Hammelburg

Hammelburger Seniorenheim wird international

Das Dr. Maria Probst Seniorenheim holt Krankenpfleger vom anderen Ende der Welt nach Hammelburg. Nicht nur der Glühwein und der fränkische Dialekt sind neu für die Pfleger. Pflegedienstleiterin Yvonne Hepp erklärt, warum die Bewohner von der Internationalität profitieren.
"Wir kommen gut zurecht - oder?", sagt Emma Kötzner (rechts). Uros Krivosejev aus Serbien und Alfredo Hidalgo sowie Lester Beltran von den Philippinen sorgen sich künftig um Bewohner des Dr. Maria Probst Seniorenheims wie sie und Monika Schäfer. Foto: Carmen Schmitt
"Wir kommen gut zurecht - oder?", sagt Emma Kötzner (rechts). Uros Krivosejev aus Serbien und Alfredo Hidalgo sowie Lester Beltran von den Philippinen sorgen sich künftig um Bewohner des Dr. Maria Probst Seniorenheims wie sie und Monika Schäfer. Foto: Carmen Schmitt
Ihr Bewerbungsgespräch führten sie per Skype. Tausende Kilometer trennten den potenziellen Chef von den Mitarbeitern in Spe. Am jeweils anderen Ende der Welt war man sich schnell klar: Das könnte gut werden. Das Dr. Maria Probst Seniorenheim der Carl-von-Heß´schen Sozialstiftung hat Krankenpfleger von den Philippinen und aus Serbien nach Hammelburg geholt. Kompressionsstrümpfe anziehen, Verband wechseln, die Arbeit mit den Menschen liegt ihnen. An den Dialekt, das kalte Wetter und den Glühwein müssen sich die jungen Männer aber noch gewöhnen.

2013 ist die Stiftung auf das Projekt gestoßen. Marco Schäfer, Vorstand der Stiftung, und sein Team haben mit der Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) in Bonn und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) kooperiert. Die kümmern sich als Vermittler um das Visum, bereiten die Kandidaten vor und stellen den Kontakt her. Aber warum interessiert sich das Seniorenheim für Mitarbeiter vom anderen Ende der Welt?


Fachkräfte fehlen

"Wir haben langfristig zu wenig Personal", sagt Pflegedienstleiterin Yvonne Hepp. "Wir kriegen keine Fachkräfte mehr", sagt Marco Schäfer. "Wir haben immer wieder Anzeigen geschaltet. Es bewirbt sich niemand. Nicht mal ein Schlechter." Die Abbruchquote bei Fachkräften aus der europäischen Nachbarschaft war sehr hoch. Getreu dem Motto "Wer schnell da ist, ist auch schnell wieder weg", ist es vielleicht auch die große Distanz zu ihrer Heimat, die Marco Schäfer hoffen lässt, auf die Fachkräfte auch in Zukunft bauen zu können. "Man macht sich viele Gedanken vor so einem großen Schritt", sagt er. Auf diesen Schritt haben Uros Krivosejev aus Serbien und Alfredo Hidalgo und Lester Beltran von den Philippinen nur gewartet.

Ein halbes Jahr lang haben sie zu Hause von früh bis spät im Deutschkurs gebüffelt. Nur mit einer bestandenen Prüfung geht es für sie weiter. Seit sie vor ein paar Wochen in Hammelburg angekommen sind, können sie ihr Gelerntes endlich anwenden. Sie helfen sich gegenseitig oder zücken das Handy samt virtuellem Wörterbuch. "Es ist jetzt schon viel fließender geworden", sagt Yvonne Hepp stolz.


Lassen früheres Leben hinter sich

Alle seien sehr geduldig und freundlich, sind sich die drei jungen Männer einig. Jeder hat seinen eigenen Mentor im Seniorenheim, mit dem er gemeinsam in der Schicht eingeteilt ist. Die sollen Fachwissen vermitteln, das den Pflegern fehlt. "Es kommt darauf an, ob sie in einer privaten oder staatlichen Einrichtung gearbeitet haben", sagt Pflegedienstleiterin Yvonne Hepp. Die Arbeitsutensilien sind andere und bestimmte Materialien sind neu für die Männer. Lester Beltran hat sieben Jahre als Krankenpfleger in einer Klinik gearbeitet. Für die Anstellung in Hammelburg hat er seine Stelle aufgegeben. "Hier ist die Arbeit einfacher", sagt er.

Bei seinem früheren Arbeitsplatz haben sich zwei Pfleger um 40 bis 70 Patienten gekümmert. Europa kennt der 29-Jährige von einigen Reisen. Sein Vater arbeitet in Frankreich. Auch Alfredo Hidalgo hat Kontakt zu Europa. Seine Tante lebt in Frankfurt. Die will er über Weihnachten besuchen. Uros Krivosejev aus Serbien hat in seiner Heimat keine Arbeit gefunden. Auf die Frage was er sich wünscht, muss er nicht lange überlegen. "Eine Chance auf ein selbstständiges Leben", sagt der 23-Jährige. Lester Beltran von den Philippinen kann sich schon jetzt vorstellen, für immer hier zu leben. Auch trotz der vielen Dinge, an die er und seine Kollegen sich noch gewöhnen müssen. "Glühwein", sagt Alfredo Hidalgo und lacht breit, "das gibt es bei uns nicht."

Nach ihrem einjährigen Arbeitsvisum werden sie geprüft. Danach entscheidet sich, ob sie eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Für die Stiftung bedeutet jeder Facharbeiter einen Gewinn, aber auch viel Arbeit und einen hohen Kostenaufwand. Mehrere Tausend Euro werden für die Vermittlung fällig. Ein Jahr Vorbereitungszeit steckt für das Seniorenheim in dem Projekt. In weiteren Häusern der Stiftung sollen noch im Winter weitere Facharbeiter von den Philippinen ankommen. Marco Schäfer glaubt, dass sich der Aufwand lohnt. "Wir sind in einer Vorreiterrolle", sagt er. Auch andere Branchen werden nachziehen, meint er. Yvonne Hepp ist sich sicher, dass auch die Bewohner profitieren: "Auf den Philippinen zählt ein älterer Mensch viel mehr als hier. Das merkt man im Umgang."




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