GEFÄLL

Ludwig Moritz: Der einst im Fußballtrikot die Orgel schlug

Über ein halbes Jahrhundert lang dirigiert der auch als Rhöner Schulmeister bekannte Ludwig Moritz aus Gefäll schon Chöre und Kapellen. Seine 50-jährige Tätigkeit beim Musik- und Gesangverein Harmonie Gefäll wird am Sonntag mit einem besonderen Konzert „In alter Freundschaft“ für den Jubilar gefeiert.

Zwar zieht Moritz seit geraumer Zeit seine Nachfolger heran: Klaus Voll für den Musikverein und Rainer Endress für den Männer- sowie den gemischten Kirchenchor. Doch hat der passionierte Musikliebhaber den Taktstock noch nicht gänzlich aus der Hand gegeben, wird in Gefäll seit Jahren im dauernden Wechsel dirigiert. Immerhin dürfen seine Nachfolger mittlerweile auch bei der Liederauswahl ein Wörtchen mitreden.

Moritz wurde 1936 in Münnerstadt geboren und besuchte dort Volksschule und Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er zwei Jahre am Institut für Lehrerbildung in Würzburg. „In die Proben sind wir alle rein geströmt“, erinnert sich Moritz an seine Studentenzeit. Doch seien die „recht salopp“ geleitet worden, sodass seine Kommilitonen ihn anspornten, Chor und Orchester zu übernehmen.

Der Junglehrer, was die Mitstudenten wussten, war nämlich vorbelastet: Mürschter Sängerknabe unter Otto Seit, Leiter des Schülerchors am Gymnasium und ausgebildet an Klavier, Orgel und Trompete. Auch die Münnerstädter Stadtkapelle führte er bei der Schwedenprozession an.

Der damalige Organist Otto Seit hatte einen weiten Weg zur Kirche. Deshalb war er froh, wenn der junge Moritz am Sonntag die Mittagsandacht übernahm. „Kurz und bündig“ habe es der Pfarrer gewollt, plaudert der heute 72-Jährige aus dem Nähkästchen, „damit er rechtzeitig zum Fußball konnte“. Das war ganz in seinem Sinne. Denn der junge Musiker saß schon startbereit an der Orgel. Unter seinem Mantel „war der Fußballer schon fertig, bis auf die Fußballschuhe“. Denn damit habe er schwerlich die Orgel spielen können, schmunzelt er noch heute.

Fußball ist neben der Musik eine weitere Leidenschaft des Gefäller Schulmeisters. Bevor er in seiner zukünftigen Heimat seine erste, und übrigens auch einzige Stelle als Junglehrer antrat, kickte er schon geraume Zeit in der unterfränkischen Amateurliga. Um damals in Gefäll Fußball „spielen zu dürfen“, nahm er freiwillig den Abstieg um vier Klassen in Kauf. Lange Jahre habe er auch in der Landkreislehrerfußballmannschaft gespielt, zu deren Mitbegründer er zählte. Sein letztes Spiel absolvierte er im Alter von 39 Jahren.

Mit Antritt als Lehrer in Gefäll übernahm der 22-Jährige auch die Leitung des 1956 gegründeten Chors von Arnold Geißler. Er sei da einfach rein gegangen, obwohl er „gar nicht wusste ob die schreien oder schön singen“. Hätte Moritz den Chor nicht übernommen, wäre er führerlos gewesen.

Seit 1965 ist der vierfache Vater und Opa von fünf Enkeln auch der Organist von Gefäll. Noch heute helfe er in den umliegenden Dörfern aus – am liebsten in der Frauenrother Kirche, weil er an der Hochrhein-Orgel, die von einem Mürschter gebaut wurde, besonders gern spielt. 1967 wurde er Gruppenchorleiter der Sängerlust Bad Kissingen und später Kreischorleiter des Sängerkreises Schweinfurt.

Wöchentlich nach Stammheim

Jahrelang fuhr Moritz mit seiner Frau Martha auch wöchentlich nach Stammheim, um im gemischten Chor unter Gustav Gunzenheimer zu singen. Die Kinder des Ehepaares vergnügten sich derweil auf dem nebenliegenden Fußballplatz.

Mitglied war der vielbeschäftigte Mann auch bei der Lehrerband „Hot Päds“, die in den 1960er Jahren im nördlichen Unterfranken „ganz schön gesucht“ waren. Danach gründeten er und Martha die „Rhöner Schulmeister“.

Einige Hundert Lieder, die er für alle Chorgattungen gesetzt oder arrangiert hat, gehen auf sein Konto. Daneben hat er 17 Liederbände mit jeweils 64 Liedern bearbeitet und teilweise komponiert. Der 18. Band ist derzeit in Bearbeitung. Der 20. mit der Inhaltsangabe „Gott sei Dank!“ soll der letzte werden. Doch Lieder sammeln und bearbeiten werde er immer, und wenn er noch so alt werde, weiß Moritz heute schon.

Moritz war nicht nur in Musik und Sport engagiert. 30 Jahre lang war er auch Kreisrat und mit Beginn der Eingemeindung 1972 sechs Jahre Bürgermeister. In der folgenden Periode fungierte er als Gemeinderat und stellte sich als Landratskandidat für den Landkreis Bad Kissingen. Auf das damalige Wahlergebnis, rund ein Drittel der Stimmen, ist Moritz noch heute recht stolz. Die habe er bekommen, obwohl der Pfarrer noch früh in der Kirche gemahnt hatte: „Wählt mer frei christlich!“

„Organisieren ist alles“, erklärt Moritz lächelnd, wie er so Vieles unter einen Hut gebracht habe. Ganz nebenbei erwähnt er schließlich noch, dass er zu Hause Küchenchef und Einkäufer („da trifft man immer viele Leute“) ist und seiner Frau auch noch im großen Garten hilft.

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