BAD KISSINGEN

Führender Standort für mentale Gesundheit

Kuhnlein
Bad Kissingen will sich in Sachen Gesundheitstourismus neu positionieren: Mentale Gesundheit wird dabei zum Schwerpunkt. Foto: Archiv Siegfried Farkas

Wofür steht der Marktführer unter Deutschlands 350 Kurorten? „Bad Kissingen will sich positionieren als Standort für mentale Gesundheit und gesunden Lebensstil“, sagt Kurdirektor Frank Oette. Staatsbad GmbH und Stadt stellten am Montag vor, wie sich das Staatsbad künftig im Gesundheitstourismus vermarkten will. Das Profil als führender Anbieter für mentale Gesundheit soll geschärft werden. Bad Kissingen will so seinen Stellenwert als bekanntester Kurort Deuschlands festigen und international ausbauen.

„Der Tourismus und die Gesundheit sind die Kerneinnahmequellen dieser Stadt. Wir leben davon“, betont Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Um sich für die Zukunft erfolgreich aufzustellen, brauche es eine klare, moderne Ausrichtung. „Wir müssen sagen, wofür Bad Kissingen im Bereich Gesundheit steht.“ Die Stadt müsse zeitgemäß vermarktet werden, um vom verstaubten Großmutter-Image a la „Bad Kissingen? Hier war früher meine Oma immer zur Kur“ wegzukommen.

Die Neuausrichtung wurde vom Bayerischen Heilbäderverband (BHV) vor gut einem Jahr angestoßen. Der hat unter dem Namen Gesundes Bayern eine Offensive gestartet, um alle 70 Heilbäder und Kurorte des Freistaates als wichtige Tourismus-Säulen zu stärken.

Breite Zielgruppe ansprechen

In Bad Kissingen haben sich im Frühjahr unter anderem Experten von Staatsbad, Stadt, Kliniken, Hotels sowie die Beratungsfirma Project M zum Netzwerk Mentale Gesundheit und gesunder Lebensstil zusammengeschlossen. „Wir sind ein Gesundheitskompetenzzentrum, aber wir haben ein Manko“, fasst Oette die Ausgangslage zusammen. In Bad Kissingen werde eine breite medizinische Bandbreite abgedeckt, aber: „Wir haben nicht die Spitze in der Aussage, um uns richtig gut vermarkten zu können.“ Das Beratungsunternehmen hat in der Folge das therapeutische Spektrum von Kliniken, KissSalis-Therme sowie Hotels analysiert. Für Bad Kissingen gebe es eine Reihe von Angeboten, die als Kernkompetenz herausgestellt werden könnten, sagt Project M-Geschäftsführer Cornelius Obier. „Die mentale Gesundheit ist aber am besten geeignet“, erklärt er. Man biete Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und spreche eine große Zielgruppe an.

Im Wesentlichen geht es um das Erlernen von Resilienz, also von psychischer Widerstandsfähigkeit. Menschen sollen lernen, wie sie schwierige Lebenssituationen aushalten. Die Experten haben verschiedene Personengruppen identifiziert, die unter großen Stress- und Belastungssituationen stehen und deshalb ein hohes Interesse daran haben, seelischen Erkrankungen vorzubeugen: Das kann die gestresste Mutter sein, die ihren Beruf mit den Kindern unter einen Hut zu bringen hat, der burnout-gefährdete Manager mit 80-Stunden-Woche, der pflegende Angehörige, der sich etwas Gutes tun möchte oder auch die Krebskranke, die Hilfe braucht, um den Schicksalsschlag zu verarbeiten.

Natürlich werden auch weiterhin Menschen angesprochen, die Linderung suchen, weil sie bereits psychosomatisch erkrankt sind. „Da geht es aber auch um Erkrankungen, die stressindiziert sind“, sagt Obier. Schlafstörungen etwa und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bad Bocklet setzt auf Ernährung

Wie wird die Neuausrichtung umgesetzt? „Es ist ein Prozess, der Bad Kissingen in den nächsten Jahren beschäftigen wird“, meint der Berater. Das Marketing, das Informations- und Kursangebot für Gäste muss angepasst, eine digitale Plattform aufgebaut und Personal geschult werden. Aus den bestehenden medizinischen und touristischen Angeboten sollen so genannte Leitprodukte zur Vermarktung ausgewählt und neue Angebote geschaffen werden. Alle bayerischen Kurorte durchlaufen nach und nach den Strategieprozess. Bad Kissingen treffe mit dem Schwerpunkt auf Entschleunigung, Stressabbau und Resilienz einen Nerv. „Das wird hier hervorragend aufgegriffen. Mentale Gesundheit in Bad Kissingen ist ein Leuchtturmprojekt“, lobt der BHV-Vorsitzende Klaus Holetschek.

Eine Fachjury des BHV hat das Bad Kissinger Netzwerk als vorbildlich ausgezeichnet und unterstützt den weiteren Strategieprozess. Elf weitere Kurorte werden in der ersten Runde ebenfalls gefördert, darunter auch Bad Bocklet, das sich auf das Kernthema Ernährung spezialisiert.

Touristischer Markt

Gäste Nach der Statistik der Staatsbad GmbH besuchen jährlich annähernd 250 000 Gäste Bad Kissingen. In den vergangenen beiden Jahren lagen die Übernachtungszahlen knapp über der 1,6 Millionen-Marke. Laut einer aktuellen Studie sind rund 70 Prozent der Ankünfte und mehr als 90 Prozent der Übernachtungen „dem Tourismus mit gesundheitstouristischen Motiven zuzurechnen“, so Kurdirektor Frank Oette.
 

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