Rannungen

In Rannungen: Jung und Alt Hand in Hand

Es tut sich allerhand in Sachen Quartiermanagement. Der Einkaufsservice läuft an, die Helferbörse wird aufgebaut, und die Jugendlichen freuen sich auf ihr neues Domizil.
Volker Elsner: "Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn man sieht, dass Projekte angenommen werden." Foto: Isolde Krapf

"Die Menschen nehmen uns wahr. Oft kommen sie erst zu uns, bevor sie ins Rathaus gehen und nachfragen", sagt Volker Elsner. Seit gut vier Monaten vertritt der 48-jährige Sozialpädagoge die reguläre Quartiermanagerin Nathalie Langer im Büro in der Raiffeisenstraße. 28 Kontakte zu Bürgern hatte er beispielsweise im September und Oktober – und das, obwohl das Quartierbüro nur an zwei Tagen pro Woche geöffnet ist. Inzwischen gibt es allerhand Neues.

Was die Bürger auf dem Herzen haben, wenn sie bei ihm vorbeikommen, ist ganz unterschiedlicher Natur. Der eine hat Fragen zur Patientenverfügung, der andere zum Landespflegegeld, gibt Elsner Beispiele. Wieder andere interessieren sich fürs Essen auf Rädern, das die Malteser inzwischen im Ort anbieten, oder sie drückt ein anstehender Behördengang, bei dem sie sich Hilfe vom Quartiermanagement erhoffen.

Um die Älteren zu entlasten, wurde in Rannungen vor kurzem Essen auf Rädern organisiert. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Lebensbedingungen unter die Lupe nehmen

Einmal kam eine Frau mit ihrem Koffer zu ihm und wollte wissen, wie sie denn nun von Rannungen aus zu ihrem weiter entfernten Kurort gelangen kann, erzählt Elsner. "Da hab ich dann nachgeschaut und die Verbindungen herausgesucht." Ein andermal war es eine 17-Jährige, die sich kurz vor Schulbeginn überlegte, wie sie mit dem Bus von Rannungen aus nach Schweinfurt zur Berufsschule kommt. Elsner verwies auf die kostenlose App "Wohin du willst" der DB Regio.

Der Arbeitskreis Innenentwicklung der Gemeinde hatte sich vor vier Jahren zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen in Rannungen genauer unter die Lupe zu nehmen, um einer vielleicht bröckelnden Infrastruktur rechtzeitig etwas entgegenzusetzen und die Kommune zukunftsfest zu machen. Denn landauf, landab gehen in ländlichen Kommunen die Strukturen der Nah- und Grundversorgung allmählich verloren. Vielerorts schließen Bäckereien und Lebensmittelläden. Landärzte finden keine Nachfolger. Postfilialen und Bankschalter werden geschlossen.

Senioren in gewohntem Umfeld lassen

2015 startete der Arbeitskreis eine Bürgerbefragung. Im Zuge der Auswertung dieser Bögen beschloss die Gemeinde, sich um eine(n) Quartiermanager(in) zu bemühen und dafür ein Konzept zu erstellen. Im Juni 2018 wurde die Stelle schließlich eingerichtet. Ein Hauptanliegen dieses Projekts ist es, wie Elsner sagt, dass Senioren möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld selbstbestimmt leben können.

Der Lebensmittelladen in Rannungen hat Tradition, wie unser Bild aus dem Jahr 2006 zeigt. Auch heute stehen dort die Kunden Schlange. Foto: Archiv Ursula Lippold

In Rannungen liegt der Anteil der über 65-Jährigen mit 23 Prozent (von rund 1200 Einwohnern), laut Elsner, "signifikant hoch". Im Ort sieht es mit der Nahversorgung, verglichen zu anderen Orten, noch recht gut aus. Es gibt hier zwei Getränkelieferanten, einen Metzger, der viermal wöchentlich geöffnet hat, und im Lebensmittelladen kann man täglich einkaufen. "Die Leute nehmen das auch an und stehen teilweise Schlange an der Kasse", hat Elsner beobachtet. Das Quartiermanagement hat inzwischen einen Einkaufsservice organisiert, der gerade anläuft, sagt der Sozialpädagoge. Wer nicht mehr gut laufen kann, ruft bei dem entsprechenden Geschäft an. Die Waren werden dann ausgeliefert.

