OBERBACH

Die Tschernobyl-Ikone

Die Ikone zum Gedenktag von Tschernobyl: gemalt von der Bad Brückenauerin Maria Schramm. Foto: Johanna Kellermann

(jok) Bis zum 15. Mai können die Besucher im Haus der Schwarzen Berge in Oberbach meisterlich gemalte Ikonen von Maria Schramm aus Bad Brückenau bewundern. „Ikonen sollen als Fenster zur Ewigkeit betrachtet werden“, sagt sie. Über die Jahre hat sie sich ein fundiertes Wissen über die Ikonenmalerei der Ostkirchen erworben.

Studienaufenthalte in Russland, Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Zypern halfen ihr, tief in die Thematik dieser religiösen Bilder einzusteigen. Mit Hilfe der Darstellungen in Ikonenbüchern fing sie bereits vor rund 25 Jahren an, sich mit der speziellen Wiedergabe der Gottes- und Heiligenbilder zu beschäftigen. „Glücklich war ich aber erst, als ich in einer sehr guten Ikonen-Kunstschule eine gründliche Ausbildung erfahren durfte. Seither ließ mich die Ikonenmalerei nicht mehr los“, berichtet sie.

Es gibt eine Ikone von ihr, die aus dem Rahmen fällt. Ja, sie erschreckt geradezu in ihrer dramatischen Aktualität. Denn ganz ungewohnt für die nach jahrhundertealten festen Regeln gemalten Ikonen sieht man im Hintergrund das brennende Atomkraftwerk von Tschernobyl. Brandrot ist der Himmel. Ein kahler Baum reckt schwarze Äste empor.

Im Bildvordergrund aber ist Jesus zu sehen, in der traditionellen Weise gemalt. Er ist es, der Trost und Hilfe den kranken und verletzten Kindern spendet, die um ihn versammelt sind. „Diese Darstellungsweise ist vom ,Heiligen Synod‘, der obersten Instanz der orthodoxen Kirche, gebilligt“, berichtet Maria Schramm. Die Reaktor-Katastrophe jährt sich heuer zum 25. Mal. In Russland wurde ein eigener Gedenktag dafür eingerichtet. „Und speziell für diesen Gedenktag gibt es nun dieses Bild“, so Schramm.

„Ikonen sind Heiligenbilder der Ostkirchen“, sagt die Malerin. Sie haben dort für die Theologie und die Spiritualität eine sehr große Bedeutung“, sagt sie. „Sie sind in erster Linie Kultbilder und haben ihren Platz in der Liturgie.“ Der Ikonenmaler muss das Urbild, das in der Tradition vorgegeben ist, nachbilden. „Es gibt hier keine freien Spielräume für eigene Fantasien“, erläutert sie.

„Die Blütezeit der Ikonenmalerei in Russland war vom 14. bis zum 16. Jahrhundert“, berichtet Schramm. Aus dieser Periode stammen auch die meisten Vorbilder ihrer Arbeiten. Hauptthemen sind Christus, die Gottesmutter, Engel, Heilige und Festtags-Ikonen.

Ikonenmalerei ist sehr aufwändig. Schramm stellt die speziellen Farben selbst aus Farbpigmenten und Eigelb her. Als Malgrund dienen Holztafeln. Je nach Größe und Vielfalt des Dargestellten dauert es Monate, bis eines der Kunstwerke vollendet ist. Das Besondere an den Kultbildern ist dann die Vergoldung. „Meist verwende ich Blattgold.“ Auch das müsse handwerklich einwandfrei gemacht werden. „Gold ist die Farbe des Göttlichen – göttliches Licht umfließt den, der in der Geborgenheit Gottes lebt“, so Schramm. Kleine Texte in kyrillischer Schrift auf den Ikonen nennen die Heiligen oder die dargestellte Situation.

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