Maria Bildhausen

Katharina von Bora in Maria Bildhausen

Heike Bauer-Banzhaf nahm die Zuhörer mit in die Lebenswelt der Katharina von Bora. Dabei stützte sie sich ausschließlich auf historisch gesicherte Fakten.
Die Schauspielerin und Kommunikationstrainerin, Heike Bauer-Banzhaf, im Festsaal des Abteigebäudes in Maria Bildhausen als Katharina von Bora.  Foto: Thomas Ahnert
Die Schauspielerin und Kommunikationstrainerin, Heike Bauer-Banzhaf, im Festsaal des Abteigebäudes in Maria Bildhausen als Katharina von Bora. Foto: Thomas Ahnert
Klar, den Namen Katharina von Bora haben viele noch aus dem Religionsunterricht in Erinnerung, selbst eingefleischte Katholiken. Aber so bekannt der Name auch ist, so unbekannt ist die Frau. Es sind im Wesentlichen Schlagworte, die geblieben sind, etwa das von der "entsprungenen Nonne", die den Mönch und Reformator Martin Luther geheiratet hat. Ansonsten verschwindet sie im Nebel der Klischees.

Die Feiern zur Reformation vor 500 Jahren, bei denen die evangelische Kirche in diesem Jahr eine breite Brust zeigt, haben auch Katharina von Bora, verheiratete Luther, ein bisschen weiter nach vorne geholt - sofern es die gar nicht so umfangreiche Quellenlage zulässt. Und das ist gut so: Denn man behauptet nichts Falsches mit der Feststellung, dass Martin Luther nicht diese nachhaltige Durchschlagskraft erreicht hätte, wenn er sie nicht an seiner Seite gehabt hätte. Denn sie war es, die ihm eine gesicherte Lebensbasis geschaffen hat, die ihm den Rücken frei gehalten hat im Kampf gegen das Papsttum der damaligen Zeit.


Zwiegespräch mit Luther

Wie das funktioniert hat, das hat jetzt im Rahmen der Luther-Ausstellung im Kloster Maria Bildhausen die Schauspielerin und Kommunikationstrainerin Heike Bauer-Banzhaf im Festsaal des Abteigebäudes gezeigt. Sie hat einen einstündigen Monolog geschrieben, in dem Katharina in einem - natürlich einseitigen - Zwiegespräch mit Luther, mit dem sie 21 Jahre verheiratet war und den sie um sieben Jahre überlebt hat, Rückschau hält auf ihr eigenes und ihr gemeinsames Leben - und damit auch auf ihre Witwenjahre, in denen sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand.

Um es gleich vorweg zu sagen: Es war eine erstaunlich interessante und durchaus auch spannende Stunde. Denn Heike Bauer-Banzhaf hat außerordentlich gründlich recherchiert und sich ausschließlich auf gesicherte Fakten gestützt, aus denen sie dieses Lebensbild entwarf. Und sie hat sich klugerweise nicht auf das verlockende, aber verdammt glatte Parkett der reformatorischen Diskussionen begeben, sondern sich an die zwischenmenschliche Ebene der beiden Figuren gehalten. Dazu kam, dass sie in ihrem sehr lebendig gespielten Vortrag immer den Eindruck spontaner Erinnerungen und direkter Ansprache erwecken konnte, gleichzeitig aber auch eine klärende Distanz zu Katharina halten konnte.


Bildung im Kloster

So entstand ein ausgesprochen plastisches Bild. Die Zuhörer und Zuschauer erfuhren von Katharinas Kindheit, als sie - gegen ihren Willen, aber das war damals so üblich - zu ihrer Tante ins Kloster gesteckt wurde. Aber es blieb nicht nur Widerstand, denn sie anerkannte später auch ihre Privilegiertheit, dass die Fähigkeiten, die sie dort lernte - Lesen, Schreiben, Rechnen, etwas Latein, Hauswirtschaft und Landwirtschaft - ihr später sehr geholfen haben.

Sie verließ mit anderen das Kloster, als sie eine Flugschrift von Dr. Martinus Luther gelesen hatte, in der er das klösterliche Leben als nicht gottgewollt bezeichnete, und sprang ins kalte Wasser: Sie musste ohne jede soziale Absicherung und geächtet als Nonne, die ihr Gelübde gebrochen hatte, im weltlichen Leben bei Null anfangen. Als sie schließlich, hämisch kommentiert von der Öffentlichkeit, am 12. Juni 1525 in Wittenberg Luther geheiratet hatte, hatte sie das wohl wichtigste Etappenziel ihres Lebens erreicht.


Unerschöpfliche Energie

Katharina Luther muss eine unerschöpfliche Energie gehabt haben. Sie hielt es 21 Jahre auf Augenhöhe mit dem Reformator aus, gebar sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten. Sie bewirtschaftete das Schwarze Kloster in Wittenberg, in dem jeden Tag nicht nur die Familie, sondern auch bis zu 50 Studenten und andere Gäste zu verköstigen und unterzubringen waren. Sie kaufte rund um Wittenberg Äcker und Wiesen, die sie auch unter dem Aspekt der Zukunftssicherung für ihren Betrieb bewirtschaftete. Sie engagierte sich in der Krankenpflege, was in Zeiten der Pest nicht ungefährlich war. Luther ließ ihr freie Hand, weil er schnell gemerkt hatte, dass sie in praktischen und finanziellen Dingen einfach besser war als er.

Im Grunde war der Reformator ein gespaltener Feminist. Er bestärkte und förderte seine Frau in ihrem Selbstbewusstsein, auch durch Anerkennung und Nichteinmischung. "Mein Herr Käthe" nannte er sie gerne, weil er akzeptierte, dass sie zu Hause die Hosen anhatte. Aber in der Öffentlichkeit und in seinen Schriften hängte er sich gerne an den allgemeinen Rollenklischees von der Frau als Dienerin des Mannes an.

Mit Luthers Tod 1546 wurde Katharinas Leben schwierig: Wie ihre Kinder bekam sie einen Vormund. Sie versuchte das Schwarze Kloster zu halten. Aber noch im selben Jahre musste sie im Schmalkaldischen Krieg nach Magdeburg fliehen. Als sie ein Jahr später zurückkehrte, war das Kloster zwar nicht zerstört, aber völlig verwüstet. Der Neubeginn überforderte ihre finanziellen Möglichkeiten, schließlich kamen ja auch keine Studenten mehr zu ihrem Mann. Aber sie schaffte es schließlich mit der Unterstützung des Landesherrn, des Fürsten Albrecht von Preußen.

Mehrere Missernten und die Pest ließen Katharina Ende November des Jahres 1552 zu ihrer Tochter Margarete nach Torgau aufbrechen. Kurz vor dem Ziel erlitt sie bei einem Unfall der Kutsche einen Beckenbruch. Davon hat sie sich nicht mehr erholt. "Ich war immer eine Brennnessel, zäh und beißend" - bis zum 20. Dezember. An dem Tag ist sie im Alter von 53 Jahren gestorben.

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