RAMSTHAL

Lochner schließt seinen Laden

Noch fünf Monate, dann ist Schluss: Thomas Lochner gibt seinen Lebensmittelladen in Ramsthal auf.WOLFGANG DÜNNEBIER
Noch fünf Monate, dann ist Schluss: Thomas Lochner gibt seinen Lebensmittelladen in Ramsthal auf.WOLFGANG DÜNNEBIER Foto: Foto:

Eine Lücke wird Ende September in der Ramsthaler Hauptstraße klaffen. Thomas Lochner schließt seinen Lebensmittelladen. Vor fünf Jahren hatte er die Verkaufsfläche von Familie Stäblein übernommen. Jetzt endet eine ganze Tradition. 50 Jahre hat das Geschäft zur Ernährung des Ortes beigetragen. Der aktuelle Betreiber möchte sich mit dem Ablauf seines künftig auf seinen Laden in Wasserlosen konzentrieren.

Nach Lochners Ladenschließung wird es in Ramsthal weiter Lebensmittel zu kaufen geben. Bäcker Klaus Kemmer bietet ebenfalls an. Dessen Freude über die Aufgabe seines Mitbewerbers hält sich in Grenzen. Er kämpft mit ähnlichen Problemen. „Was fehlt, sind die richtigen Einkäufe“, sagt er. Besorgt wird meistens nur das, was beim Großeinkauf auswärts vergessen worden ist. Es seien die Synergien mit seiner Bäckerei, die den Laden noch am Laufen halten. „Anders wäre das nicht mehr machbar.“

Mangelnder Fleiß der Händler ist wohl nicht schuld an der Situation. Die Rahmenbedingungen in der Lebensmittelbranche machen das Leben schwer. Schon seit der Übernahme des Geschäftes wird Thomas Lochner nicht mehr von Edeka beliefert. „Dafür bin ich einfach zu klein“, verweist der 50-Jährige auf seine einhundert Quadratmeter Verkaufsfläche. Zwar fühle er sich in seinem neuen Einkaufsverband gut aufgehoben, aber bei den Preisen der Großen könne er nicht mithalten. Viele schauten nur auf die Sonderangebote. In der Breite sei er gar nicht so viel teurer.

Zunehmend schwieriger werde das Wirtschaften nach dem Tod etlicher Stammkunden. Gerne stellt Lochner Einkäufe zusammen und liefert sie nach Hause. Doch für vertraute Kunden kommen keine Jungen mehr nach. „Die meisten arbeiten außerhalb und kaufen auch dort ein“, weiß Lochner. Um 50 Prozent habe der Umsatz seit seiner Geschäftsübernahme abgenommen. Vielleicht liege das auch daran, dass er Auswärtiger sei, so der Obbacher selbstkritisch.

Am meisten ist im Laden zwischen 17 und 18 Uhr los. Dann besorgen die Leute, was sie außerhalb vergessen haben. Da hilft auch die Breite des Sortiments nicht. Von Wanderkarten über Tapetenkleister, Glühlampen und Friedhofskerzen sowie Glückwunschkarten gibt es eine kleine Auswahl deessen, was man so für das Leben braucht. Briefmarken verkauft er ganz ohne Gewinn auf eigene Rechnung.

Obwohl Lochner Etliches investiert hat, machen ihm die Nebenkosten zu schaffen. Rund 1000 Euro bezahlt er monatlich unter anderem für die vier Kühl- und Gefriertruhen. Jetzt noch einmal Ersatz zu beschaffen, würde sich nicht mehr lohnen.

Was auch schwer wiegt, ist die Arbeitszeit. Ab sechs Uhr kümmert er sich um seine Waren, um 7.30 Uhr öffnet er das Ramsthaler Geschäft. Bis zu 80 Stunden in der Woche ist Lochner in der Woche unterwegs. Nicht nur für Hauslieferungen, sondern auch für den Warenaustausch mit seinem Laden in Wasserlosen. Dieser erleichtert ihm das Wirtschaften. Dinge, die er in größeren Mengen abnehmen muss, teilt der Obbacher zwischen seinen Läden auf. Das beschert zusätzlich Wege.

Mit der Konzentration auf Wasserlosen verspricht er sich bessere Lebensumstände. Zumal sich dort die Kunden daran gewöhnt haben, dass der Laden von Montag bis Donnerstag nur vormittags offen hat.

Auch Klaus Kemmer erzählt von einer hohen Arbeitsbelastung. Es kommt schon vor, dass er nach der Nacht in der Backstube eine erkrankte Verkäuferin im Laden ersetzt und dann noch Backwaren ausfährt. Zehn bis zwölf Jahre wolle er voraussichtlich noch weitermachen. „Aber was ist dann?“, fragt der 52-Jährige.. Man sei ja gerne für die Kunden da und liefere auch nach Hause.

Den Laden übernehmen werde doch nur jemand, wenn die Bilanz langfristig stimme. Aus heutiger Sicht ein Glücksfall sei der Anbau einer Rampe für Rollatoren und Kinderwagen vor zehn Jahren gewesen. Das wüssten Ältere und Mütter mit Kindern sehr zu schätzen. „Heute würden wir das nicht mehr schaffen“, gibt er zu bedenken. Betagte Kühltruhen hat Kemmer jetzt kostenbewusst durch vier Kühlschränke ersetzt.

Verstärkt wolle er auf den neuen Gemeinderat und die Vereine zugehen, um für die Bedeutung der Einkaufsgelegenheit zu werben. Schließlich springe man auch bei Vereinsfesten ein, wenn plötzlich etwas fehlt.

„Es nutzt nichts, wenn man stolz darauf ist, dass am Ort noch Läden und Gaststätten vorhanden sind.“ Falls einem der Laden etwas bedeute, muss man hier auch mal einkaufen, lautet sein Appell. Einen Impuls verspricht er sich von der Erweiterung seines Angebots um einen DHL-Paketshop ab Mitte Mai.

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