LANGENDORF

Gästen liegt nachts Glockenschlag in den Ohren

Gewaltiger Hammer: Gemeindereferent Markus Schlereth erläutert die Schlagtechnik.
Gewaltiger Hammer: Gemeindereferent Markus Schlereth erläutert die Schlagtechnik. Foto: Wolfgang Dünnebier

Manche wollen es nicht missen, anderen ist es zu laut: das nächtliche Uhrenschlagen jede Viertelstunde vom Langendorfer Kirchtum aus. Es kann deshalb nicht bleiben, wie es ist. Messungen der Diözese ergaben, dass das schwingende Metall einen Geräuschpegel von 70 Dezibel erzeugt, erlaubt sind jedoch nur 65.

Diskutiert wird das Thema seit Jahren. Leidtragende des nächtlichen Schlagens ist unter anderem die Gaststätte „Zum Stern“ neben der Kirche. Man selbst könne mit der Geräuschkulisse gut leben, verdeutlicht Wirtstochter Beate Öser. Anders sieht es mit den Gästen aus: „Manche mögen es, andere nicht“, sagt sie.

Die Konsequenz: Einige Gäste würden auf dem Absatz kehrt machen, wenn sie erfahren, dass die Glocken auch nachts schlagen. Solchen Gästeschwund könne man sich in der heutigen Zeit nicht leisten. 2003 hatte die Gaststätte einen Vorstoß für eine konsequentere Nachtruhe unternommen. Dann geschah lange nichts, jetzt griff die Kirchenverwaltung das Thema noch einmal auf.

Bürgermeister Ludwig Neeb lässt Problembewusstsein für beide Seiten erkennen. Mancher, der nachts wach liege, habe die Zeitansage durchs Fenster liebgewonnen. Natürlich stelle sich die Frage, ob man das heute so noch braucht. Jeder habe selbst Uhren daheim.

„Wir wollen ja eine touristisch offene Gemeinde sein“, könnte sich Neeb mit einem nächtlichen Schweigen der Kirchenglocken abfinden. Eine entsprechende Empfehlung habe der Gemeinderat auf Nachfragen der Kirchengemeinde gemacht. Zumal es die günstigste Lösung sei.

„Beschlossen haben wir nichts, das ist Sache der Kirchenverwaltung“, so der Bürgermeister. So wie in Machtilshausen. Dort schlagen die Glocken nachts schon seit Jahren nicht mehr. Wichtig sei ihm, dass das Thema nicht nur auf die Gaststätte abgestellt wird, so Neeb. Auch andere Mitbürger hätten schon interveniert.

„Jetzt sind manche auf die Gemeinde sauer“, schildert Neeb die Reaktionen in Langendorf auf die Empfehlung des Rates zum nächtlichen Schweigen der Glocken.

Die Geistlichkeit hätte sich um des lieben Friedens willen auch mit einer kompletten Nachtruhe abfinden können. Nicht aber viele Gläubige. Bei einer Unterschriftenaktion sprachen sich rund 250 Gläubige von 670 Einwohnern für das nächtliche Uhrenschlagen aus. Auch Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat stehen mehrheitlich dahinter.

Um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, soll der Zeitschlag von 22 bis sechs Uhr gedämpft werden. „Mit neuen Platinen wird die Feldstärke der Magnetsteuerung für die Hämmer verringert“, erläutert Gemeindereferent Markus Schlereth. Das wird rund 1500 Euro kosten. Wann es soweit ist, weiß Schlereth noch nicht.

Aber er hofft, dass damit alle Seiten zufrieden sind: „Es wäre schlimm, wenn sich Langendorf über dieser Frage zerstreitet.“

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!