BAD KISSINGEN

Einzelhändler klagen über magere Umsätze

Anlass zur Sorge? Eine Gruppe von Bad Kissinger Einzelhändlern klagt über mangelnde Umsätze. Foto: Siegfried Farkas

Hat die Bibel recht? Folgen auf sieben magere Jahre wieder sieben fette Jahre? Mit dieser Hoffnung leben zumindest einige Bad Kissinger Einzelhändler und Gastronomen, die momentan über magere Umsätze klagen. Im Gespräch mit der Main-Post nennen sie Gründe und geben Tipps, wie es besser werden könnte.

Früher sei alles besser gewesen, sagt Uhren- und Schmuckhändler Andreas Kessel. Im 19. Jahrhundert seien Kaiser, Könige und Hochadel gekommen, im 20. Jahrhundert das wohlhabende Bürgertum. Heute kämen nur noch Arbeiter und Kleinbürger mit zu wenig Kaufkraft. Viele Kliniken seien sogar zu 15 bis 20 Prozent mit Hartz-IV-Empfängern belegt. „Was können wir da erwarten?“

Wenn auch die Gästezahlen und die Übernachtungszahlen gestiegen seien, ergänzt Herrenausstatter Jochen Heimansberg, dürfe dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach Schließung vieler Privatsanatorien und Hotels – er spricht von etwa 1600 Zimmern – die kauflustigen Gäste, früher im 14-tägigen Wechsel gekommen, jetzt weggebrochen seien. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“

Klinikpatienten kein Ersatz

Klinikpatienten seien für Einzelhandel und Gastronomie kein Ersatz, da diese im eigenen Haus vollverpflegt und ganztags beschäftigt würden. Im Gegenteil, unterstreicht Gastronom Emmanuel Papadopoulos. Mit eigenen öffentlich zugänglichen Restaurants und Angeboten unter dem Marktpreis nähmen diese Häuser der heimischen Gastronomie sogar noch Gäste weg.

Stadt und Staatsbad GmbH hätten es außerdem nicht verstanden, mehrtägige Großkongresse mit jeweils etlichen hundert Teilnehmern am Standort zu halten. Gerade die Tagungen des Beamtenbundes, der Rewe-Verkaufsleiter oder des Outdoor-Ausrüsters Jack Wolfskin hätten viele kaufkräftige Kunden in die Stadt gebracht. Zum Festival Kissinger Sommer kämen zunehmend Gäste nur aus der Region. „Die trinken nichts, die essen nichts, die übernachten hier nicht.“

Falsche Verkaufspolitik

Falsche Verkaufspolitik wirft Papadopoulos den Festival-Machern vor. Zum Biathlon-Weltcup in Oberhof gebe es anfangs die Tickets nur mit Hotelübernachtung, weiß er zu berichten. Auch beim Kissinger Sommer sollten die Tickets bis April nur an Hotelübernachtungen gekoppelt sein. „Top-Tickets nur für Top-Hotels.“

„Alle müssen an einem Strang ziehen”, versucht Ralf Ludewig als Kreisvorsitzender des Einzelhandelverbandes eine Lösung für aktuelle Probleme zu finden. Vermieter müssten den Einzelhändlern entgegenkommen und dürften keinesfalls die Miete erhöhen. Er wisse von drei Hausbesitzern, die die Miete sogar herabgesetzt hätten, in der Hoffnung, den guten Mieter bis in bessere Zeiten halten zu können. Sonst bestehe die Gefahr, dass privat geführte Einzelhändler durch Filialisten vertrieben würden.

Kaufkraftmehrung erwartet Damen-Ausstatter Rainer Rockenmaier von offensiverer Standortwerbung und durch Aufhebung der Kurzonensatzung. Er werde oft von Gästen nach seniorengerechten Wohnungen im Zentrum gefragt. „Die Stadt ist zu Tode beruhigt“, wirft Kessel ein. Auch habe man zu lange auf die „Monokultur Kur“ gesetzt.

Eine zusätzliche, wirklich existenzbedrohende Gefahr sieht Heiko Grom durch die Umgestaltung der Fußgängerzone. Er fordert eine frühzeitige und umfassende Kommunikation mit der Stadtverwaltung. Die Einzelhändler müssten sich strategisch und organisatorisch auf die Baustelle vor der Tür vorbereiten können. „Der Handel braucht zehn Monate Vorlauf.“

Droht Bad Kissingens Einzelhandel und Gastronomie also das Aus? Grom und Ludewig blicken noch immer zuversichtlich in die Zukunft. Es habe in den vergangenen Jahren viele Neuansiedlungen und kaum Leerstände gegeben. Solange Filialisten sich am Standort Bad Kissingen ansiedelten, meinen beide, sei die Welt noch in Ordnung. „Es gibt Standorte, da will überhaupt niemand mehr hin.“ Gastwirt Peter Rößner (Weinstube Hofmann) stimmt zu. Filialisten würden den Markt ganz genau prüfen. „Die setzen heute nur auf sichere Pferde.“

Wandel in der Hotellerie

„Handel ist Wandel“ sieht Ludewig als Ursache für die aktuelle Schwäche. 1996 sei es die Gesundheitsstrukturreform gewesen, heute sei es der Wandel in der Hotellerie. Es kämen auch wieder bessere Zeiten. Man müsse noch fünf Jahre warten, bis – hoffentlich – der Fürstenhof und das Kurhaushotel als Luxusherbergen neu aufmachen. Mit guten Gästen käme auch wieder gute Kaufkraft. Kommen dann die sieben – oder hoffentlich sieben mal sieben – fetten Jahre?

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