SCHWEINFURT

Kinderhandel-Prozess: Gericht will die Eltern hören

(swg) Im Berufungsprozess wegen des Vorwurfs des Kinderhandels, in dem sich eine frühere Hammelburgerin und ihre Tochter vor dem Landgericht verantworten müssen, ist vorerst kein Ende in Sicht. Die Richterin setzte die Verhandlung am zweiten Tag aus. Der Grund: Die Eltern eines rumänischen Mädchens, das im Landkreis Bad Kissingen in einer Pflegefamilie lebt, waren nicht als Zeugen erschienen.

Es hatte wohl keiner der Prozessbeteiligten und interessierten Zuhörer wirklich damit gerechnet, dass das in ärmlichen Verhältnissen lebende Ehepaar nach Deutschland kommen würde. Eine Ladung war ihm vom Landgericht zugestellt worden. Nichtsdestotrotz betonte die Richterin, dass sie die Eltern auf jeden Fall hören wolle, „auch wenn wir nicht wissen, ob oder was sie dazu sagen werden“.

Ohne die Anhörung der Eltern könne die Kammer keine Entscheidung treffen, so die Vorsitzende. Die Pflegemutter hatte bereits in erster Instanz immer wieder geschildert, dass sie keinen Kontakt mehr zu den Eltern herstellen könne.

Das Gericht will die Eltern nun mit dem Rechtshilfeweg vernehmen lassen, also die rumänischen Behörden um Unterstützung bitten. Staatsanwaltschaft und Verteidigung können einen Fragenkatalog für die Vernehmung der leiblichen Eltern formulieren.

Das Gericht hofft auf Klärung, unter welchen Umständen das Kind Ende 2006 an die Pflegemutter vermittelt und übergeben wurde, inwieweit die angeklagte 58-Jährige und ihre Tochter dabei involviert waren und ob sie der Pflegemutter eine spätere Adoption in Aussicht gestellt haben, obwohl das rumänische Gesetz diese verbietet.

Juristisch ist auch entscheidend, ob sich die 58-Jährige an Geldern der Pflegemutter bereichert hatte. Die hatte als Zeugin immer wieder betont: „Ich habe das Kind nicht gekauft.“ Sie hatte der Angeklagten aber eine Spende als Darlehen überwiesen, um Renovierungsarbeiten an dem von der Rumänin geführten Kinderheim zu ermöglichen.

Inwieweit diese stattgefunden haben, ist anscheinend unklar. Am Amtsgericht Bad Kissingen ist wegen des Darlehens eine Zivilklage zwischen der Pflegemutter und der 58-Jährigen anhängig. In diese Akte will das Landgericht nun Einsicht nehmen, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

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