BAD BRÜCKENAU

Glänzende Augen und Kostüme

13. Tanz- und Shownacht: Über fünf Stunden Programm bot die Bad Brückenauer Karnevalsgesellschaft. Vor der Bühne rockte Laura Martin in ihrem Rollstuhl mit – und bekam einen Jahresorden
Kuschelig: das Dschungelbuch der Roten Funken aus Bad Brückenau.

Laura Martin strahlte, wippte und rockte den ganzen Abend, was ihr kleiner Rollstuhl nur hergab, direkt vorne an der Bühne. Sie ist schwer behindert und lebt erst durch und mit Musik so richtig auf: Sie wird im März 15 Jahre alt und ist aus der größten Tanzshow weit und breit nicht wegzudenken. Denn am Samstagabend stand Fasching in seiner ganzen Bandbreite auf dem Programm: Die 13. Tanz- und Shownacht in der Halle des Turnvereins Bad Brückenau war lang, aber immer abwechslungsreich.

Hier präsentierte die Bad Brückenauer Karnevalsgesellschaft unter der Moderation der drei Sitzungspräsidenten Dieter Seban, Peter Pankerl und Claudio Kleinhans ohne viel Gerede Schlag auf Schlag eine Tanzshow auf gleichmäßig hohem Niveau, auch wenn heuer durch die Terminenge des kurzen Faschings die absoluten Highlights fehlten.

Sichtbar genoss auch das heimische Regentenpaar – die entmachteten Bürgermeisterinnen Brigitte Meyerdierks und Adelheid Zimmermann erlebten den Abend im Publikum – Prinzessin Katharina und Prinz Daniel den Abend. Eine besondere Freude machte es ihnen, ihrem jungen Stammgast Laura Martin im Laufe des Abends den Jahresorden der Gesellschaft in Pinform zu überreichen. Auch die Gesellschaften aus Haimbach und Ascheberg honorierten in dieser Form den jungen treuen Faschingsfan, dessen Augen vor Glück und Freude mehr glänzten als die prächtigen Kostüme der Tänzerinnen.

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Shownacht

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Laura Martin hat noch eine eineiige Zwillingsschwester und wurde durch Misshandlungen im Babyalter schwerbehindert. Gerlinde und Franz Martin aus Römershag adoptierten drei Geschwisterkinder und kümmern sich seither rührend um Laura. „Musik ist ihr ein und alles, mit Musik lernt sie im Blindeninstitut in Würzburg bei der kognitiven Förderung. Mittlerweile braucht sie ihren Rollstuhl nur noch gelegentlich, durch die Musik kann sie stehen und ungelenk gehen“, so eine hörbar stolze Gerlinde Martin. Laura reitet regelmäßig therapeutisch in Breitenbach, sie fährt Monoski in der Rhön und bewegt sich permanent zu jeder Musik. Auch wenn Laura durch eine Sehbehinderung die Details der Tänze auf der Bühne nicht erkennen kann, geht sie bei jeder Nummer aus sich heraus und tanzt im Rolli förmlich mit. Immer wieder kommen kleine Tänzerinnen, die vor der Bühne die Tänze der Garden anschauen, und gesellen sich zu Laura, die die Aufmerksamkeit deutlich genießt und bis zum Schluss um Mitternacht aufmerksam durchhält.

Sie sieht mit den anderen Besuchern, davon erfreulich viele aus der Stadt, die ganze Bandbreite des karnevalistischen Gruppen- und Solotanzes. Mehrere Tanzmariechen, ein Tanzpaar aus Jossa, Garden, die klassische Marschtänze zeigten, Gardetänze mit Akrobatik und natürlich vor allem die ganze Bandbreite der Showtänze. Da gab es Programmnummern mit umfangreichen Bühnenrequisiten und durchgängiger Handlung und tanzschulmäßige, fließende Tänze in bunten Kostümen.

Fünfeinhalb Stunden Nonstop bot der Abend 38 Programmpunkte der tänzerischen Art. „Boygroup“ gab es dabei allerdings nur eine: Die Jungs der Feuerwehr Kothen „Schickeria“, die seit sechs Jahren zusammen tanzen. Insgesamt standen gut 350 Akteure auf und hinter der Bühne.

Auch wenn der Fasching kurz ist und es immer weniger Vereine gibt, die tanzenden Vereinen eine Plattform bieten, wurde Laura und allen anderen so wieder eine hochklassige Veranstaltung geboten, bei der ohne Leistungsdruck eines Gardeturniers Tanzgruppen jeden Alters und Zusammensetzung füreinander und miteinander auftraten.

So nutzte beispielsweise Jonas Ebert, Sportstudent und ehemaliger Turner des TV Bad Brückenau, den Abend, um sich einige Ideen zu holen. „Ich mache im Rahmen meines Studiums auch die Ausbildung zum Tanztrainer und muss einen Projekttanz vorbereiten.

Gabi Pankerl, Vorsitzende der Brückenauer Karnevalsgesellschaft und Cheforganisatorin des Abends zog nach der tanz- und Shownacht ein positives Resümee: „Heute ging es zu wie auf einem Verschiebebahnhof, das war richtig anstrengend. Manche Gruppen sind von einem Auftritt kommend aus dem Bus raus, bei uns direkt auf Bühne und nach dem Auftritt gleich wieder mit dem Bus weg zum nächsten Termin. Ich bin glücklich, dass der Zeit- und Ablaufplan trotzdem absolut eingehalten wurde.“ Pankerl nannte das eine „Maßarbeit von allen Mitwirkenden, vor allem der Technik im Hintergrund“. Dank des guten Besuchs sei es einfacher, den den Faschingszug finanziell zu stemmen. Und den wird Laura Martin sicherlich nicht verpassen.

Erstmals auf der Showbühne: Fledermäuse und Schachspielerinnen des TSV Hollstadt.
Showtanz: Die Prinzengarde Bad Brückenau mit „Chickas Apasionatas“. Foto: Thomas Dill
Mittendrin: Laura Martin mit dem Bad Brückenauer Prinzenpaar.
Verruchte Damen: Die ÖFG Oberthulba tanzten „Burlesque“. Foto: Fotos (4): Thomas Dill

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