BAD KISSINGEN

Gutes tun in anderer Ecke der Welt

Ehrenamtlich unterwegs: Der Orthopäde Peter Trus (links) und sein nicaraguanischer Kollege Uriel Diaz bei einer Knieoperation im Krankenhaus Esteli, das nahe der Grenze zu Honduras liegt.
Ehrenamtlich unterwegs: Der Orthopäde Peter Trus (links) und sein nicaraguanischer Kollege Uriel Diaz bei einer Knieoperation im Krankenhaus Esteli, das nahe der Grenze zu Honduras liegt. Foto: Apoyo Medico

„Es motiviert mich unglaublich, wenn ich sehe, wie ich von Deutschland aus in einer ganz anderen Ecke der Welt etwas Gutes bewegen kann.“ Das ist das Fazit der zweiten Nicaragua-Reise des Kissinger Orthopäden Peter Trus. Der 49-jährige Facharzt vom OrthoCentrum Saale arbeitet ehrenamtlich für die Hilfsorganisation Apoyo Medico, die sich in dem bitterarmen Land Mittelamerikas engagiert.

Im Februar war Trus zusammen mit einem befreundeten Kollegen aus Göppingen wieder rund zehn Tage im humanitären Einsatz. Apoyo Medico strebt langfristige Hilfe zur Selbsthilfe an und kooperiert mit Ärzten in verschiedenen Regionen Nicaraguas. Besonders befähigte Ärzte unterstützt Apoyo Medico gezielt mit Fortbildungen und Schulungen. Einer von ihnen ist Uriel Diaz, ein Orthopäde aus der Stadt Esteli nahe der Grenze zu Honduras. Er hospitierte im vergangenen Jahr unter anderem am OrthoCentrum Saale.

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Einsatz in Nicaragua

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„Was er seitdem in seiner Ambulanz in Esteli bewirkt hat, ist wirklich fantastisch“, sagt Trus. „Er ist der richtige Mann am Ort und hat sich mittlerweile einen Namen gemacht.“ Trus hat den 29-Jährigen auf seinem Spezialgebiet arthroskopische Kniechirurgie geschult. „Diese vor allem bei Bänderverletzungen sehr effiziente Operationstechnik beherrschen in Nicaragua nur sehr wenige Ärzte.“

Trus und sein Göppinger Kollege operierten diesmal auch zwei Tage in Puerto Cabezas, der zweitgrößten Hafenstadt an der Karibikküste Nicaraguas. In das von Mangrovensümpfen durchzogene Gebiet flogen sie von Managua aus mit einer Cessna, Flugdauer etwa eine Stunde. „Mit einem Auto hätte man zwei bis drei Tage gebraucht. Medizinische Versorgung findet in Puerto Cabezas nur in kleinen Baracken statt, die hygienischen Zustände sind unvorstellbar“, zeigt sich Trus erschüttert. Rund 60 Patienten haben die deutschen Ärzte dort mit ihrem mitgebrachten Material untersucht, behandelt oder operiert. „Einwegkittel für Operationen kannte dort keiner. Und die Sterilisationsgeräte standen unter freiem Himmel.“ Doch auch unter extremen Bedingungen kann man letztlich dasselbe gute Ergebnis herbeiführen – „das ist eine Erfahrung, die bei mir immer noch nachwirkt“, sagt der 49-Jährige. „Es gibt in Puerto Cabezas sogar einen recht gut erhaltenen Arthroskopieturm, den irgendeine amerikanische Militäreinheit dort mal zurückgelassen hat. Es kann nur kein Arzt vor Ort damit umgehen.“

Patienten, die in Hängematten schlafen oder jener Junge mit schwerer Kopfverletzung, den man kaum behandeln kann, weil es keine Diagnostik-Geräte gibt – solche Bilder blieben bei ihm hängen, sagt Trus. „Aber auch die Dankbarkeit und Freundlichkeit der Menschen und das Engagement der einheimischen Ärzte ist wirklich beeindruckend.“

Sein Engagement für Apoyo Medico will Trus auch in Zukunft fortsetzen. Zusammen mit seinen Mitstreitern strebt er an, vielleicht schon im kommenden Jahr einen Arthroskopie-Kurs am Krankenhaus von Managua zu leiten. Ein ehrgeiziges Anliegen, steckt dahinter doch ein enormer finanzieller und logistischer Aufwand, wie der 49-Jährige nicht verhehlt. „Aber diese Arbeit macht absolut Sinn.“

Und noch eine Erkenntnis hat Trus mit zurück an seinen eigenen Arbeitsplatz gebracht. „Hier könnte ich Verletzungen, die ich bei Patienten in Nicaragua gesehen habe, in wenigen Minuten arthroskopisch operieren. Nach so einer Reise schätzt man den medizinischen Luxus, den wir hier in Deutschland haben, wieder ganz neu.“

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