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Leitartikel: Dritter Nationalpark in der Sackgasse

Man muss kein Kaffeesatzleser sein, um nach den jüngsten Äußerungen des künftigen Ministerpräsidenten Markus Söder zu dem Schluss zu kommen: Die Idee, einen dritten Nationalpark in Bayern zu gründen, steht endgültig vor dem Aus. Offen bleiben wohl lediglich noch der genaue Zeitpunkt und die Umstände des offiziellen Endes.

Dieses Ergebnis einer nun schon fast zweijährigen, oft hitzigen Diskussion, hat nur bedingt mit dem anstehenden Machtwechsel an der bayerischen Regierungsspitze zu tun. Zwar war es Horst Seehofer, der im Sommer 2016 mehr oder weniger im Alleingang die Idee eines neuen Nationalparks ausgebrütet hatte. Söders nun geäußerte „Skepsis“ hat aber wenig mit dem noch immer schwierigen Verhältnis der beiden CSU-Alphatiere zu tun. Sie ist vielmehr die logische Konsequenz eines Diskussionsprozesses, der für die CSU zunehmend in eine politische Sackgasse führte.

Seehofers Grundidee: Wahltaktik statt Naturschutz

Wie aber kann es sein, dass eine im Grundsatz gute Idee mit breiter öffentlicher Unterstützung, ein neues Naturschutzgebiet, derart gegen die Wand gefahren wird? Der Hauptgrund des Scheiterns der Nationalparkpläne dürfte wohl darin liegen, dass das Pferd von Anfang an von hinten aufgezäumt wurde.

So war schon Seehofers Grundüberlegung weniger dem dauerhaften Schutz einzigartiger Naturräume in Bayern geschuldet, sondern vielmehr der schnöden Erkenntnis, dass die CSU bei dem auch bei konservativen Wählern sehr populären Thema Naturschutz ausgesprochen schwach auf der Brust ist.

Das Bild der Regierungspartei prägten hier in den letzten Jahren das hartnäckige Eintreten für den Ausbau des Münchner Flughafens oder das brachiale Schleifen eines Schutzgebietes in den Allgäuer Alpen zugunsten neuer Ski-Lifte. Dieses Defizit hoffte Seehofer mit einem Nationalpark auszugleichen – verkannte dabei aber die ablehnende Stimmungslage einflussreicher Bevölkerungsgruppen in den betroffenen Regionen.

Wettkampf nur um die Nationalpark-Verhinderung

Statt des erhofften Wettbewerbs um den prestigeträchtigen Titel, schien es deshalb im folgenden Auswahlprozess in vielen Regionen nur noch darum zu gehen, wie man den Nationalpark am besten verhindern kann. Dass dabei vor allem die Nationalpark-Gegner oft nicht sehr sachlich kämpften, kann man mit gutem Grund kritisch sehen. Zumal die hitzige Stimmung ausgerechnet von führenden CSU-Politikern auch noch angefacht wurde.

Dies ändert aber nichts an der Erkenntnis, dass zunächst im Steigerwald und im Spessart, später auch in der Rhön, ein Nationalpark trotz großer Akzeptanz im weiteren Umfeld nur gegen massive Widerstände in den betroffenen Regionen möglich gewesen wäre – was für eine Regierungspartei wohl politischem Selbstmord nahe käme.

Mit dem Ausschluss von Steigerwald und Spessart und ihren einzigartigen Buchenwäldern verlor die Nationalpark-Idee zudem einen großen Teil ihrer naturschutzfachlichen Begründung. Weder die Donauauen noch die Rhön konnten hier bislang eine wirklich überzeugende Alternative bieten.

Was nun bleibt vom Nationalpark-Streit in Bayern, ist die ernüchternde Erkenntnis, dass eine sachlich-rationale Diskussion um ein emotionales Thema im Zeitalter sozialer Medien offenbar extrem schwierig ist. Und dass auch eine Demokratisierung der Entscheidung keine Befriedung bringt, wenn dabei offen bleibt, wer genau die relevante Bevölkerung ist, deren Willen am Ende maßgeblich sein soll.

Statt den regionalen Zusammenhalt zu stärken, hat die Nationalpark-Debatte zudem gerade in Unterfranken tiefe Risse hinterlassen. Vielleicht können sich Befürworter wie Gegner ja nun in der Erkenntnis treffen, dass die wunderschönen Wälder der Region auch ohne Nationalpark einen besonderen Reiz behalten werden.

Rückblick

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