Hammelburg

Hammelburg: Stadtverwaltung rudert nach Markt-Absage zurück

Eine kurzfristige Ansage aus dem Rathaus änderte vergangenen Freitag kurzfristig alles für die Händler. Wie es mit dem Grünen Markt vor dem Rathaus weiter geht.
Mit einer Kette hielt Michele Gentile die Kunden vorsichtshalber auf Abstand  von seinen Auslagen. Foto: Wolfgang Dünnebier

Ein leerer Marktplatz überraschte vergangenen Samstag etliche Stammkunden des Grünen Marktes. Das Rathaus hatte die Veranstaltung mit Blick auf das Corona-Virus kurzfristig abgesagt. Diese Entscheidung stieß auf Kritik. Nach Intervention von Geschäftsleuten und Kunden konnte der Marktbetrieb am Mittwoch wieder aufgenommen werden. Das soll, wie seit sieben Jahren, weiterhin mittwochs und samstags so bleiben.

Verkaufswagen blieb im Quartier

"Es war schon alles vorbereitet", bedauert Walter Emmert mit Blick auf vergangenen Samstag. Der Bäckermeister ist nicht ganz glücklich über das Verhalten der Stadtverwaltung. Denn seinen Verkaufswagen musste er am Samstag überraschend in seinem Quartier lassen. Die enstandenen Folgen wiegen umso schwerer, weil die Nachfrage im Zeichen der Krise ohnehin von Tag zu Tag stark schwanke. Als Kunden seien die Schulen und die Restaurants weggebrochen. Als Konsequenz habe er erst einmal für zwei seiner 18 Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet.

Kunden hielten schon Abstand

Vor Probleme stellte die Absage auch Metzger Rainer Alles, der schon beim Schlachten den Verkauf auf dem Markt einkalkuliert hatte. Dass dieser mit Blick auf die gerade verkündeten Ausgangsbeschränkungen abgesagt wurde, kann auch er nicht ganz verstehen. Zumal am Mittwoch vor dem betreffenden Samstag die Kunden vor seinem Verkaufswagen doch schon gebührenden Abstand gehalten hätten.

Die Kunden standen in gebührendem Abstand an. Foto: Wolfgang Dünnebier

"Das unsere Entscheidung nicht auf Begeisterung gestossen ist, verstehe ich", räumt Bürgermeister Armin Warmuth auf Nachfrage dieser Zeitung ein. Abgesagt worden sei der Markt aber unter dem Eindruck der Rede von Ministerpräsident Markus Söder mit Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen am gleichen Tag. Manche Einschätzung habe sich halbstündlich geändert. Unklar sei gewesen, ob an den Marktständen die Abstandsregeln eingehalten werden können.

Nach Rücksprache habe man sich am Montag dazu entschieden, den Markt weiterhin zu ermöglichen. Dazu habe man beschlossen, Tafeln aufzustellen, die auf die einzuhaltenden Abstände zwischen den Kunden hinzuweisen. Polizei und Sicherheitswacht hätten sich bereit erklärt, ein Auge auf die Situation vor Ort zu werfen.

Obwohl die Absage des Marktsamstags für Verunsicherung  sorgte, strömten die Kunden am Mittwoch fast wieder in gewohnter Zahl herbei. Vereinzelt zeigten sie sich aber überrascht, dass überhaupt wieder Markt war. In demonstrativem Abstand standen alle geduldig an.

Kette vor dem Gemüsestand

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gegen das Corona-Virus hatte Obst- und Gemüsehändler Michele Gentile (Würzburg) getroffen. Er hielt die Marktkunden mit einer Absperrkette auf Abstand von seinen Auslagen und reichte die Waren aus Distanz herüber. "Die Menschen zeigen viel Verständnis", hat er beobachtet. Überhaupt seien alle viel freundlicher zu Corona-Zeiten, fand er. Aktuell kämen zwar weniger Kunden, aber manche kauften mehr, weil sie offenbar auch Besorgungen für andere machen.

"Es lief überraschend gut", fasste Verkäuferin Andrea Ruppert am Stand der Bäckerei Emmert den Markttag zusammen. Rarer machten sich ältere Kunden. Aber den Markt zu Corona-Zeiten abzusagen, sei keine gute Lösung gewesen, weil er für viele in der Altstadt jetzt eine der wenigen Begegnungsmöglicheiten darstelle. Wenn auch nur kurz und aus der Distanz. Aber auch schon das Gespräch mit dem Verkaufspersonal biete eine willkommene Abwechslung.

Mit vielen Kunden per Du

Einig sind sich alle samt Bürgermeister Armin Warmuth, dass sie den Markt jeweils mittwochs und samtags aufrecht erhalten wollen. Dafür spreche schon die familiäre Atmosphäre unter freiem Himmel."Mit vielen Stammkunden sind wir per Du", schwärmt Michele Gentile.

Verständnis gibt es auf jeden Fall dafür, dass die Bauernmärkte in Hammelburg und Bad Kissingen jeweils einmal im Monat eine Zwangspause einlegen. Die sind in geschlossenen Räumen, wo sich ein größeres Gedränge nicht vermeiden lasse.

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