Schönderling

In Schönderling den Teufel an die Wand gemalt

Markus Ronge hat mit seiner Darstellung der Sage von Schönderling den Geschmack der Einheimischen voll getroffen.
Markus Ronge bei der Arbeit. Mit Spraydosen zauberte er das Kunstwerk auf die Trafo-Station Fotos: Jürgen Hüfner
Markus Ronge bei der Arbeit. Mit Spraydosen zauberte er das Kunstwerk auf die Trafo-Station Fotos: Jürgen Hüfner
Mit der Kunst ist es ja immer so eine Sache: Was den einen in Entzücken versetzt, wirkt auf den anderen langweilig, was einer als etwas Besonderes betrachtet, ist für den anderen nur Klimbim. Anders bei der neu gestalteten Trafo-Station in Schönderling: "Vor diesem Kunstwerk hat man Ehrfurcht!" sagte Roland Morber. Auch die Gäste waren voll des Lobes. Möglich gemacht hatte dies das Bayernwerk. Es hat die Aktion "Kunst am Trafo" gestartet.

Von insgesamt 3500 Stationen wurden in Unterfranken fünf ausgewählt, die bemalt werden - eine davon war die in Schönderling. "Sie steht sehr prominent da, ist von allen Seiten gut zu sehen, und außerdem passt es zur 700-Jahr-Feier" erklärte Christine Pfaff, Kommunalbetreuerin bei Bayernwerk zusammen mit dem Leiter Fachbereich Betrieb der unterfränkischen Netzdienste, Uwe Thomas und dem Projektverantwortlichen, Gerhard Morber. Letzterer ist Schönderlinger und war somit Bindeglied zwischen seinem Heimatdorf, Bayernwerk und Markus Ronge.


"Heckebrunser"

Mit einer ganz speziellen Sprühdosentechnik zauberte er in nur drei Tagen die Sage von Schönderling auf die vier Wände der Station. "Der Künstler", wie ihn die begeisterten Schönderling liebevoll nennen, bekam viel Zuspruch. "Ich glaube, ich kenne alle Schönderlinger", sagte er augenzwinkernd und dankte für das große Lob, die vielen "Zaungäste" während seiner Arbeiten und die bewundernde Anerkennung.

Über die täuschend echt dargestellte Landschaft fliegt der Teufel, und aus seinem aufgeschlitzten Sack purzeln sieben Häuser, wodurch der Sage nach Schönderling entstand.

Eine Besonderheit bietet sich dem amüsierten Betrachter: Am Wegesrand steht ein kleiner Junge und pinkelt im hohen Bogen. "Mehr lokaler Bezug geht nicht", meinte Gerhard Morber verschmitzt. Seine Idee war es, den "Heckebrunser" zu verewigen: Diese Bezeichnung der Schönderlinger kommt von früher, weil sie, so erzählt man sich, wenn sie zum Kirchgang nach Schondra liefen, gerne vorher noch mal die Blase entleerten.

Heimatgefühl künstlerisch umgesetzt - das ist Markus Ronge gelungen. Es ist kaum zu glauben, dass er dieses Kunstwerk allein mit Spraydosen erschuf: Filigran bis ins kleinste Detail. "Das neue Gewand der Trafostation soll lokale Besonderheiten und Traditionen aufgreifen und einen Platz bieten", erklärte Christine Pfaff. Uwe Thomas machte keinen Hehl aus seiner Begeisterung für diese Station: "Sie ist eine Besonderheit."

Bürgermeister Bernold Martin sprach von einem weiteren Meilenstein in Richtung 700-Jahr-Feier. Beatrix Lieb erklärte, dass die Übergabe genau zur rechten Zeit erfolgt sei: "In sieben Wochen feiern wir unser großes Fest, vor einer Woche haben wir von der Universität Würzburg erfahren, dass es tatsächlich eine frühere Siedlung unweit von Schönderling gab. Ein treffenderes Motiv hätten wir gar nicht aussuchen können", schließt sich doch jetzt der Kreis von Kunst, Legende und Wissenschaft. "Ein Unikat", "gelungen", "authentisch" waren die spontanen Aussagen, die den Gästen beim Betrachten des Kunstwerks einfiel.

Die Bewirtung hatte Familie Schuhmann übernommen, "ich habe ja am meisten davon, ich sehe die Station direkt von meinem Küchenfenster aus", so Lucie Schuhmann. Und noch eine Überraschung gab es für alle: die Familie Schuhmann hatte während der letzten drei Tage eine Kamera laufen und präsentierte die Arbeit des Künstlers auf einem Bildschirm im Zeitraffer. "Und da der heimliche Favorit irgendwie doch der "Heckebrunser" ist und der Künstler lachend verriet, dass sein Sohn Felix für diese Szene "Pate" gestanden habe, wurde dieser von Gerhard Morber kurzerhand zum "Heckebrunser ehrenhalber" ernannt. Ein Titel, den es weltweit wahrscheinlich nur einmal gibt.

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