Maria Bildhausen

Maria Bildhausen: Eine Lichterkette von 73 Kilometern Länge

In der Fertigung von Opferlichtern sind die Männer und Frauen in der Kloster-Manufaktur spitze. Jährlich stellen sie 1,5 Millionen der mit Stearin gefüllten Behälter her.
Tim Ebert (links) beaufsichtigt die Maschine, mittels der die Opferlichter befüllt werden. Alexander Lieb kontrolliert, ob die 16 Behälter Standard haben.
Tim Ebert (links) beaufsichtigt die Maschine, mittels der die Opferlichter befüllt werden. Alexander Lieb kontrolliert, ob die 16 Behälter Standard haben. Foto: Isolde Krapf

Opferlichter kann man in jeder katholischen und zunehmend auch in evangelischen Kirchen anzünden. Die kleinen Dauer-Brenner sind das ganze Jahr über gefragt. Und dennoch bekommen die Maria Bildhäuser zur Weihnachtszeit für die Opferlichter jede Menge zusätzlicher Bestellungen rein. "Da ist nun mal Hochsaison, weil die Menschen öfter in die Kirchen gehen", sagt stellvertretender Einrichtungsleiter Benjamin Schmitt.

Freilich gibt es auch Privatleute, die eine solche Mini-Kerzenbeleuchtung auf dem heimischen Schrank oder Wohnzimmertisch zu schätzen wissen, weiß Schmitt. Hauptkunden seien jedoch die Kirchen. Dabei werden die Opferlichter einerseits bis hoch in die neuen Bundesländer, andererseits auch bis nach Landshut ins südöstliche Bayern runter verkauft, dröselt der stellvertretende Einrichtungsleiter die Vermarktungswege auf.

Steffi Winkler (links) und Marliese Albert haben die Becher im Auge: Wenn einer beschädigt oder nicht ganz sauber ist, wird er aus dem Verkehr gezogen.
Steffi Winkler (links) und Marliese Albert haben die Becher im Auge: Wenn einer beschädigt oder nicht ganz sauber ist, wird er aus dem Verkehr gezogen. Foto: Isolde Krapf

Größter Kunde Liebfrauenkirche

Bestellungen kommen aber auch regelmäßig aus der größten hessischen Stadt Frankfurt in Maria Bildhausen an. Denn die Verwaltung der dortigen Liebfrauenkirche nimmt, nach Schmitts Angaben, jährlich allein 750 000 bis 800 000 Opferlichter aus Maria Bildhausen ab.

"Frankfurt ist unser größter Kunde", sagt Schmitt  und weiß noch einen anderen Rekord: "Wir haben mal ausgerechnet: Wenn man die Lichter alle aneinanderreihen würde, käme eine Strecke von 73 Kilometern, also von Maria Bildhausen  bis Würzburg, zusammen."  Aber natürlich gebe es auch zahlreiche Kunden, die kleinere Bestellungen von 300 bis 3000 Opferlichtern tätigen.

Nachhaltigkeit ist Pflicht

Was die Mini-Kerzen der Kloster-Manufaktur so bedeutsam macht: Die Behältnisse werden mehrfach neu befüllt. Die ausgebrannten Hülsen werden also zunächst vor Ort in den Kirchen gesammelt und später zurück in den Münnerstädter Stadtteil gebracht, erklärt Gruppenleiter Rainer Ludwig das nachhaltige Prozedere . "Wir säubern sie und befüllen sie wieder - unter Umständen 10 bis 15 Mal." 

Reinigung der Mini-Becher: Horst Stahl an der Druckluftschraube.
Reinigung der Mini-Becher: Horst Stahl an der Druckluftschraube. Foto: Isolde Krapf

Wichtig ist Ludwig auch der Hinweis auf das wachsweiche Innere der kleinen Lichter. "Paraffin wollten wir 2009, als wir mit der Fertigung begannen, nicht nehmen, weil es ein Erdöl-Nebenprodukt ist", stellt er klar. Stearin sei auch nur deshalb in Frage gekommen, weil mittels Zertifizierung sichergestellt ist, dass das Material - eigentlich großenteils Palmöl - nur aus Alt-Plantagen stammt, also dafür keine Wälder gerodet werden.

Der Duft von Lavendel und Vanille

Neben Opferlichtern fertigen die 27 Männer und Frauen, die in der Kerzen-Abteilung arbeiten, unter anderem auch noch Teelichter in kleinen Gläsern, sowie Kerzen in Tontöpfen und in Porzellan-Schälchen. Aber auch die Produktion von Duftkerzen im Glas spielt in Maria Bildhausen eine große Rolle. Immerhin werden davon jährlich rund 10 000 Stück davon gefertigt, sagt der Gruppenleiter.

Da riecht's dann frühmorgens schon mal nach Lavendel, Orange oder Kirsche, wenn man in die Werkstatt kommt. Zur Vorweihnachtszeit passen natürlich hervorragend die Gerüche von Bratapfel, Vanille oder Christmas Cookie. Allerdings geht's mit der Produktion dieser duftigen Erleuchtungen schon Ende August los. Klar, dass da der eine oder die andere andere Beschäftigte in der Manufaktur sich noch nicht mit dem Geruch von Zimt und Spekulatius anfreunden kann.

Vanessa Lieb gießt Palmwachs in die künftigen Friedhofslichter.
Vanessa Lieb gießt Palmwachs in die künftigen Friedhofslichter. Foto: Archiv Isolde Krapf

Im allgemeinen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Abteilung, trotz ihrer Handicaps, mit Begeisterung bei der Sache. Horst Stahl zum Beispiel sitzt an der Druckluftschraube, mittels der das alte Wachs aus den Bechern herauskatapultiert wird. "Früher hatten die Beschäftigten das immer mühsam mit dem Messer herauskratzen müssen", erklärt der Gruppenleiter. Bis dann der frühere Hausmeister Josef Lippert auf eine pfiffige Idee kam und diese Vorrichtung erfand, die das Arbeiten jetzt erheblich erleichtert.

Hand in Hand mit der Maschine

Bevor die leeren Plastikbehälter später wieder befüllt werden, sollten sie natürlich sauber sein. Dafür sorgen zum Beispiel Steffi Winkler und Marliese Albert. Ihre fachkundigen Blicke schweifen immer wieder über die vor ihnen auf einer Art rundem Blech kreisenden Plastik-Minis, denn beschädigte oder verschmutzte Becher müssen herausgenommen werden. Und dann kommen die kleinen Schalen irgendwann an der Produktionseinheit von Tim Ebert und Alexander Lieb an, unter deren Aufsicht sie schließlich maschinell mit Palmwachs befüllt werden.

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