Fuchsstadt

Fuchsstädter bei der Fliegerstaffel der hessischen Polizei

René Gerner aus Fuchsstadt ist technischer Betriebsleiter der Fliegerstaffel der hessischen Polizei in Egelsbach. Foto: Wolfgang Dünnebier

Die drei Hubschrauber vor dem Hangar strahlen mit der Herbstsonne um die Wette. Und auch der 1. Polizeihauptkommissar René Gerner strahlt bei diesem Anblick geballter Technik. Er kennt jeden Millimeter "seiner" Maschinen. Der Fuchsstädter pendelt regelmäßig über die Landesgrenze an seinen Arbeitsplatz.  

"Es ist ein Traumjob", schwärmt er. Beim Gang um die Maschinen fällt ihm zu jedem Detail etwas ein. Zur Farbauswahl an der Kabine in schickem Weiß und Metallicblau, zur Verankerung der Wärmebildkamera an der Kufe unter dem Cockpit, zum Arm der Seilwinde für die Personenrettung oder zur Konfiguration der Sitze im Inneren. Manches zur Optimierung der Missionsausrüstung hat Gerner mit erdacht.           

Sicherheit ist oberstes Gebot

"Sicherheit geht über alles", beschreibt der 48-Jährige das Arbeitsmotto von sich und seinen 51 Kollegen auf der Dienstelle. Der schon länger vereinbarte Besuch dieser Redaktion fand an einem ruhigeren Tag statt. Alles rund um Hangar und Werkstatt sieht nach konzentrierter Routine aus. Ein paar Kollegen bereiten sich auf Prüfungsflüge vor, mit denen sie jährlich nachweisen müssen, dass sie nichts von ihrem Flugtalent eingebüßt haben. Zwei Mechaniker des technischen Betriebes erledigen Wartungsaufträge.       

So ruhig ist es in der Dienststelle nicht immer. Stets startklar parkt mindestens einer der Hubschrauber tagsüber am Flugfeld. Jederzeit kann der Lautsprecher im Aufenthaltsraum einen Einsatz ankündigen. Binnen fünf Minuten kann dann eine Besatzung abheben. Auch nachts ist ein Team in Bereitschaft.     

Großes Aufgabenspektrum

Sorgen um das reibungslose Funktionieren der Technik kann bei dieser Anspannung niemand gebrauchen. Um jeden Zweifel zu nehmen, ist René Gerner mit seinem Wartungsteam da. Die Verantwortung ist groß, das Aufgabenspektrum vielfältig.         

Gerner ist unter anderem für die jährliche Prüfung der Lufttüchtigkeit der drei Hubschrauber und von einem Flächenflugzeug verantwortlich. Vergleichbar mit einem Auto beim TÜV werden die Maschinen dabei durchgeschaut, nur gründlicher. Samt einem Prüfungsflug. Alle 100 Flugstunden gibt es außerdem eine Kontrolle und alle 800 Flugstunden eine große Wartung.

Jeder dieser Schritte muss akribisch dokumentiert werden. So reiht sich in den Büros des technischen Betriebes Aktenordner an Aktenordner. Darin ist der Lebenslauf alle größeren Flugzeugteile samt der Wartung oder turnusmäßigen Erneuerung festgehalten.

Viele Dokumentationspflichten

Erst nach viel Papierkrieg geht es in die Luft. "Wegen dieser Vielseitigkeit liebe ich meinen Beruf", sagt Gerner. Seit 15 Jahren ist er technischer Betriebsleiter. Dass ihn sein Berufsleben zu den Polizeifliegern führt, hatte sich zunächst so nicht abgezeichnet. Der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker kam später im hessischen Polizeidienst bei einem Einsatz mit einer Hubschrauberbesatzung ins Gespräch. Die Leidenschaft war geweckt. Er bewarb sich auf eine Stellenausschreibung.

