Münnerstadt

Kunst hat viel mit Mathe zu tun

Geometrische Formen, Flächen und Linien dominieren die Bilder von Dr. Wolfgang Feichtinger. D die Pigmente werden ungemischt und rein verwendet, der Farbauftrag ist intensiv, das Vorgehen des Künstlers, der in Münnerstadt ausstellt, akribisch.
Dem Betrachter fällt auf, dass sich die Bilder auf das Wesentliche konzentrieren und dabei enorm reduziert sind. "Ich orientiere mich bei meinem Schaffen an der 'Art concret', die sich auf mathematisch-geometrische Grundlagen beruft", erläutert Feichtinger, der in Bad Kissingen wohnt. Seine Kunst ist nicht abstrakt - würde dies doch bedeuten, dass man aus der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert. Nein, Feichtingers Werke sind nicht Gegenständlichem nachempfunden, vielmehr leben sie vom Spiel der Farben und der Akribie, mit denen er sie zu gestalten versteht.
Man könnte sagen, dass seine Kunst eine fast naturwissenschaftliche Komponente hat - alles wird genau abgemessen. Und dies ist etwas, was Dr. Feichtinger auch aus seinem Berufsleben vertraut ist. Arbeitet er doch am Institut für Humangenetik an der Universität Würzburg. Bei einer Forschungsreise in den Urwald von Venezuela mit Prof. Dr. Michael Schmid wurde dem späteren Künstler bewusst, welche Faszination Farben auslösen können.

Farben lösen Emotionen aus

"Wir beschäftigten uns damals mit Fröschen und brachten auch temporäre Labore in den Urwald mit. Hier sah ich erstmals, wie leuchtend Farben sein können und welche Emotionen sie auslösen", meint Dr. Feichtinger. Auch die riesigen Schmetterlinge dort faszinierten ihn ob ihres prächtigen Farbspiels. Der erste Schritt hin zur Kunst war getan, auch wenn er sich damals noch nicht bewusst war, dass er später selbst Kunst machen würde. Durch seine Frau, Eva Feichtinger, die ihn zu Kunstausstellungen mitnahm, wurde ihm bewusst, wie faszinierend moderne Kunst sein kann. 1996, als er mit seinem Freund Martin Kraus auf einer Kunstausstellung weilte, sah er ein Bild von Camille Graeser, das ihn ob seiner klaren Struktur faszinierte und das den etwas sperrigen Titel: "Grün-orange 1:1, 1/32 Grün bewegt" hatte. Bei Dr. Feichtinger hinterließ dieses Werk einen bleibenden Eindruck und war so etwas wie die Initialzündung für sein späteres Schaffen.

Akribisch genau

Seitdem beschäftigte er sich mit der Kunstbewegung der so genannten "Zürcher Schule der Konkreten", die sein späteres Werk maßgeblich beeinflussen sollten. "Mir gefiel die klare Struktur und die exakte Vorgehensweise dieser Schule" ist Feichtinger noch heute begeistert. Überhaupt war die ganze Naturwissenschaft, die hinter diesen Theorien steckte, genau sein Fall. "Künstlerisches Empfinden hat sehr viel mit Mathematik zu tun. Man denke nur an den 'Goldenen Schnitt', der jedem Betrachter sehr harmonisch erscheint und auf mathematischer Grundlage beruht", erläutert der Künstler.
Akribisch genau geht er bei der Erschaffung eigener Werke vor. Oftmals ist er monatelang nach Feierabend, an den Wochenende und auch nachts mit einem Bild beschäftigt. Die klaren Strukturen und vor allem die leuchtenden Acrylfarben faszinieren. Von den etliche Schichten Farbe, die konzentriert und exakt aufgetragen werden, schöpfen die Bilder ihre Leuchtkraft. Farbe wird aber nicht nur mit Pinseln aufgetragen, sondern auch in vorher genau dosierter Menge über das Bild gegossen. Mit eigens dafür ausgearbeiteten Apparaturen sorgt Feichtinger dafür, dass die Leinwand genau plan liegt und sich die Farben gut verteilen können. Durch mehrere Durchgänge des Auftragens entwickelt das Bild einen ganz eigenen Charakter, bei dem auch der Zufall eine gewisse Rolle spielt. "Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Farben sich mischen und dadurch immer wieder neue Nuancen auszumachen sind", meint der Künstler.
Für ihn ist die künstlerische Tätigkeit auch ein Ausgleich zu seiner täglichen Arbeit: man kann hier eben nicht nach Stundenplan arbeiten und braucht Inspiration für neues. Dass dabei Dr. Feichtinger mit sehr viel Freude ans Werk geht, sieht man, wenn man sein Atelier besucht und ihn beim Arbeiten beobachtet. Das Leuchten der Farben ist faszinierend. Und auch andere Ideen verblüffen. So hat er verschiedenen Farben Buchstaben zugeordnet und kann so auch "Geschichten" malen.

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