Poppenlauer

Frisches Blut für Dracula

Was hat der transsylvanische Graf mit den Poppenläurer Milchhansköppern zu tun? Wer's genauer wissen will, muss im Juli zu den Festspielen gehen.
Im Schrimpf'schen Schlossgarten wird schon fleißig geprobt, denn im Juli stehen bei den Poppenläurer Festspielen wieder sechs Aufführungen auf dem Programm. Foto: Isolde Krapf

Noch ist die Bühne im Garten des Schrimpf'schen Schlosses verwaist. Niemand treibt sich vor der Kulisse des "Gasthaus zum Heinz" herum. Immerhin deutet ein großes quadratisches Holzgestell in der Mitte des Holzpodiums an, dass hier die Bühnenarbeiten für das Sommertheater 2019 schon begonnen haben. Gerd Pfister kehrt im Vordergrund erst mal den Bühnenboden von Blättern und Staub frei, denn jetzt wird gleich in Kostümen geprobt. Die Darsteller des neuen Stücks "Dracula – Sippschaft mit Biss" sind gerade dabei, sich nebenan im Untergeschoss des Schlosses in Schale zu werfen und sich zu schminken.

Da kommt auch schon der blutrünstige Graf Dracula im hochherrschaftlichen Gewand hereingefegt, gefolgt von seiner temperamentvollen und bissfreudigen Gattin. Jürgen Bartenstein hat seine Rolle als transsylvanischer Adliger schon verinnerlicht. Wenn er mit wild aufgerissenen Augen und pathetischer Geste die "Blut-Dürre" im heimatlichen Schloss beklagt, ist der Zuschauer gleich voll dabei. Inge Hochhaus wird vermutlich in jeder Theaterrolle glänzen. Sie hat's einfach im Blut - den richtigen Augenaufschlag hin zum Gatten, die passende theatralische Körperhaltung, das angemessen spritzige Mundwerk.

Von Töchtern, Enkelinnen und braven Dienern

Aber auch die anderen Mitglieder der Dracula-Sippschaft haben ihre Rollen schon ganz gut drauf: Opa Dracula (Hans Dümpert) versucht verzweifelt, sich umzubringen. Doch bei bei einem Vampir klappt das nicht so mühelos. Dann ist da noch Elke Thomas, die als Grafentochter Aorta auftritt und die Zuschauer durchs Programm führt. Nicht zu vergessen Malina Wenzel und Lisa Schüller, die Enkelinnen des Grafen, die mit sichtlichem Feuereifer bei der Sache sind. Gesichtet wird auch Diener Igor (Armin Schüller), der heimlich in des Grafen Tochter Anämia verknallt ist.  Und dann wird's später spannend, als Vampirjäger Van Helsing mit seinem hölzernen Kruzifix wedelt, um dem Grafen den Garaus zu machen. Doch der muss natürlich noch bis zum Ende des Stücks dabei bleiben.

Die im wahrsten Sinne des Wortes bissige Komödie in zwei Akten stammt vom österreichischen Autor Uli Bree und wurde von den Regisseuren Udo Hochrein, Gerd Pfister und Carolin Köth in mühevoller Kleinarbeit zunächst gekürzt und dann natürlich ein bisschen mit Poppenläurer Ortsgeschehen gewürzt. Soviel darf man vielleicht verraten: Der Dorfplatz und das mangelhafte Pflaster in einer gewissen Ludwigstraße spielen eine Rolle und es gibt ein Wiedersehen mit den Nachfahren der Dorffamilien Köpper, Hansköpper und Milchhansköpper. Zudem sind auch einige Lieder im Stück nach Popppenläurer Begebenheiten umgeschrieben.

Van Helsing und Dracula: Wenn Vampire ein Kruzifix sehen, wird's kritisch. Foto: Isolde Krapf

Ein roter Faden und 40 Akteure

Im Januar 2019 stand zwar fest, welches Stück gespielt wird, aber der Verlauf der Geschichte war noch etwas nebulös, gesteht Hochrein. "Jetzt haben wir einen roten Faden, der sich durch das Stück zieht. Zwei neue Szenen kamen dazu und wir haben auch zwei neue Figuren mit reingenommen", beschreibt der Hauptregisseur die Entstehungsgeschichte des neuen Sommerstücks. "Mit dem Chor und den Gardemädchen sind wir nun knapp 40 Akteure."

Wie das nun beim Spielen mit den künstlichen Dracula-Gebissen funktioniert, wird sich zeigen, meint Hochrein. Denn so leicht ist das gar nicht, mit geklebtem Plastik im Mund eine Sprechrolle so auszufüllen, dass man vom Publikum auch verstanden wird. „Wir haben ein Sammelsurium von Gebissen angeschafft." Im Prinzip müsse jeder selbst wissen, ob er sich die großen Beißer in den Mund klemmt, sagt Hochrein. Denn die Chormitglieder könnten mit einer solchen Mundklemme unmöglich singen und die Gardemädchen verlieren sie womöglich, wenn sie auf der Bühne tanzen.

Als Opa einer Dracula-Familie (rechts) zu sterben, fällt schwer. Foto: Isolde Krapf

Da heißt es flexibel sein. "Da werden wir die Zähne lieber mit Farbe im Gesicht anschminken." Ein paar Darsteller wollen sich das Vampir-Gebiss bei ihrem Auftritt allerdings nicht nehmen lassen. Opa Dracula zum Beispiel weiß, dass er als schwarze Gestalt mit dem weißen Gebiss für die Zuschauer wahrscheinlich recht markant rüberkommt.

Vampire mal hautnah erleben

Wenn man die Darsteller so agieren sieht, kann man sich schon recht gut vorstellen, dass sie die Gäste bei den sechs Vorstellungen im Juli mit ihrem unheimlichen, aber auch lustigen Gebaren in den Bann ziehen werden. Schließlich sind sie ja keine Anfänger mehr. Und Vampire faszinieren die Menschheit sowieso, sei es weil sie Blut trinken oder unsterblich sind. Denn wer hat nicht schon mal heimlich davon geträumt, wie es wäre, ewig auf dieser schönen Welt zu sein.

Insofern werden die Theatergäste mitgehen, wenn Graf Dracula auf seinem hochherrschaftlichen Besitz in Transsylvanien verzweifelt nach Möglichkeiten sucht, an frisches Blut zu kommen, denn im ganzen Land herrscht Blutarmut. Da hat die gräfliche Familie eine zündende Idee: Man will den Opa, den eigentlichen Schlossherren, für tot erklären, um den testamentarischen Erben, einen gewissen Willi Turteltaub, mitsamt seinem Gefolge aus dem fernen Poppenlauer herbeizulocken – und sich dann an ihm und den Seinen gütlich tun. Wohl bekomm's!

Infos unter www.festspiele-poppenlauer.de. Der Vorverkauf beginnt am 2. Mai bei Getränke Bieber, Telefon (0 97 33) 92 98. Vorstellungen sind am 12., 13., 14., 19. und 21. Juli um 19.30 Uhr. Besonders lauschig wird’s bei der Nachtvorstellung am 20. Juli um 22 Uhr.

Schlagworte

  • Poppenlauer
  • Isolde Krapf
  • Autor
  • Chormitglieder
  • Chöre
  • Dracula
  • Enkel
  • Gräfinnen und Grafen
  • Nachkommen
  • Schauspieler
  • Töchter
  • Vampire
  • Österreichische Schriftsteller
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!