HAMMELBURG

Lerntraining mit wirren Geschichten

Gregor Staub: Der Gedächtnis- trainer spielt mit den Zahlenräumen, die Schüler machen mit Kopf und Körper mit. Foto: Elisabeth Assmann

(eam) Konzentrierte Stille herrscht im Saal, als Gregor Staub wirre Geschichten etwa von Iren erzählt, die auf dem Eiffelturm Rum trinken, von Engeln im Park und Stierkämpfern, die zum Nordpol fliegen. Doch die Auflösung begeistert das Publikum: In dieser aufs erste unlogischen Erzählung sind alle 27 Staaten der Europäischen Union enthalten. Und weil die Bilder so unrealistisch sind, wird man die Länder kaum mehr vergessen.

Der Verein Freunde des Frobenius-Gymnasiums hatte einen Mega-Memory-Tag mit dem erfolgreichen Gedächtnis- und Motivationstrainer Staub organisiert. Mit dem Zitat von Henry Ford „Wer aufhört zu lernen, ist alt“, begrüßte Lehrer und Vereinsmitglied Ingo Schneider. Viermal vermittelte Staub seine Lerntechnik: Vormittags Schülern, nachmittags Lehrern und abends Eltern.

300 Vokabeln in fünf Stunden

Nicht nur weil die Stimme angeschlagen ist, verlangt Staub von den Zuhörern Aufmerksamkeit, unterbricht den Vortrag beim kleinsten Getuschel. Als die Schüler merken, dass der Experte konsequent ist, sind sie voll dabei. „Seid ihr bereit euch zu bewegen. Macht ihr mit? Die Mehrzahl der Hände sind oben. „Wollt ihr in fünf Stunden 300 Englischvokabeln beherrschen? Aber ihr müsst es wollen,“ betont der 57-jährige Schweizer. Er holt die Schüler aus ihrer Reserviertheit, gibt ihnen Selbstbewusstsein. „Ihr müsst euer Betriebssystem Ego positiv nutzen und motivieren. Formuliert eure Ziele schriftlich und genau! Fühlt euch wie Fünfjährige, die sind neugierig und wiederholen alles tausendmal.“

Mit diesen Sätzen bekommt er die Schüler ins Boot. „Keine Angst, ihr dürft beim Lernen Fehler machen. Ich blamiere mich täglich“, bekennt er freimütig.

Schon die alten Griechen kannten die Mnemotechnik (Mnemo = Gedächtnis)und verbanden mit Zahlen Bilder. Zweistellige Zahlen belegt Staub durch Räume vom Schlafzimmer bis zum Büro. Wenn die Bilder nach fünf Wiederholungen sitzen, lassen sich beliebig lange Zahlen durch Geschichten mit Zwergen im Schlafzimmer und Fußballern im Büro merken.

Hinter Staubs Konzept steckt viel Arbeit. „Ich habe ein grottenschlechtes Gedächtnis, habe mir aber ein tolles Lernsystem aufgebaut. An den Zahlenräumen habe ich elf Jahre gearbeitet“, bekennt er.

Nach Staubs Angaben arbeitet schon eine halbe Million Menschen mit seiner Methode. Am Schluss führt er sein neueste Errungenschaft vor: Große Zahlen ohne Taschenrechner multiplizieren. Die Schüler applaudieren begeistert. Dass Lernen Spaß machen kann, haben alle Zuhörer verstanden. In jedem steckt mehr, als er sich normal zutraut.

Verbindungslehrer Schneider wendet die Technik eher im privaten Bereich mit seinen Kindern an. „Es macht einen Riesenspaß. Den Einkaufszettel, den wir uns vor Jahren mit der Mnemotechnik angeeignet haben, können wir immer noch.“

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