wir hätten ihm aber zunächst nichts nachweisen können", räumte ein Beamter der Polizeiinspektion Bad Kissingen ein. Jenem Beamten zollte das Schöffengericht eine gehörige Portion Lob, hatte er durch beharrliche und offensichtlich sehr einfühlsame Gespräche mit dem Verdächtigen erreicht, dass der schließlich auspackte. "Ich wollte reinen Tisch machen, weil mich mein schlechtes Gewissen so geplagt hat", gab der Mann zu. "Es war wirklich eine Erleichterung." Da der Angeklagte so genanntes Täterwissen offenbarte, Details also, die nur er als Verursacher wusste, waren die Beamten von der Glaubwürdigkeit des Geständnisses von Anfang an überzeugt.

Die Feuerwehr-Freunde verloren

Nachdem der 23-Jährige als Täter in der eigenen Feuerwehr bekannt wurde, wurde er von den Verantwortlichen ausgeschlossen. "Bis auf einen Kumpel habe ich alle Freundschaften dort verloren, das war sehr schwer für mich", sagte der Angeklagte. Er wolle zu seinen Vergehen stehen und sei dabei, den materiellen Schaden wiedergutmachen.
Die finanziellen Konsequenzen seiner Vergehen wird der Mann noch über Jahre zu spüren bekommen, da wohl auch die Stadt Bad Kissingen mit Schadensersatzforderungen an ihn herantreten wird. Denn nachdem sich die Kripo eingeschaltet und jene Stadtteilfeuerwehr mit dem Verdacht konfrontiert hatte, der Täter könnte aus ihren eigenen Reihen stammen, hatte der Angeklagte gezielt Einsätze jenseits von Brandlöscharbeiten ausgelöst. Durch anonyme Schreiben verursachte er groß angelegte Suchaktionen in Waldstücken, an denen sich auch Einsatzkräfte außerhalb der Feuerwehr beteiligten. "Solche Suchaktionen bringen riesigen Aufwand mit sich bis hin zum Einsatz von Hubschraubern", sagte ein Polizeibeamter.

Arbeiten für die Gemeinschaft

Da der Angeklagte bislang unbescholten und im Prozess umfassend geständig war, bescheinigte ihm das Gericht eine positive Sozialprognose. Er bekommt jetzt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss zudem 100 Arbeitsstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung leisten. "Sie haben so viel Polizei- und Feuerwehreinsatz verursacht und zudem so viel Unruhe auch in der Bevölkerung ausgelöst, dass Sie der Allgemeinheit in irgendeiner Weise etwas zurückgeben müssen", begründete der Richter die entsprechenden Arbeitsauflagen.

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