HAUSEN/BRENDLORENZEN

Glücksgefühle sorgen für den Antrieb

Es ist das Glücksgefühl, das ihn aufs Rad treibt: Walter Lauter, im Bild auf der Wasserkuppe, hat schon über 200 000 Kil... Foto: Lauter

Ein Jahr lang hat Walter Lauter aus Hausen bei Bad Kissingen quasi durchgehend 24 Stunden am Tag auf dem Rad gesessen. Natürlich nicht am Stück. Aber aufgerechnet hat der 53-Jährige, der Mitglied beim TSV Brendlorenzen ist, in den vergangenen 14 Jahren rund 361 Tage, genauer 8659 Stunden, in die Pedale getreten. 210 168 Kilometer und 2084 Höhenkilometer hat er in dieser Zeit zurückgelegt.

Es ist das Glücksgefühl, das ihn aufs Rad treibt: „Körperlich fix und fertig sein und dennoch das Gefühl, genug getan zu haben“. Was ihn außerdem reizt? „Das Erfolgserlebnis“ – achtmal hat Lauter mit dem Mountainbike bereits die Alpen überquert, ist von Bad Kissingen dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gefolgt, 2009 hat er beim 24-Stunden-Rennen mit dem Rennrad in Kelheim teilgenommen, den Ötztaler-Radmarathon ist er gefahren, die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Beim Store Styrkeproven 2009 in Norwegen, zu Deutsch „Die große Kraftprobe“, hat Lauter 542 Kilometer und 3500 Höhenmeter von Trondheim nach Oslo auf dem Rennrad zurückgelegt, 110 Kilometer davon bei Dauerregen und einer Temperatur von sechs, sieben Grad. Knapp 16 Stunden hat er gebraucht, 34er Schnitt, drei Pausen: 30 Sekunden, 90 Sekunden und fünf Minuten. „Da muss man sich vom Körper, von der Leidensfähigkeit her, vom Kopf drauf einlassen“, sagt er.

„Rennradfahren ist wie Drachenfliegen. Mountainbiken ist mehr in der Natur.“

Walter Lauter kennt den Unterschied

Trainieren tut er deshalb auch bei schlechtem Wetter. Wenn möglich, fährt der Hausener selbst im Winter mit dem Rad zur Arbeit nach Schweinfurt und auf dem Heimweg nicht selten mal kurz einen Umweg über den Kreuzberg. Dennoch, gesteht er, auch er frage sich ab und an: „Warum machst du das eigentlich? Warum tust du dir das an?“ In solchen Momenten ließen ihn psychologische Spielchen weiterfahren. „Linker Fuß, wie geht's dir?“, frage er dann und erkundige sich so nach und nach bei allen Körperteilen. „Der überwiegende Teil gibt dir meist ein positives Feedback. Das lenkt dich ab und lässt dich weiterfahren.“

Wichtig sei natürlich, dass man sich einschätzen, notfalls zurückregeln könne – wie beim 24-Stunden-Rennen in Kelheim, als er nach über zehn Stunden Dauerregen seine Zehen nicht mehr spürte. „Da war klar, wenn ich jetzt nicht eine Pause einlege, macht das der Körper nicht mehr mit.“ Nach eineinhalb Stunden Schlaf im Sprinter stieg er wieder aufs Rad.

„Man hält sein Gewicht, trainiert sein Herz-Kreislauf-System und ist viel in der Natur unterwegs“, zählt Lauter die Vorteile des Radfahrens auf. Außerdem treffe man bei Training und Wettkämpfen mit netten Leuten zusammen. „Fahrradfahrer sind wie eine große Familie.“

Früher war er passionierter Motorradfreak, nachdem ein paar seiner Kumpel umgekommen sind, ist Lauter vor 20 Jahren aufs Fahrrad umgestiegen. Schlimmere Unfälle seien ihm bislang erspart geblieben. Ohne Helm fährt er allerdings nie. Weder Mountainbike noch Rennrad. Beide Fahrradfahrarten haben für ihn seinen Reiz: „Rennradfahren ist wie Drachenfliegen, da bist du schnell unterwegs. Mountainbiken ist individueller und mehr in der Natur.“

Momentan bereitet sich der 53-Jährige gerade auf die Grenzsteintrophy vor, ein Mountainbike-Event über 1400 Kilometer an der innerdeutschen Grenze entlang. Los geht's am 17. Juni. Sieben Tage haben die Schnellsten im letzten Jahr dafür gebraucht, länger will auch Lauter nicht unterwegs sein. Schließlich wartet anschließend schon der Radmarathon Fichkona, 601 Kilometer zwischen Fichtelberg und Kap Arkona.

Viel wird er nicht mitnehmen auf die einwöchige Selbstversorgerfahrt über die Lochplatten an der ehemaligen Grenze entlang – Zelt, Schlafsack, Wechselklamotten – allerdings nichts „Ziviles“ – und einen Flachmann mit Ramazzotti. Schlafen will er in der freien Natur. Und Duschen? Fehlanzeige! „Da hast du andere Sorgen: Essen, Trinken, Schlafen.“ Das ist für ihn auch das Faszinierende. „Back to the roots, ein paar Tage lang ist alles reduziert auf das Notwendige. Danach kannst du das normale Leben wieder ganz anders genießen.“

Seit 14 Jahren führt Lauter Excel-Tabellen über seine Touren. Was nicht heißt, dass er 14 Jahre lang nur Fahrrad gefahren wäre: Bei ZF Sachs in Schweinfurt betreut er 40 Stunden die Woche Großrechnersysteme. 1997 baute er gemeinsam mit Ehefrau Heidi sein Haus in Hausen. Die beiden haben zwei Kinder, die 13-jährige Mona und den 16-jährigen Marc.

Die Fahrradfahr-Leidenschaft habe sich nicht direkt auf die Kinder übertragen, sagt Lauter, auch wenn der Sohn eine Zeit lang Kids-Rennen gefahren hat. Heute spiele er lieber Fußball. Und Familienurlaub macht die Familie eher im Club, nicht auf dem Rad.

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