BAD KISSINGEN

Ludwig Lang: Drei Bücher, ein Leben

Lesestoff: Ludwig Lang (links) übergibt Oberbürgermeister Kay Blankenburg im Rathaus seine dreibändige Autobiografie „Vor 70 Jahren - Erinnerungen“ für das Stadtarchiv in Bad Kissingen. Foto: Sara-Sophie Schmitt

85 Jahre ist Ludwig Lang. 85 Jahre, die er aufgeschrieben hat. Drei Bände umfasst das Werk. Sein Titel: „Vor 70 Jahren – Erinnerungen“. Und erinnern kann sich Ludwig Lang an vieles.

Zum Beispiel an seine Ankunft in Bad Kissingen vor 70 Jahren, im Winter 1942. Ein Winter mit viel Schnee sei das gewesen. Eigentlich habe er gar nicht nach Bad Kissingen gewollt. Seine Mutter Maria aber wollte weg aus Berlin, aus Angst vor den vielen Bomben. „Am Bahnhof ist keiner außer mir ausgestiegen. Ich bin durch den Luitpold-Park gelaufen. Bestimmt 25 Zentimeter hoch lag der Schnee“, erzählt Lang.

Oder der Umzug seiner Eltern nach Kissingen im Jahr 1942. Sie mussten damals die Möbel mit dem Schlitten ins Fremdenheim Fürst Bismarck bringen, eine Woche mit Schneewasser kochen und sich waschen. Fließendes heißes Wasser, Heizung? Fehlanzeige.

Und das sind nur einige der vielen Erinnerungen, die er in seiner Autobiografie aufgeschrieben hat. Wie er auf die Idee kam, sein Leben zu notieren, weiß Lang noch ganz genau. Sein Vater sei in französischer Kriegsgefangenschaft gewesen und habe dort seine Lebensgeschichte auf Zettel geschrieben. „Mein Sohn hat damals gesagt: Das musst du doch weiterführen“, so Ludwig Lang.“

Gesagt, getan. Teils mit Hilfe von Fotoalben, teils nur mit seinen Erinnerungen formulierte Lang seine Autobiografie. Das Schreiben habe ihm viel Spaß gemacht, sagte Lang und fügt hinzu. „Bei Aufsätzen war ich immer gut.“ Sogar einen Computerlehrgang habe er gemacht, um nicht länger mit der Schreibmaschine arbeiten zu müssen.

Das Ergebnis seines Schaffens gibt nicht nur Einblicke in die persönliche Lebensgeschichte des Autors und seinen Blick auf die vergangene Politik, es spiegelt auch die damalige Gesellschaft, den damaligen Alltag in Bad Kissingen wider: Gab es fließendes Wasser? Hatte man eine Heizung? Ein eigenes Auto?

Am Dienstag übergab Ludwig Lang dem Stadtarchiv Bad Kissingen ein Exemplar seiner Autobiografie. „Herr Lang ist ein authentisches Stück Bad Kissingen“, sagte Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Kulturreferent Peter Weidisch ergänzte: Das Stadtarchiv sei das Gedächtnis Bad Kissingens und müsse gefüttert werden. Mit Langs Autobiografie bekam es eine reichhaltige Mahlzeit.

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