Bad Kissingen

Kinder ohne Berührungsängste

Im Sinnberg-Kindergarten gibt es einen hohen Anteil an Kindern mit Migrations- hintergrund. Integrationsbeauftragte Cemile Giousouf (CDU) hat sich die Einrichtung angesehen.
"Es kommen auch vereinzelt Kinder, die gar kein Deutsch sprechen", sagt Andrea Scharf, Erzieherin im Sinnberg-Kindergarten. Sie ist vor allem für die Sprachförderung der Kinder zuständig. Die deutsche Sprache wird den Kleinen nicht durch reines Nachsprechen, sondern durch ganzheitliche, alltagsintegrierte Förderung vermittelt. "Die Spiele, die wir haben, sind so aufgebaut, dass die Kinder nicht merken, dass sie gerade deutsch lernen", sagt Scharf. Sie würden stets üben, egal ob auf dem Spielplatz oder im Wald. Am besten funktioniert das in kleinen Gruppen. Da kommen einzelne öfter zu Wort und man kann die Defizite heraushören.

Die Kinder bekommen aber auch viel von den Gleichaltrigen und durch Beobachtung mit. Beim gemeinsamen Spielen ist die Sprache ohnehin nebensächlich. "Kinder verstehen sich auch ohne Worte", sagt Andrea Scharf. Ein spanischer und ein deutscher Junge hätten sich innerhalb kürzester Zeit angefreundet.

Gemeinsam mit den Eltern

Wichtig ist das Verständnis für andere Kulturen, dass man sie zu schätzen weiß und dass diese Wertschätzung gespürt wird. "Wir singen und zählen manchmal alle gemeinsam russisch", erzählt Scharf.
Die Eltern sind im Kindergarten immer willkommen. Es gab bereits erste gemeinsame Ausflüge zur Bücherei und zum Wildpark sowie Wanderungen. So lernt man die Familien besser kennen und kann deren Probleme besser verstehen. Dass einige Eltern nicht fließend deutsch sprechen, ist für die Erzieherin kein Probleml: "Wenn Eltern die Sprache nicht beherrschen, dann ist es wichtig, dass die Kinder die Muttersprache lernen, weil man Gefühle am besten in der eigenen Sprache wiedergeben kann."

Besuch aus dem Bundestag

Cemile Giousouf, die Integrationsbeauftrage der CDU-Bundestagsfraktion, machte in ihrer Jugend ähnliche Erfahrungen wie die Kinder des Sinnberg-Kindergartens. Sie war gekommen, um zu sehen, wie das Integrationsprojekt "Frühe Chancen", das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird, in der Praxis aussieht.
"Wir durften zu Hause kein Deutsch sprechen. Das habe ich in der Kita gelernt", erzählt sie. Geschadet hat ihr das nicht. In der Grundschule gewann sie zwar einen Lesewettbewerb, ging aber weiter in eine Förderklasse, weil die Kinder damals nach ethnischer Zugehörigkeit eingeteilt wurden. Heute geschehe das anhand ihrer Stärken und Schwächen.

Giousouf findet es toll, dass es im Sinnberg-Kindergarten viele Angebote für die Eltern gibt. Die bräuchten manchmal ein wenig Anleitung, was sie mit ihrem Kind alles unternehmen können. Auch gefielen ihr die verschiedenen Themenräume und das individuelle Eingehen auf die Kinder. "Hier in der Kita ist Integration normal," sagt Giousouf, "Kinder unterscheiden nicht danach, wo die Eltern des anderen herkommen."

Stadtrat Steffen Hörtler (CSU) und seine Ehefrau haben ihre Tochter Laura ganz bewusst hier untergebracht. "Hier werden Toleranz und Miteinander gelebt", sagt er, "das nehmen die Kinder mit." Da seine Ehefrau aus Tschechien stammt, wächst auch Laura zweisprachig auf. Darin sieht er einen Vorteil: "Ich bin mir sicher, dass es die Kinder später einfacher haben, andere Sprachen zu lernen."

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