Bad Kissingen

Unglück an A7 bei Werneck: Rätsel um Einsturz der Schraudenbach-Brücke

Der Einsturz der Schraudenbach-Brücke an der A7 bei Werneck wirft viele Fragen auf. Folgen für den Neubau der Klöffelsbergbrücke gibt es bisher nicht.
Die Luftaufnahme vom 15.06.2016 zeigt die Unfallstelle am Ersatzneubau der Talbrücke Schraudenbach der Autobahn 7 (A7) bei Werneck (Bayern). Dort war bei dem Einsturz eines Brückenneubaus ein Arbeiter getötet worden, mehrere wurden schwer verletzt. Foto: Hajo Dietz/dpa
Die Luftaufnahme vom 15.06.2016 zeigt die Unfallstelle am Ersatzneubau der Talbrücke Schraudenbach der Autobahn 7 (A7) bei Werneck (Bayern). Dort war bei dem Einsturz eines Brückenneubaus ein Arbeiter getötet worden, mehrere wurden schwer verletzt. Foto: Hajo Dietz/dpa
Im Juli 2015 war Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) schon einmal an der Schraudenbachbrücke. Zum Spatenstich. Einen "unfallfreien Bauverlauf" wünschte sie damals. Das sei zwar keine bloße Floskel, sagt sie im Nachhinein, aber an schwere Unfälle denke sie bei solchen Anlässen nicht: "Ich hoffe halt, dass sich keiner was bricht."


Ein Toter und 14 Verletzte ist die traurige Bilanz des Unfalls

Seit dem Teil-Einsturz der Brücke am Mittwoch mit einem Toten und 14 - zum Teil lebensgefährlich - Verletzten ist ihr klar, dass aber auch mehr passieren kann. "Das war ein extrem schlimmer Anblick", fasst sie ihre Eindrücke vor Ort zusammen: Im Auftrag von Bundesverkehrsminister Dobrindt informierte sie sich drei Stunden lang direkt vor Ort.

Vom Kran aus verschaffte sich Bär einen Überblick über die Unfallstelle. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt die Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium.

In ihrem Haus sei bislang auch kein ähnlicher Fall bekannt, obwohl es derzeit hunderte Brücken-Baustellen in Deutschland gebe. Das Bauverfahren sei eigentlich bewährt, auch die Baufirma sei bekannt. Nach Informationen der Redaktion handelt es sich um die Firma, die zwischen 2009 und 2013 die neue, 61 Millionen Euro teure Sinntalbrücke baute.


Warten auf die Ermittlungen

"Wir müssen jetzt abwarten, was Polizei und Staatsanwaltschaft sagen", verweist Bär auf die laufenden Ermittlungen. Davon hänge ab, ob es Konsequenzen für andere Baustellen gibt, und wann es an der Schraudenbach- Brücke weitergeht.

Der Verkehr auf der A 7 ist dadurch nicht beeinflusst, weil die 50 Jahre alte Brücke neben der Unfallstelle unbeschädigt blieb. Noch am Abend sei eine Sachverständige aus Weimar einbezogen worden, auf ihre Ergebnisse will auch Bär warten: "Wir sollten keine Spekulationen in die Welt setzen."


Einsatzkräfte aus dem Kreis

Bei allem Leid gebe es auch einen positiven Aspekt: "Trotz aller Dramatik ist es beeindruckend, wie professionell die Rettungskräfte arbeiteten", würdigt Bär die Arbeit der Helfer. Unter ihnen waren auch Rot-Kreuzler aus dem Landkreis Bad Kissingen: "Die Bergwacht Oberbach, der Einsatzleiter Bergwacht Rhön sowie die Rettungshundestaffel des BRK Bad Kissingen waren im Einsatz", berichtet der Leiter Einsatzdienste, Rudolf Baier, und: "Die Bergwacht hat eine spezielle Drohne und eine Wärmebildkamera zur Erkundung aus der Luft." Unter den Rettungshunden waren zwei speziell ausgebildete Trümmersuchhunde.

Bei der Autobahndirektion ist Abteilungsleiter Hartmut Metz für die Brückenbaustellen zuständig. Der Katzenbacher hat als Bauleiter beim Neubau der Sinntalbrücke viel Erfahrung gesammelt. Zu den Unfallursachen bei der Schraudenbach-Brücke darf er sich nicht äußern, aber eines sei klar: "Die Arbeiten an allen anderen Brückenbauwerken gehen ganz normal weiter." Insbesondere für die weiter nördlich gelegene Klöffelsbergbrücke bei Langendorf gebe es keine Auswirkungen: "Dort kommt ein ganz anderes Verfahren zum Einsatz." Die Brücke wird abschnittsweise auf einem der Widerlager betoniert und dann übers Tal geschoben. Im August komme der erste Strang auf der anderen Seite an, bis Jahresende soll der Verkehr darüber rollen.

Rückblick

  1. Brückeneinsturz: Angeklagte weisen jede Schuld zurück
  2. Brückeneinsturz an der A7: Drei Ingenieure angeklagt
  3. Letzte Etappen für Schraudenbachbrücke
  4. Jahresrückblick: Anklagen wegen Brückeneinsturzes
  5. Schraudenbach-Brücke: Anklage erhoben
  6. Brückeneinsturz: Ermittlungen beendet
  7. Schraudenbach: Erster Brücken-Zwilling fertig
  8. Schraudenbach-Brücke: Einsturzursache steht fest
  9. Ein Jahr nach dem Brücken-Einsturz
  10. Warten aufs Gutachten zum Schraudenbach-Unglück
  11. Erhöhte Sicherheit an A 7-Baustelle
  12. A7-Brücke: Beton fließt ins erste Teilstück
  13. Jahresrückblick: Teile von Autobahnbrücke eingestürzt
  14. Neues Traggerüst an der A7-Brücke
  15. Schraudenbachbrücke: An Rest-Brückenteilen wird weitergebaut
  16. Nach Schraudenbach-Unglück: Der erste Schritt zur neuen Brücke
  17. Neue Arbeiten an der A 7-Brücke verzögern sich
  18. Nach Unglück: Bau an Schraudenbach-Brücke geht weiter
  19. Wieder freie Fahrt auf der Kreisstraße SW 12
  20. Brückeneinsturz: Alle Beweise gesichert
  21. Schraudenbach-Brücke: Stein für Stein zur Unglücksursache
  22. Brückeneinsturz: Jetzt beginnt die Detektivarbeit
  23. Ein Fehler passiert oft nicht allein
  24. Brückeneinsturz: War der Beton zu schwer?
  25. Schock nach dem Brücken-Einsturz
  26. Rätselraten über Brückenbruch
  27. Im Einsatz gegen das Entsetzen
  28. Kreissstraße wegen Brückenunfall gesperrt
  29. Unglück an A7 bei Werneck: Rätsel um Einsturz der Schraudenbach-Brücke
  30. Bauarbeiter stürzten mit der neuen Fahrbahn in die Tiefe
  31. A7-Baustelle: Brückenteil stürzt in die Tiefe
  32. Die neue Brücke wächst

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