Die Liebe zur Kunst und zur Chancengleichheit

Die Kunst ist ihr ständiger Begleiter: Für den neuen Schulungsraum hat Eva Maria Roer, Geschäftsführerin von DT & Shop im Gewerbegebiet Mangelsfeld in Großenbrach, acht Künstlerinnen beauftragt, Werke zum Thema Weiblichkeit zu gestalten.
Die Kunst ist ihr ständiger Begleiter: Für den neuen Schulungsraum hat Eva Maria Roer, Geschäftsführerin von DT & Shop im Gewerbegebiet Mangelsfeld in Großenbrach, acht Künstlerinnen beauftragt, Werke zum Thema Weiblichkeit zu gestalten. Foto: Ursula Lippold

Die Devise von Eva Maria Roer klingt einfach: Man muss sich von traditionellen Unternehmensstrukturen lösen und mutig neue Wege beschreiten. Dass dies nicht immer einfach umzusetzen ist, musste die frühere Unternehmerin des Jahres in den dreieinhalb Jahrzehnten, die ihre Firma DT & Shop besteht, immer wieder feststellen. Ein Gespräch über Erfolge, Risiken, die aktuelle Entwicklung und die Zukunftsaussichten des Unternehmens.

Frage: Zwischen 1978, dem Gründungsjahr Ihres Unternehmens, und 2013 liegen 35 Jahre. Wie würden Sie mit prägnanten Stichworten diese dreieinhalb Jahrzehnte in Fünf-Jahres-Intervallen beschreiben?

Eva maria Roer: Zuerst war da Wut, Energie und kompensiertes Fachwissen. Dann kamen wachsende Kompetenzen und wachsendes Vertrauen der Banker. Drittes Intervall: Beginn der internationalen Ausrichtung. Viertes Intervall: Aktive Bearbeitung der europäischen Märkte mit eigenen Tochtergesellschaften und länderspezifischen Katalogen. Fünftes Intervall: Die digitale Revolution erreicht die Laborproduktion. Sechstes Intervall: Erschließung weiterer Märkte auch außerhalb von Europa, Verstärkung der Exportaktivitäten. In den letzten fünf Jahren ist die Digitalisierung global geworden und damit verbunden uneingeschränktes Reisen.

War Kundengewinnung damals leichter als heute?

Roer: Die Kundentreue war vor 35 Jahren stärker ausgeprägt als heute. Auch spielten Preispolitik und Rabatte eine geringere Rolle. Die Märkte waren stabil. Heute werden Botschaften übers Internet verbreitet und die technischen Möglichkeiten haben die Märkte verändert.

Sie setzten von Anfang an auf Frauen in Ihrem Unternehmen. Warum?

Roer: Es gibt zwei Dinge, die ich liebe: Kunst und Chancengleichheit. Als ich in Vancouver Volkswirtschaft studierte, war ich damals die erste und einzige Frau. Das hat mich geprägt.

Sind die Frauen bei DT & Shop heute immer noch in der Überzahl?

Roer: Zwei Drittel sind Frauen. Die Tendenz geht aber zur Hälfte.

Was ist Ihr Erfolgsgarant?

Roer: Sich täglich ernsthaft in Frage zu stellen. Was heute richtig ist, kann morgen falsch sein. Ich probiere Dinge aus, ohne zu wissen, ob es geht. Zum Beispiel kaufte ich 2009 einen digitalen Mundscanner für 30 000 Euro. Was kam raus? Nichts. Es war zu früh und zu teuer. Heute kosten sie die Hälfte und sind ausgereifter.

Wie würden Sie Ihre Unternehmensphilosophie beschreiben?

Roer: Miteinander zum Erfolg.

Spiegelt sich das in der Architektur der Firmengebäude wider?

Roer: Architektur gehört dazu. Mir ist sehr wichtig, das Arbeitsumfeld räumlich und ideell so zu gestalten, dass man gerne dorthin geht.

2012 investierten Sie eine halbe Million Euro?

Roer: Ja, in einen Anbau an die Fräsabteilung und einen Schulungsraum mit 20 Plätzen für Techniker. Derzeit wird für die Fortbildung eine Referentendatei aufgebaut. Außerdem habe ich ein Kunstprojekt für diesen Raum ausgeschrieben. Acht Künstlerinnen – vier Deutsche, zwei Kanadierinnen, eine Südafrikanerin und eine Vietnamesin – haben zum Thema „Weiblichkeit“ großformatige Kunstwerke angefertigt. Die werden bald die Wände schmücken.

Planen Sie 2014 weitere Bauprojekte?

Roer: Nein, nichts Konkretes.

Was umfasst Ihre Produktpalette?

Roer: Wir beliefern keine Zahnärzte, wie irrtümlicherweise oft geglaubt wird, sondern zahntechnische Labors mit Material und Geräten. Da sind wir führend in Europa. Das Unternehmen hat 14 Tochtergesellschaften.

Bundesverdienstkreuz, Staatsmedaille, Verdienstorden und Qualitätspreis des Landes Bayern sind nur einige Auszeichnungen, die Sie bekommen haben. Was bedeuten diese Ehrungen für Sie?

Roer: Der bayerische Verdienstorden ist das schönste, denn den haben maximal 2000 lebende Personen. Ansonsten freue ich mich über die Anerkennung, es ist Ermutigung.

2006 engagierten Sie sich im Innovationskreis für berufliche Bildung in Deutschland unter Vorsitz der damaligen Bundesforschungsministerin Anette Schavan. Gibt es das Gremium noch?

Roer: Nein, das war befristet. Jetzt bin ich als Gutachterin für Kompetenzentwicklung in einer alternden Gesellschaft tätig, ebenfalls beim Bundesforschungsministerium angesiedelt. Gutachter aus Wissenschaft und Wirtschaft benoten 170 Projekte, die dann entsprechende Zuschüsse bekommen.

Apropos Alter, Sie werden nächstes Jahr 70. Denken Sie an einen Rückzug aus Ihrem Unternehmen?

Roer: Ich kann mir vorstellen, dass ich in zwei Jahren Teilzeit arbeite und Lieblingsprojekte begleite. Wegen meiner Nachfolge bin ich in konkreten Gesprächen.

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