SULZTHAL

Eklat um den Sulzthaler Dorfplatz

Disput um Dorfplatz: Keine Einigung gab es zwischen Gemeinderat und Vereinsring über den Pachtvertrag für die Gebäude auf dem neuen Dorfplatz. Foto: Charlotte Wahler

Mit einem Eklat endete am Montagabend die gemeinsame Sitzung des Sulzthaler Gemeinderats mit den Vertretern des Vereinsrings. Bürgermeister Konrad Weingart schloss die Sitzung, obwohl wesentliche Punkte noch gar nicht diskutiert worden waren. Streitpunkt war der Pachtvertrag, mit dem der Vereinsring die neuen Gebäude am Dorfplatz verwalten soll.

Man wolle heute ja gar nicht um Beträge sprechen, sondern nur um die Handhabung der neuen Gebäude, sagte Weingart. Der Entwurf sei sehr stark an den Vertrag für die Mehrzweckhalle angelehnt, dieser habe sich seit 1984 bis heute bewährt.

Gemeinderat Franz Diez machte darauf aufmerksam, dass auch die Gaskosten mit einbezogen werden müssten. Gabriele Dehmer stellte Überlegungen an, wie der Stromverbrauch sinnvoll abgelesen werden könnte. Weingart wies darauf hin, dass man nicht für jede Verbrauchsstelle einen Zähler extra einbauen könnte. Der Vertrag sei für drei Jahre angesetzt, danach könne man noch einmal verhandeln, so Weingart.

Da stellte sich jedoch heraus, dass der Vereinsring in einem Schreiben an das Ratsgremium die Pacht für die Dorfplatzgebäude generell in Frage gestellt hatte. Weingart hatte den Brief jedoch nicht an seine Räte weitergeleitet. Er habe zuerst über die Formulierungen des Pachtvertrages diskutieren wollen, versuchte er sein Vorgehen zu erklären.

Sichtlich betroffen reagierte das Gremium angesichts der neuen Situation. Man habe doch das Versorgungsgebäude allein für den Vereinsring in dieser Größe gebaut und sich doch weitgehend an die Vorschläge und Planentwürfe des Vereinsringes gehalten, hieß es. Ralf Ruppert verwies auf die gemeinsamen Planungen über fünf Jahre hinweg.

Helmut Keller versuchte für den Vereinsring zu erklären, warum man die Pacht in Frage stelle. So seien mit dem Gruppenraum und dem Backofenraum weitere Gebäudeteile dazugekommen, die verwaltet werden müssten. Dabei werde der Vereinsring, der sich nur mit den Faschingsveranstaltungen trage, den Dorfplatz selbst kaum nutzen, so dass der Aufwand für die Verwaltung des Platzes zu groß sei. Hinzu komme, dass im nächsten Jahr beim Vereinsring ein neuer Vorstand gewählt werde. „Wer macht denn noch Vorstand, wenn er so viel an der Backe hat?“, befürchtet Keller, dass man keinen Verantwortlichen mehr finden wird.

Die Gemeinde könne die Verwaltung der Gebäude kaum übernehmen, stellte Weingart klar. „Ich wünsche mir, dass der Vereinsring weiterhin bei der Gestaltung des Gemeindelebens mitwirkt!“ Jedoch klang es fast wie eine Drohung, als er sagte, dass er andernfalls die Kosten für die Nutzung der Mehrzweckhalle, die die Gemeinde den Vereinen „für fast geschenkt“ überlasse, von der Verwaltung neu berechnen lasse. Seit 1984 seien die Preise von der Gemeinde nicht erhöht worden. „Aus organisatorischen Gründen sollten Mehrzweckhalle und Dorfplatz gemeinsam gemanagt werden, auch aus finanziellen Gründen.“

Für nicht förderlich hielt Franz Diez diese „Kostensteigerungsdebatte“. Er verwies darauf, dass der Dorfplatz öffentlich sei und von jedem genutzt werden könne, man müsse gemeinsam eine Möglichkeit finden. Michael Schmitt gab zu bedenken, dass man hier zwar ein sehr schönes Spielfeld für die Gemeinde gebaut habe, „aber was machen wir, wenn wir niemanden haben, der das Gelände bespielt?“ Am besten wäre es, abzuwarten, was die Neuwahlen im kommenden Jahr für die Gemeinde und den Vereinsring bringen, meinte er. Wie solle man überhaupt in dieser Situation über weitere Ausgaben für den Gruppenraum abstimmen?

Grundlegende Entscheidungen sollten vorher fallen, hieß es jedoch. Vor allem die Einrichtung des Gruppenraums sei notwendig. Dieser soll für 32 Personen nutzbar gemacht werden. An einen Holzofen in der Mitte des Raumes schließt sich laut Plan eine Küchenzeile nach hinten zur Rückwand und nach rechts an. Hängeschränke sollen eine Grundausstattung an Geschirr beinhalten.

Die Küchenzeile könne auch als Stellfläche für ein Festbuffet genutzt werden, so Klaus Dennstädt, der die Gestaltung des Raumes entworfen hat. Im vorderen Bereich sollen Sitzplätze an Tischen mit unterschiedlichen Größen ermöglicht werden, so dass die Anordnung variabel gestaltet werden kann. Stapelbare gepolsterte Stühle sollen angeschafft werden. Das Gremium überlegte, ob es diese Ausgaben überhaupt tätigen sollte, wenn der Vereinsring keine Verantwortung übernehmen wolle.

Reinhold Moritz machte darauf aufmerksam, dass am Platz ein voll eingerichtetes Versorgungshaus existiere, da könne man das Geschirr auch von dort holen. Der Raum werde voraussichtlich sowieso eher von privaten Gruppen genutzt werden. In vier Monaten soll auf dem Platz das erste Fest abgehalten werden. Die Einweihung des Platzes soll am 21. Juli stattfinden.

Eine Grundausstattung mit Gläsern und Tassen sollte vorhanden sein, empfahl Dennstädt. Diese werde rund 9000 Euro kosten. Dieses Vorhaben beschloss das Ratsgremium dann doch einstimmig.

Gabi Dehmer bedauerte, dass man sich in diesen Fragen nicht früher mit dem Vereinsring zusammengesetzt hat. Es wisse heute kein Mensch, wie der Platz genutzt werde, so Diez. Weingart warf ein, dass auch bei der Mehrzweckhalle vom „Millionengrab“ gesprochen worden sei und dass sie hervorragend genutzt werde. Dennstädt meinte, dass der Platz eine „total attraktive Dorfmitte sein wird, der Zuspruch wird viel größer sein und damit wird sich auch ein größerer Ertrag für die Vereine ergeben“.

Weingart wollte dann noch gerne über strittige Punkte des Pachtvertrags diskutieren, dem schloss sich die Versammlung jedoch angesichts der Umstände nicht an. Als der Bürgermeister dann noch über den Schließplan diskutieren wollte, den er an sein Gremium ebenfalls nicht ausgehändigt hatte, war an eine sinnvolle Amtsausübung des Gremiums nicht mehr zu denken. So schloss Weingart über dem Stimmengewirr die Sitzung.

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