MÜNNERSTADT

Handelsverband: Fachmarktzentrum zieht Kaufkraft aus Innenstadt ab

Vor der Stadtratssitzung am Montag, in der über die Ausweisung eines weiteren Gewerbegebietes zur Errichtung eines gut 75 000 Quadratmeter großen Fachmarktzentrums beraten werden soll, melden sich die Einzelhändler aus der Innenstadt zu Wort. Auch Volker Wedde vom Handelsverband Bayern wendet sich mit einer Stellungnahme an den Stadtrat.

Zunächst die Bedenken der im „Kaufhaus Mürscht“ zusammengeschlossenen Einzelhändler: Das Gewerbegebiet erhält eine eigene Zufahrt von der B19 Richtung Autobahn. Eine Anbindung an das bestehende Gewerbegebiet ist nur mit Fußweg geplant. Das bedeute eine sehr schlechte bis keine Anbindung an die Innenstadt. Innenstadtrelevante Sortimente zögen Kaufkraft und Frequenz aus der Innenstadt. Auch würden Investitionen in diese Sortimente in der Innenstadt auf lange Sicht uninteressant.

Bei einem weiteren Frequenzrückgang in der Innenstadt würden Geschäftsschließungen und noch mehr Leerstand drohen. Durch die Lidl Umsiedlung entstehe Leerstand im Gewerbegebiet Schindberg, auf den man bei Neubezug keinen Einfluss mehr habe. Auch gelte es zu bedenken, ob das geplante Zentrum nicht der Stadtentwicklung im Rahmen von Stadtumbau-West widerspricht, möglicherweise Förderungen gestrichen oder vielleicht sogar zurückgezahlt werden müssten. Die Stellungnahme ist mit einem Aufruf verbunden, möglichst zahlreich zur Stadtratssitzung zu erscheinen.

Volker Wedde geht in seinem Schreiben auf Größe und Angebot des geplanten Fachmarktzentrums ein und warnt vor Gefahren. Neben einem positiv zu bewertenden Autohaus soll ein Einkaufscenter mit rund 4200 Quadratmetern entstehen. Neben der Umsiedlung und Vergrößerung des Discounters am Schindberg (1300 Quadratmeter), Drogerieartikeln (850) und Getränken (500) sollen auf einer weiteren Verkaufsfläche von 2600 Quadratmetern Textilien und Schuhe angeboten werden.

„Die geplanten Sortimente mit einer Gesamtverkaufsfläche von 4200 Quadratmetern sind zu 100 Prozent innenstadtrelevant“, schreibt Wedde. Die gesamte Altstadt habe 2003 nur 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche aufgewiesen, die jedoch zurückgegangen sei. Das Flächenverhältnis stehe unter der Maßgabe der Zentrenerhaltung in keinem Verhältnis. Die Forderung des Investors, dass an der Sortimentszusammensetzung keine Änderung möglich sei, da sich die Unternehmen gegenseitig bedingen, kennt Wedde aus anderen Diskussionen, in denen positiv wirkende Angebote durchgesetzt werden sollten, indem schädliche Ansiedlungen in Kauf genommen werden. Die Ansiedlung innenstadtrelevanter Sortimente sei hier jedoch ausschließliches Zugpferd, mit dem in die innerstädtischen Strukturen eingegriffen und Kaufkraft abgeschöpft werde.

Die Zufahrt von der B19 Richtung Autobahn ist für Wedde ein Beweis, dass eine autoorientierte Anbindung im Fokus steht und Kunden bereits vor der Altstadt abgefangen werden sollen. Die fußläufige Anbindung an die Innenstadt werde in der Realität lediglich „auf dem Papier“ bestehen, da der Standort von der Innenstadt abgerückt ist.

Bereits das Zentrenkonzept für Münnerstadt aus dem Jahr 2003 habe auf ein Sinken des Leistungs- und Qualitätsniveaus in der Innenstadt aufmerksam gemacht. Daher habe es sich für eine verträgliche Handelsentwicklung für die Gesamtstadt ausgesprochen. „Hier ist es entscheidend, dass am Stadtrand keine innenstadtrelevanten Waren angeboten werden, die Kaufkraft aus der Altstadt abziehen.“ Die aktuellen Planungen würden demnach in vollem Umfang den gutachterlichen Aussagen widersprechen.

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