Neues Projekt Helferbörse

Was die Rannunger Arztpraxis angeht, sei vielen Bürgern schon etwas bang gewesen, sagt der Quartiermanager. Denn es hatte sich offenbar hartnäckig das Gerücht gehalten, dass sich Dr. Wolfgang Weber demnächst zur Ruhe setzen wolle. Und dann? Die meisten wüssten ja, wie schwer es ist, einen Arzt für eine ländliche Kommune zu begeistern. "Dr. Weber will aber nicht aufhören, die Arztpraxis wird also weitergeführt."

Die Grabpflege fällt älteren Menschen oft schwer. Freiwillige Helfer bieten Unterstützung. Foto: Archiv Laura-Sophie Lang

Aktuell versuchen der Arbeitskreis und das Quartiermanagement, eine Helferbörse zu initiieren. Unter dem Motto "Wir zusammen – Hand in Hand"  sind Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, mitzuhelfen, wo sie können. Denn es gibt in Rannungen etliche ältere Menschen, die froh sind, wenn man ihnen beispielsweise beim Schneeräumen, bei der Grabpflege oder im Haushalt etwas hilft. Andere wären froh, wenn man ihren Hund ab und zu Gassi führt oder wenn man mit ihnen mal kurz spazieren geht. Aber auch Familien und Alleinerziehende haben Bedarf, freuen sich, wenn sich zum Beispiel jemand als Leihoma oder -opa für den jüngsten Knirps zur Verfügung stellt oder wenn jemand mit dem Junior Hausaufgaben macht.

Geld spielt natürlich auch eine Rolle

"Mit zu unseren Aufgaben gehört es auch, Fördermittel zu erkunden", sagt Elsner und verweist zum Beispiel auf das Projekt "Marktplatz der Generationen" des Bayerischen Familienministeriums, für das er im November 2019 einen Förderantrag im Namen der Gemeinde eingereicht hat. Das Quartierkonzept würde erweitert werden, hat er schon in Erfahrung gebracht. Geld fließe allerdings keines. Vielmehr würden Fachleute eines Instituts kommen und zu verschiedenen Handlungsfeldern Beratungen geben.

Momentan ist für die Jugendlichen noch Feiern im Bürocontainer angesagt. Doch wenn das Dorfgemeinschaftshaus steht, soll alles anders werden. Foto: Isolde Krapf

Aber auch für die Jüngeren in Rannungen tut sich was, sei es, dass ein interessantes Ferienprogramm erarbeitet wird, oder dass am Spielplatz Johannesberg demnächst ein Barfußpfad aufgebaut und die neue Paletten-Küche in Betrieb genommen wird. Elsner freut sich, dass nun auch in Sachen Jugendraum eine Lösung da ist. Am neuen Dorfplatz wird bald ein neues Dorfgemeinschaftshaus gebaut, in dem, laut Elsner, zwei Räume für die Jugendlichen vorgesehen sind.

Junge Leute kümmern sich

Bei einem Treffen, das der Quartiermanager organisierte, kamen unlängst Bürgermeister Fridolin Zehner, die beiden Jugendbeauftragten, das Planungsbüro Johannes Hahn mit den jungen Leuten des Orts im Rathaus zusammen. Elsner freute sich, dass gleich 15 Jugendliche Interesse zeigten. Es habe ein reger Meinungsaustausch stattgefunden. In seiner Aussage schwingt Anerkennung mit: "Die jungen Leute wollen ihre Räume sogar selbst beheizen und dafür Holz hacken."

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Rannungen
  • Isolde Krapf
  • Arztpraxen
  • Berufsschulen
  • Bürger
  • DB Regio AG
  • Familienministerien
  • Fridolin Zehner
  • Grundversorgung
  • Johannes Hahn
  • Kinder und Jugendliche
  • Landärzte
  • Lebensmittelläden
  • Schneeräumen
  • Senioren
  • Wolfgang Weber
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!