Es folgte jahrelange Weiterbildung. Der Lohn ist die tägliche Kurzweil, auch wenn er immer weniger zum Mitfliegen kommt. Hin und wieder springt er als Copilot ein. Am spektakulärsten sind seine Einsätze als Windenoperator. Wenn einer der Hubschrauber einen Verunglückten aus schwierigem Gelände rettet, steht der Polizist dazu in schwindelerregender Höhe außen auf der Kufe des Hubschraubers. Dort koordiniert er das Zusammenwirken des Piloten mit den beiden Leuten, die aus der Luft bis in eine Tiefe von 90 Metern abgelassen werden. Das wird auch in den Alpen geübt.

Die Kameras verschaffen den Hubschrauberbesatzungen einen großen Überblick. Foto: Wolfgang Dünnebier

Scharfe Bilder aus großer Entfernung

Doch die Polizeiflieger können viel mehr. Flüchtenden Tätern ist man mit dem Hubschrauber schnell auf der Spur. Unglaublich scharfe Aufnahmen liefert die 800 000 Euro teure Außenkamera in Echtzeit zur Auswertung auf die Monitore im Inneren. Tagsüber sind mit ihr Gesichter und Autokennzeichen bis auf eine Entfernung von gut 1300 Metern zu erkennen. Bei Dunkelheit bietet die Nachtsichtkamera wertvolle Eindrücke. 0,1 Grad Celsius Temperaturunterschied reichen, um einen plastischen Eindruck von Menschen, Landschaften und Gegenständen am Boden zu geben. Dank Einblendung der GPS-Daten kennt die Besatzung sogar Flurnamen und Hausnummern unter sich. Traurig enden manche der bis zu 500 Vermisstensuchen jährlich. Immer wieder müssen die fliegenden Polizisten den Bodenkräften einen Weg zu zu Suizidopfern weisen.

Bei den Objektschutzflügen am Frankfurter Flughafen gibt es spektakuläre Ausblicke. Foto: Wolfgang Dünnebier

Objektschutz am Flughafen Frankfurt 

Fast täglich startet außerdem ein Hubschrauber zu Objektsicherungsflügen. In einer Höhe von rund 300 Metern werden dabei Liegenschaften, wie der Rhein-Main-Flughafen, das US-Hauptquartier in Wiesbaden oder das inzwischen stillgelegte Kernkraftwerk Biblis aus der Luft auf unregelmäßige Annäherungen inspiziert. Wegen dem hohen Flugverkehrsaufkommen sind dafür enge Absprachen mit der Flugsicherung lebenswichtig.

Der technische Fortschritt bietet immer neue Möglichkeiten. So sind die Hubschrauber dank ihrer Übertragungsmöglichkeit von Live-Bildern mittlerweile Einsatzleitstellen aus der Luft. Etwa, nachdem Kräfte des Sondereinsatzkommandos an Tatorte geflogen worden sind. Zur Lagebeurteilung können Szenen direkt in einen Konferenzraum im Egelsbach übertragen werden.

All das hat seinen Preis. Der Leiter des technischen Betriebes verantwortet dazu nach seinen Angaben einen Etat für Wartung von 2,2 Millionen Euro pro Jahr und in den vergangenen Jahren alleine für Missionsausrüstung von fünf Millionen Euro.

Auch im Landkreis Bad Kissingen waren hessische Polizeihelikopter schon im Einsatz. Gerner erinnert sich an die Fahndung nach einem Banküberfall in Elfershausen. Geübt wurde auch schon auf den Truppenübungsplätzen, zuletzt in Wildflecken mit einer Wassertasche mit 800 Litern zur Waldbrandbekämpfung. Wer ein Faible für Fliegerei, Technik, Organisieren und Polizeiarbeit hat, sei an seiner Dienstelle auf dem richtigen Fleck, wirbt Gerner um Nachwuchs in seiner Dienststelle.

René Gerner hat auch vor, bei der Kommunalwahl 2020 in seinem Wohnort Fuchsstadt für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und eine eigene Liste für den Gemeinderat aufzustellen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit seiner besonderen beruflichen Aufgabe. Den Termin dafür hatten wir schon länger anvisiert.

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